Verfolgt und als ″Ungläubige″ verachtet: Jesiden | Kultur | DW | 10.04.2018
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Kultur

Verfolgt und als "Ungläubige" verachtet: Jesiden

Mit "Reseba - The Dark Wind" kommt ein Film über den Völkermord an den Jesiden ins deutsche Kino. Wer sind sie? Woran glauben sie? Warum werden sie verfolgt? Und wie leben sie in Deutschland? Vier Fragen, vier Antworten.

Wer sind die Jesiden?

Die Jesiden zählen als religiöse Minderheit zum Volk der Kurden. Ihre Muttersprache ist das nordkurdische Kurmanji. Weltweit gibt es etwa eine Million Jesiden. Ihre Siedlungsgebiete liegen überwiegend im Irak, aber auch in Syrien, in der Türkei und im Iran. Allein im Irak leben nach Angaben des Zentralrats der Jesiden in Deutschland ca. 750.000 Menschen jesidischen Glaubens. In der Nähe von Mossul befindet sich Lalish, das religiöse Zentrum der Jesiden.

Weil sie flüchten mussten, leben viele von ihnen heute in Armenien, Georgien und Russland. Fast alle türkischen und die Mehrheit der syrischen Jesiden, aber auch zahlreiche aus dem Irak, leben heute in Westeuropa, überwiegend in Deutschland.

Auszeichnung für Regisseur Hussein Hassan (li) beim 13. Dubai Film Festival. (Getty Images/AFP/N. Balout)

Beim Dubai Film Festival wurde Regisseur Hussein Hassan (links) für "Reseba - The Dark Wind" ausgezeichnet

Woran glauben die Jesiden?

Die Jesiden glauben an einen allumfassenden Gott. Die Wurzeln ihrer monotheistischen Religion liegen 2.000 Jahre vor der Entstehung des Christentums.

Die Jesiden glauben nicht an die Existenz einer bösen Kraft: Gott wäre schwach, würde er eine zweite Kraft neben sich existieren lassen. Den Teufel zu erwähnen, wäre Gotteslästerung.

Im Mittelpunkt des jesidischen Glaubens steht der Erzengel Taus-i Melek. Er wird als Stellvertreter Gottes auf Erden verehrt und als Pfau symbolisiert. Als Jeside wird man geboren. Es gibt keine Möglichkeit, zum Jesidentum zu konvertieren. Jesiden dürfen nur untereinander heiraten.

Warum werden Jesiden verfolgt?

Reko (Rekish Shahbaz) im Film Reseba - The Dark Wind (DIFF)

Im Film wird die Jesidin Reko (Rekish Shahbaz) von einer IS-Miliz verschleppt und als Sklavin verkauft

Fanatische Muslime verachten Jesiden als "Ungläubige", die es zu bekehren oder umzubringen gilt. Seit der Irakkrise 2014 löste der Vormarsch des so genannten "Islamischen Staats" im Norden des Iraks eine Fluchtwelle vor allem von Jesiden aus. Am 3. August 2014 überfiel die Terrormiliz das Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden in Sindschar und verübte einen Völkermord an der Bevölkerung: Über 5.000 Männer und Jungen wurden ermordet, über 7.000 Frauen und Kinder entführt, über 400.000 aus ihrer Heimat vertrieben. Die Vereinten Nationen und das Europäische Parlament sprechen von Völkermord.

Wie leben Jesiden in Deutschland?

Schon jahrhundertelang waren Jesiden in ihrer Heimat im Nahen Osten doppelter Verfolgung ausgesetzt - zum einen als Kurden, zum anderen als religiöse Sektierer. In ihren Heimatgebieten müssen Jesiden ihre Identität häufig verleugnen. Mangelnder staatlicher Schutz hat viele Jesiden besonders in den 1980er Jahren zur Flucht aus der Türkei nach Deutschland bewegt. Heute sollen in Deutschland mehr als 100.000 Jesiden leben, schätzt der Zentralrat der Jesiden.

Die Jesiden haben in Deutschland viele Kulturvereine gegründet - als Interessenvertretung, aber auch, um das religiöse und kulturelle Leben der Religionsgemeinschaft zu organisieren. Viele Vereine verfügen über eigene Gemeindehäuser.

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