Verdächtiger im Politkowskaja-Mord gefasst | Welt | DW | 24.08.2011
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Welt

Verdächtiger im Politkowskaja-Mord gefasst

Fast fünf Jahre nach der Ermordung der regierungskritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja ist der mutmaßliche Drahtzieher der Tat festgenommen worden. Die Ermittler verdächtigen einen ehemaligen Polizisten.

Anna Politkowskaja (Foto: dpa)

Anna Politkowskaja wurde vor ihrer Haustür ermordet

Der Fall Politkowskajas steht symbolhaft für die Verfolgung regierungskritischer Journalisten in Russland. Anna Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses kaltblütig erschossen worden. Sie war eine scharfe Kritikerin des damaligen Präsidenten und heutigen Regierungschefs Wladimir Putin. In ihren Berichten prangerte sie vor allem Menschenrechtsverletzungen im Tschetschenien-Krieg, dem Krieg zwischen der Kaukasusrepublik und Russland, an. Wiederholt schrieb sie zudem über Auftragsmorde, Folter und Entführungen in der Konfliktregion Nordkaukasus. Jetzt ist einer der mutmaßlichen Drahtzieher des Mordkomplotts festgenommen worden.

Menschenrechtsaktivisten von Reporter ohne Grenzen halten in Berlin vor der russischen Botschaft Fotos von Anna Politkowskaja hoch (Foto: dpa)

Aktivisten von Reporter ohne Grenzen ein Jahr nach dem Mord an Politkowskaja

Dmitri P. - ein ehemaliger Oberstleutnant der Moskauer Kriminalpolizei - habe gegen Bezahlung den Mordauftrag gegen die damals 48-jährige Journalistin angenommen, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, am späten Dienstagabend (23.08.2011) nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Dmitri P. habe dem mutmaßlichen Mörder Rustam Machmudow Geld, eine Pistole und einen Schalldämpfer besorgt. Machmudow war bereits Ende Mai in Tschetschenien festgenommen worden. Er soll Politkowskaja erschossen haben. Zuvor soll er die mit internationalen Preisen ausgezeichnete Journalistin drei Tage lang ausspioniert haben. Nach Angaben der Ermittlungsbehörde ist inzwischen auch der Auftraggeber der Tat ausfindig gemacht worden. Es sei aber noch zu früh, Namen zu nennen, sagte Markin am Mittwoch in Moskau.

Die Anwältin von Politkowskajas Familie, Anna Stawizkaja, sprach von einem "Wendepunkt" bei den Ermittlungen. Zum mutmaßlichen Drahtzieher sagte sie: "Wir hatten schon lange den Verdacht, dass er involviert sein könnte." Jahrelang hielt die Staatsanwaltschaft einen neuen Prozess wegen fehlender Beweise für aussichtslos. Das könnte sich nun ändern und dem Festgenommenen der Prozess gemacht werden. "Wir werden sicherstellen, dass alle, die an diesem Mord beteiligt waren, zur Rechenschaft gezogen werden", so Anna Stawizkaja.

Verdächtiger trat als Zeuge auf

Im ersten Prozess um den Mord an Politkowskaja 2008 sei Dmitri P. noch als Zeuge der Staatsanwaltschaft aufgetreten, berichtete Nadeschada Prussenkowa von der regierungskritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" - eines der wenigen unabhängigen Blätter Russlands, für das Anna Politkowskaja gearbeitet hatte. "Damals sagte er, dass er von den Angeklagten von dem Mord erfahren habe. Aber jetzt haben die Ermittler Grund zur Annahme, dass er ein Komplize war", so Prussenkowa.

Im ersten Prozess waren zwei Brüder des mutmaßlichen Täters Machmudow sowie ein ehemaliger Polizist aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Der Oberste Gerichtshof Russlands hob das Urteil aber auf. Im Zuge der neuen Ermittlungen wurden die tschetschenischen Brüder erneut angeklagt. Doch die Arbeit der Ermittlungsbehörden in dem Fall wurde international immer wieder scharf kritisiert - ihnen wurde mangelnder Aufklärungswille vorgeworfen.

Dmitri Muratow, Chefredakteur der Zeitung 'Nowaja Gaseta' (Foto: dpa)

Dmitri Muratow, Chefredakteur der "Nowaja Gaseta"

Dmitri Muratow, Chefredakteur der Zeitung "Nowaja Gaseta", schrieb, der Verdächtige Dmitri P. sei festgenommen worden, um verhört zu werden. Auch der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung, Sergej Sokolow, bestätigte, dass der Ex-Polizist verdächtigt werde, den Mord geplant zu haben. Weiter sagte Sokolow, der Verdächtige habe eine kriminelle Gruppe gegründet, die die Aufgaben an die Mitglieder verteilt und Politkowskaja observiert habe. Außerdem sei er es gewesen, der eine Pistole mit einem Schalldämpfer beschafft habe.

Autorin: Naima El Moussaoui (afp, dpa, rtr, epd)

Redaktion: Julia Elvers-Guyot/Ursula Kissel

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