Vereitelte Terrorpläne in Deutschland - eine Chronik | Deutschland | DW | 18.10.2018
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Terrorismusbekämpfung

Vereitelte Terrorpläne in Deutschland - eine Chronik

Mehrere Terrorgruppen wollten 2016 Anschläge in Deutschland verüben - entsprechende Medienberichte hat die Bundesanwaltschaft bestätigt. Sie konnten verhindert werden - wie bereits viele Anschlagspläne zuvor.

Es sollte ein großer, wirkungsvoller Angriff werden, tödlich wie die Attacke mit einem Lastwagen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016. Der Terror sollte Deutschland verunsichern. Anschlagsziel sollte wohl ein Musikfestival sein. Der Auftrag kam - nach Angaben des Rechercheverbundes von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" - von der IS-Abteilung "Externe Operationen". Diese Gruppe war schon für die Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verantwortlich. Die neuen Terrorkommandos konnten aber offenbar im Vorfeld der Tat durch Erkenntnisse einer Informantin des Bundesverfassungsschutzes verhindert werden.

Das Bundesinnenministerium lobt die gute Zusammenarbeit von deutschen Behörden und das Zusammenspiel mit ausländischen  Geheimdiensten. Nicht nur der jüngste Fall eines verhinderten Anschlags spreche für die immer effizienter werdende Terrorbekämpfung. Trotz einiger Rückschläge konnten seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA viele Anschläge in Deutschland verhindert werden.

April 2002

Mehrere Mitglieder der islamistischen Organisation "Al-Tawhid" werden nach Grossrazzien verhaftet. Das Oberlandesgericht Düsseldorf kommt zu dem Schluss, dass die Männer im Auftrag des gesuchten Terroristen Abu Musab al-Zarqawi Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Berlin und Düsseldorf geplant hatten. Das Urteil für drei Palästinenser und einen Algerier: Haftstrafen zwischen fünf und acht Jahren.

Dezember 2004

Vereitelt wird ein Attentat auf den irakischen Ministerpräsidenten Ijad Hashim Allawi bei seinem Besuch in Berlin. Die deutschen Sicherheitsbehörden hörten Telefongespräche ab und verhaften drei Männer, die aus dem Irak stammen.

Juli 2006

In zwei Regionalzügen in Köln mit den Fahrtzielen Koblenz und Hamm werden Sprengsätze gefunden, die zündeten. Grund sind handwerkliche Fehler. Durch Hinweise vom libanesischen Geheimdienst können deutsche Experten kurze Zeit nach dem gescheiterten Bombenterror die Täter verhaften und so weitere Taten verhindern.

Deutschland Olympia Einkaufszentrum in München Hauptbahnhof Polizei (picture-alliance/dpa/A. Gebert)

Immer mehr Zugriffe auf mutmaßliche Terroristen - Hinweise von ausländischen Geheimdiensten helfen

November 2006

Ein Verkehrsflugzeug der israelischen Gesellschaft El Al soll in die Luft gesprengt werden. Den Sicherheitsbehörden gelingt es, die Täter rechtzeitig zu verhaften, bevor die Bombe in einem Koffer in Frankfurt am Main an Bord geschmuggelt werden kann.

September 2007

Bombenattentate auf Flughäfen, Diskotheken und US-Einrichtungen sind geplant. Deutsche Sicherheitskräfte greifen ein, als die Vorbereitungen zu den Verbrechen schon sehr weit fortgeschritten sind. Zu Hilfe kommen den deutschen Behörden Hinweise der amerikanischen Nachrichtendienste NSA und CIA. So hat der deutsche Ablegers der Jihad-Union, die sogenannte Sauerland-Gruppe (benannt nach dem Ort ihrer Verhaftung) keine Chance.

September 2010

An mehreren Orten gleichzeitig angreifen und möglichst viele Menschen in Deutschland töten und verletzen, das ist das Ziel islamistischer Terroristen. Sie wollen nach demselben Muster vorgehen wie die Attentäter, die im Jahr 2008 in Mumbai zwei Luxushotels angegriffen hatten. Rechtzeitige Verhaftungen verhindern ein Blutbad.

April 2011

Die sogenannte "Düsseldorfer Zelle", vier mutmaßliche Al-Kaida Mitglieder, können festgenommen werden, bevor sie Sprengstoffanschläge in Deutschland verüben. Die Täter erwarten am Ende ihres Prozesses im Jahr 2014 mehrjährige Haftstrafen.

April 2015

In Oberursel, einem kleineren Ort in der Nähe von Frankfurt, verhaftet die Polizei ein Ehepaar mit mutmaßlich salafistischem Hintergrund. Ihr ins Auge gefasstes Terrorziel ist eine Sportveranstaltung. Ein Radrennen wird im Vorfeld der Tat abgesagt. Im Keller des Ehepaars finden die Ermittler eine funktionsfähige Rohrbombe.

Deutschland Urteil im Prozess gegen Bombenbauer aus Oberursel (picture-alliance/dpa/B. Roessler)

Der angeklagte Bombenbauer Halid D. während des Prozesses im Landgericht Frankfurt

Februar bis Dezember 2016

In diesem Jahr kommt es zu besonders vielen Verhaftungen, die verhindern, dass Attentate verübt werden können: unter anderem in der Düsseldorfer Altstadt sowie in Berlin. Unter den Verhafteten aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Brandenburg befinden sich drei mutmaßliche IS-Anhänger und vier algerische Mitglieder einer Terrorzelle. Ein Täter hatte sich verraten, indem er sich mit einem Komplizen im Internet über Anleitungen zum Bombenbau austauschte.

Oktober 2017

Ein erst 19-jähriger Syrer hat nach Ermittlungen der Bundesanwaltschaft begonnen, Bauteile für einen Sprengsatz zu besorgen. Sein Ziel ist offenbar, möglichst viele Menschen zu töten. Deutsche Spezialkräfte schreiten ein, bevor er die Taten umsetzen kann.

Juni 2018

Im Kölner Stadtteil Chorweiler gelingt den Sicherheitskräften ein besonders brisanter Zugriff. Ein Tunesier hat eine grosse Menge hochgiftiges Rizin besorgt und in seiner Hochhaus-Wohnung gehortet. Das Rizin hätte laut Staatsanwaltschaft für 250 bis 1000 todbringende Dosen ausgereicht. In einer Splitterbombe wäre das ein biologischer Kampfstoff mit verheerenden Auswirkungen geworden. Der  29-jährige Mann kann aufgrund von Hinweisen an den Verfassungsschutz vor einer Gewalttat verhaftet werden.

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