Verhandlungen über Eröffnung türkischer Schulen in Deutschland | Deutschlehrer-Info | DW | 23.01.2020
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Deutschlehrer-Info

Verhandlungen über Eröffnung türkischer Schulen in Deutschland

In drei deutschen Städten könnten künftig türkische Schulen entstehen. Das Auswärtige Amt spricht von „Gegenseitigkeit“. Bei vielen Akteuren bleiben aber Bedenken.

Die Türkei will in Deutschland drei Schulen gründen und verhandelt darüber aktuell mit der Bundesregierung. Ein geplantes Abkommen soll den rechtlichen Rahmen für die Einrichtung der Schulen regeln – analog zu den drei deutschen Auslandsschulen in Ankara, Istanbul und Izmir. Als Standorte für die türkischen Schulen seien Berlin, Köln und Frankfurt am Main im Gespräch, so ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Verhandelt werde aktuell über „ein Rahmenabkommen der Gegenseitigkeit".

Die Bundesregierung will die Schulen nur ermöglichen, wenn sie deutschem Recht unterliegen. Sie müssten sich an die jeweiligen Bildungsgesetze der Länder halten und von der Schulaufsicht kontrolliert werden, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD). „Wenn die Schulaufsicht Zugriff hat, dann kann man darüber konstruktiv mit der Türkei sprechen."

Laut dem Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, gibt es in vielen Familien mit türkischem Hintergrund den Wunsch nach türkischen Schulen. Um Einflussmöglichkeiten der türkischen Regierung zu unterbinden, so Sofuoglu, müssten die Schulen aber unter Aufsicht der Schulbehörden in Deutschland stehen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, forderte eine Einhaltung kultureller Werte. „Klar muss sein: Was an Schulen in Deutschland gelehrt wird, muss mit unseren Grundwerten und Gesetzen übereinstimmen", sagte die CDU-Politikerin. Auch die Linken-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen sieht die Pläne skeptisch und warnt vor einer „Indoktrination" der Schüler.

Klar gegen die türkischen Schulen stellte sich die CSU. „Wir wollen keine Erdogan-Schulen in Deutschland", sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume. Wer deutsche Schulen in der Türkei schließe, dürfe in Deutschland keine eröffnen, sagte Blume mit Blick auf die vorübergehende Schließung der deutschen Schule in Izmir 2018 durch die türkischen Behörden. Das türkische Erziehungsministerium hatte erklärt, dass der Schule die rechtliche Grundlage fehle.

Das geplante Abkommen mit der Türkei zielt dem Auswärtigem Amt zufolge darauf ab, „die Rechtsgrundlage für die deutschen Auslandsschulen in Ankara, Istanbul und Izmir abzusichern". Vergleichbare Abkommen gibt es nach Angaben eines Sprechers bereits mit über 20 Staaten. Wann die Gespräche abgeschlossen werden, sei noch offen. Ein Entwurf für ein Abkommen liege Hessen, Berlin und Nordrhein-Westfalen derzeit zur Prüfung vor.

Die türkischen Schulen in Deutschland sollen der „Süddeutschen Zeitung" zufolge als sogenannte Ersatzschulen betrieben werden. Diese Privatschulen würden selbst Lehrmethoden wählen und Personal einstellen dürfen, aber Lerninhalte vermitteln, die denen in öffentlichen Schulen gleichwertig sind. Sie benötigen eine staatliche Genehmigung und unterstehen den jeweiligen Landesgesetzen.

rh/sst (mit dpa)

 

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