Venezuelas Opposition warnt vor ″Hexenjagd″ | Aktuell Amerika | DW | 08.08.2018
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Lateinamerika

Venezuelas Opposition warnt vor "Hexenjagd"

Was am Wochenende während einer Rede des Präsidenten wirklich geschah, ist noch unklar. War es ein Anschlag - oder eine Inszenierung? Regierungsgegner fürchten, der Vorfall könnte gegen sie verwendet werden.

Venezuela | Attentat Maduro (picture-alliance/Photoshot)

Staatschef Maduro (verdeckt) wird am Samstag von Sicherheitsbeamten abgeschirmt

Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro hat die Opposition eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls gefordert. "Wir brauchen objektive und transparente Ermittlungen", sagte der ehemalige Präsidentschaftskandidat Henri Falcón. Es dürfe keine "Hexenjagd auf die Anführer der demokratischen Opposition" geben.

Die verfassunggebende Versammlung, die dem Präsidenten ergeben ist, will Abgeordnete der Opposition vor Gericht bringen. "Wenn Gerechtigkeit kommt, kommt sie hart", erklärte der Vorsitzende der Versammlung, Diosdado Cabello. Bei einer für diesen Mittwoch angekündigten Sitzung soll demnach die Immunität der Oppositionspolitiker aufgehoben werden.

Venezuela Diosdado Cabello in Caracas (picture-alliance/AP Photo/A. Cubillos)

Gerechtigkeit mit Härte: Diosdado Cabello (Archivbild)

Nach Aussage der Regierung hatten mutmaßliche Attentäter am Wochenende versucht, einen Bombenanschlag mit Drohnen auf Maduro zu verüben. Während einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede des Präsidenten waren Explosionen zu hören. Maduro blieb unversehrt. Laut offiziellen Angaben wurden aber sieben Nationalgardisten verletzt, einige von ihnen schwer.

Gibt es die "Flanell-Soldaten" wirklich?

Die Einzelheiten und Hintergründe des Vorfalls sind noch immer unklar. Sicherheitskräfte nahmen sechs Verdächtige fest, die wegen Terrorismus und Landesverrats angeklagt werden sollen. Zwei der Beschuldigten steuerten der Staatsanwaltschaft zufolge von einem Auto aus die Drohnen. Eine bisher unbekannte Widerstandsgruppe "Soldados de Franelas" (Flanell-Soldaten) reklamierte den Anschlag für sich. Wer die Mitteilung verfasste und ob es diese Gruppe wirklich gibt, ließ sich nicht überprüfen.

Maduro selbst erklärte derweil in den Staatsmedien, der im Exil lebende frühere Parlamentspräsident Julio Borges und der Oppositionsabgeordnete Juan Requesens seien in das mutmaßliche Attentat verwickelt. Borges ist einer der bekanntesten Regierungsgegner Venezuelas. Im vergangenen Jahr wurde er mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet. Zuvor hatte Maduro Kolumbiens Ex-Präsidenten Juan Manuel Santos verantwortlich gemacht. Dieser wies die Vorwürfe umgehend zurück.

Die venezolanische Opposition befürchtet, die Regierung könnte den Vorfall instrumentalisieren, um die Repressionen gegen Kritiker zu verschärfen. Maduro hatte sich im Mai bei einer umstrittenen Wahl für weitere fünf Jahre im Amt bestätigen lassen.

jj/mak (dpa, afp)

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