Verhaltener Börsenstart für VW-Lastwagen-Sparte | Wirtschaft | DW | 28.06.2019
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Börsengang

Verhaltener Börsenstart für VW-Lastwagen-Sparte

Der Nutzfahrzeug-Hersteller Traton kommt bei seinem Börsendebüt nicht in die Gänge. Die Aktien der Volkswagen-Tochter erschienen am Freitag erstmals auf den Kurszetteln der Börse in Frankfurt.

Im zweiten Anlauf hat die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen, Traton, nun den Gang an die Börse geschafft. Doch die Manager mussten zurückstecken: VW konnte nicht - wie zunächst vor Ostern geplant - einen Anteil von 25 Prozent ausgeben, sondern von höchstens 11,5 Prozent. Und der Emissionskurs lag mit 27 Euro auch am unteren Rand der Emissionsspanne. Das war auch der erste Preis am Morgen gegen 9.15 Uhr, danach bröckelte der Kurs jedoch leicht ab trotz der üblichen Stützungskäufe der Banken. Oliver Roth, Börsenchef des Bankhauses Oddo Seydler, wollte den Börsengang dennoch als Misserfolg bezeichnen und verwies auf die ungünstigen konjunkturellen Rahmenbedingungen. Allerdings hätten die Investoren offenbar einen niedrigeren Ausgabekurs erwartet.  

Traton-Chef Andreas Renschler jedenfalls läutete energisch und offenkundig erleichtert die Börsenglocke (siehe Artikelbild). Er sei stolz, dass sein Unternehmen den Börsengang nun geschafft habe, sagte er. Traton ist sowohl in Frankfurt als auch in Stockholm an die Börse gegangen, denn das Unternehmen führt ja neben MAN auch den schwedischen Lkw-Bauer Scania. Das sei ein großer Meilenstein für VW und für Traton, sagte VW-Aufsichtsratchef Hans Dieter Pötsch. Der Erlös von gut 1,5 Milliarden Euro fließt vollständig an Volkswagen, das damit zunächst seine Nettoliquidität aufbessert, das ist wichtig wegen des Ratings. Denn Volkswagen ist im Umbruch hin zur Elektromobilität, es stehen hohe Investitionen an, allerdings auch für die Digitalisierung und das autonome Fahren.

Deutschland E-Highway Hessen A5 Teststrecke (picture-alliance/dpa/S. Stein)

Ein Lkw von Scania, hier auf einer Oberleitungs-Teststrecke in Hessen

 

Tratons Konkurrent heißt Daimler

Themen, die auch Traton bewegen. Der Nutzfahrzeughersteller gewinnt nun finanzielle Flexibilität, mit der er zusätzliche Liquidität generieren kann. Man kann Aktien aber auch als Akquisitionswährung einsetzen. Die seien noch nicht im Plan, versicherte Renschler. Doch er nannte als Ziel, die Strategie des globalen Champions weiterzuentwickeln. Das sei auch nötig, mahnt Stefan Bratzel, Automobilexperte des Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Denn Traton ist bisher nur in Europa die Nummer Eins mit einem Marktanteil von 33 Prozent, das Europa-Geschäft hatte etwa im ersten Quartal knapp drei Viertel Anteil am Konzernabsatz. Traton müsse aufholen vor allem zu Daimler, sagt Bratzel, dessen Nutzfahrzeugsparte Renschler lange Jahre bis zum März 2013 geleitet hatte, bevor er 2015 zu Volkswagen wechselte. Vor allem in den USA müsse Traton aufholen, meint Bratzel, auf längere Sicht sei aber auch der chinesische Markt sehr wichtig. 

Die alternativen Antriebe sind zwar auch für Nutzfahrzeuge ein wichtiges Thema, wenn auch noch nicht so dringend wie im Pkw-Bereich. Da sieht Renschler sein Unternehmen auf gutem Weg. Wichtig auch: Das autonome Fahren. Denn der Kaufpreis eines Lkw macht an den Gesamtkosten nur ein Zehntel aus, hat die Unternehmensberatung Bain ermittelt. Auf den Treibstoff entfällt mit 35 Prozent der größte Anteil, dann aber folgen schon die Kosten für die Fahrer mit 30 Prozent. Deshalb sind die Unternehmen an sinkenden Personalkosten interessiert. 

Lastwagen Kerem Shalom Gaza Schließung (picture-alliance/Photoshot/K. Omar)

Lkw von MAN, hier im Gaza-Streifen unterwegs

Wachstumsmotor Onlinehandel

Die Aktie im aktuellen konjunkturellen Umfeld zu platzieren war ein Wagnis. Andreas Renschler verweist aber auf die Auftragsbücher, die auf Sicht der nächsten sechs bis neun Monate gut gefüllt seien. Die Handelskonflikte wirkten sich bisher nur indirekt aus, weil die Märkte regional seien: "Einen amerikanischen Lkw können sie nicht in Europa verkaufen, einen für den europäischen Markt produzierten nicht in den USA", erklärt er. Zölle träfen deshalb die Nutzfahrzeugbranche nicht so stark wie die Pkw-Hersteller. Dennoch werde man sich auch auf schlechtere Zeiten vorbereiten. Der Traton-Chef verweist aber auch darauf, dass es immer Transportnotwendigkeiten geben werde: weil die Supermärkte und Geschäfte beliefert werden müssten. Und es gebe einen großen Wachstumsmotor - den Internethandel: "Ich weiß nicht, ob wir, egal welche Wirtschaftskonflikte da sind, alle aufhören im Internet zu bestellen. Wir müssen uns alle immer klar sein darüber: das Paket, oder diese Ware, die bestellt wird, muss irgendwie an das Haus oder in die Wohnung kommen."

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