Verspäteter Start des ersten ″Dreamliner″ | Wirtschaft | DW | 26.09.2011
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Wirtschaft

Verspäteter Start des ersten "Dreamliner"

Mit mehr als drei Jahren Verspätung hat der US-Konzern Boeing den ersten "Dreamliner" ausgeliefert. Das Langstreckenflugzeug geht an Japan. Pannen und Fehlentscheidungen begleiteten das Projekt von Beginn an.

Der erste Dreamliner hebt am Dienstag (27.09.2011) Richtung Japan ab (Foto: AP)

Der erste Dreamliner hebt am Dienstag Richtung Japan ab

Die Auslieferung der ersten Boeing 787 an die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways ANA als ersten Kunden war ursprünglich für Mai 2008 geplant. Eigentlich sollte das zweistrahlige Langstreckenflugzeug mit einer Reichweite um 15.000 Kilometer den Vormarsch des europäischen Rivalen Airbus stoppen. Doch durch die beispiellose Pannen-Serie schmolz der Vorsprung dahin.

Der US-Luftfahrtkonzern Boeing wollte ein Flugzeug für die lange Strecke entwickeln, das nicht nur komfortabler ist, sondern auch noch 20 Prozent weniger Kerosin verbraucht als vergleichbare Modelle. Dafür betrat der Konzern technisches Neuland: Er setzte für den Rumpf auf die leichte und gleichzeitig stabile Karbonfaser statt auf das erprobte Aluminium. Als Boeing allerdings dann auch noch den Großteil der Arbeiten an Zulieferer auslagerte, löste eine Panne die nächste ab. Die fremden Partnerunternehmen waren mit dem modernen Kunststoff überfordert, lieferten Teile falsch oder zu spät. Absprachen funktionierten nicht.

Ein extrem teurer "Verkaufsschlager"

Was Kosten einsparen sollte, erwies sich als - wie es "Die Zeit" nannte - der wohl teuerste Fehler der zivilen Luftfahrtgeschichte. Boeing zog die Notbremse, holte viele Arbeiten wieder zurück in den Konzern und schaute den Zulieferern stärker auf die Finger. Doch wertvolle Zeit war verloren und konnte nicht wieder aufgeholt werden.

Boeing-Mitarbeiter bejubeln den Jungfernflug des Dreamliner 787 im Dezember 2009 (Foto: AP)

Boeing-Mitarbeiter bejubeln den Jungfernflug des "Dreamliner" 787 im Dezember 2009

Bis die ersten Probleme auftraten, galt der Flieger als Verkaufsschlager. In Zeiten steigender Kerosinpreise riss man sich um das leichte Modell. In kurzer Zeit gab es fast 1000 Bestellungen beim amerikanischen Flugzeugbauer. Übrig geblieben sind 821, darunter 15 von Air Berlin. Die deutsche Fluggesellschaft rechnet 2014 mit den ersten Maschinen. Neue Aufträge laufen derzeit kaum ein. Die lange Wartezeit schreckt ab. Wer heute eine 787 bestellt, bekommt die Maschine Ende des Jahrzehnts.

787-Produktion soll deutlich ausgeweitet werden

Derzeit werden in dem Boeing-Werk in Everett im US-Bundesstaat Washington zwei Flugzeuge im Monat fertiggestellt. Die Maschine hat eine Spannweite von 60 Meter, ist 57 Meter lang und 17 Meter hoch. In der kleineren Variante, der Boeing 787-8 finden 210 bis 250 Passagiere Platz, in der verlängerten 787-9 bis zu 290. Bis 2013 sollen zehn "Dreamliner" pro Monat gebaut werden. Doch Branchenkenner zweifeln an der Umsetzung des Plans. "Die Zulieferer machen bereits jetzt Überstunden, um pro Monat zwei Flugzeuge zu produzieren", sagte Morgan-Stanley-Analystin Heidi Wood.

Unklar bleibt, wann das Langstreckenflugzeug Gewinn einfliegt. 2009 musste der Konzern eine Vorsteuerbelastung von 2,5 Milliarden US-Dollar - knapp 1,9 Milliarden Euro - in die Bilanz aufnehmen. Zudem muss Boeing wegen der Lieferverzögerungen Vertragsstrafen an die Fluggesellschaften zahlen. Der Listenpreis eines "Dreamliner" liegt bei 185 bis 218 Millionen US-Dollar - 137 bis 162 Milllionen Euro.

Im Januar kommt der "Dreamliner" nach Deutschland

Boeing-Chef James (Jim) McNerney (Archivfoto vom Juni 2011: AP)

Boeing-Chef McNerney ist vom "Dreamliner" überzeugt

Boeing-Chef James (Jim) McNerny ist dennoch stolz auf das jüngste Produkt. Vor Journalisten bekräftigte er, es sei das Ziel erreicht worden, dass sich ein Passagier nach einem Zehn-Stunden-Flug besser fühle. Die Fenster seien um mehr als 60 Prozent vergrößert worden, damit jeder von seinem Sitz aus den Horizont sehen könne.

An diesem Dienstag (27.09.2011) hebt der erste "Dreamliner" in Richtung Japan ab. Die Fluggesellschaft All Nippon Airways, die schon seit Jahren auf ihrer Visitenkarte das 787-Logo druckt, hat insgesamt 55 Maschinen bestellt. Von Mitte November an soll die Boeing 787 dann im Inland zwischen der Hauptstadt Tokio und Okayama-Hiroshima eingesetzt werden. Der erste Langstreckenflug ist für Januar zwischen Tokio und Frankfurt am Main geplant.

Autorin: Susanne Eickenfonder (dapd, dpa, afp)
Redaktion: Reinhard Kleber

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