Venedig: Eine Stadt wie ein Gemälde | Kunst | DW | 01.10.2016
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Kunst

Venedig: Eine Stadt wie ein Gemälde

Gondeln, Maskenbälle, Markusplatz - über viele Jahrhunderte inspirierte die Lagunenstadt Künstler aus der ganzen Welt. Bis heute, wie jetzt eine Ausstellung in Hamburg zeigt.

Welche Stadt löst so eine Flut von Assoziationen aus wie die italienische Lagunenstadt? Umschwärmt als Stadt der Liebe mit Gondeln und "Oh Sole Mio", umflogen von Händlern und Taubenschwärmen auf dem Markusplatz, umarmt beim venezianischen Karneval. Die Stadt der 1000 Brücken inspirierte viele Künstler - deren Gemälde wiederum prägen unser Bild von Venedig bis heute.

Dabei wandelten und wandeln sich diese Bilder im extremen Lauf der Stadtgeschichte. Fast ein Jahrtausend lang war die Stadt Venedig das Zentrum der gleichnamigen Republik, eine reiche See- und Wirtschaftsmacht. Diesen Ruhm und Machtstatus gaben auch die Künstler wieder, die oftmals in Venedig geboren waren und dauerhaft dort lebten. Eine fruchtbare Schaffenszeit, in der beispielsweise Canaletto das Genre der Vedute - der wirklichkeitsgetreuen Darstellung - als venezianische Schule etablierte.

Vom Machtzentrum zum Sehnsuchtsort

Lagunenstadt Venedig mit Maskierten, Foto: picture-alliance/dpa/A. Merola

Karneval der Masken - ausgestorbene Tradition lebt für Touristen wieder auf

Ende des 18. Jahrhunderts zerbrach die Republik und mit dem Einmarsch Napoleons begann der politische und wirtschaftliche Niedergang. Nicht so für Künstler: Sie fanden nun im einzigartigen Farb- und Lichtspiel der Stadt ihr Motiv. Es sind auch nicht mehr allein die in Venedig geborenen oder hier lebenden Künstler, die die Bilderwelten bestimmen. Es sind vor allem reisende Maler wie William Turner, John Singer Sargent, Claude Monet oder Wassily Kandinsky. Sie lösten die detailgetreuen Darstellungen ab und widmeten sich stattdessen dem Spannungsfeld von Licht, Farben und Wasser, das Venedig, erbaut auf mehr als 100 Inseln, stetig umfließt.

Aus dem sanften Tourismus wurde im 20. Jahrhundert ein unkontrollierter Ansturm. Heute gilt Venedig, das mittlerweile auch von 1500 hochhaushohen Kreuzfahrtschiffen pro Jahr angesteuert wird, als abschreckendes Beispiel des Massentourismus. Überlegt wird deshalb beispielsweise, ob ein Eintrittspreis für den weltbekannten Markusplatz erhoben werden soll. Kein Wunder also, dass in den neusten Arbeiten der Künstler gesellschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen. So beispielsweise in einer Installation von Martin Kippenberger aus billigem Pressholz - sie zeigt den Nachbau einer venezianischen Gondel mit dem Titel "Sozialkistentransport".

Venedig Markusplatz, Foto: Olivier Morin/AFP/Getty Images

Touristen warten am Markusplatz auf ihre Gondelfahrt

Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg hat all diese unterschiedlichen Sichten auf die Stadt kuratiert und zusammengetragen -  beginnend mit dem 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die Ausstellung: "Venedig. Stadt der Künstler" im Bucerius Kunst Forum mit Werken von Vittore Carpaccio, Canaletto, William Turner, Claude Monet, Wassily Kandinsky, Gerhard Richter und Candida Höfer startet am 1. Oktober 2016 und ist bis 15. Januar 2017 in der Hansestadt zu sehen. Für die gesamteuropäische Rezeptionsgeschichte wurden rund 100 nationale und internationale Leihgaben aus Sammlungen wie dem Museo Correr in Venedig, der Tate in London, dem Centre Pompidou in Paris, dem Rijksmuseum in Amsterdam, dem Städel Museum in Frankfurt der Neuen Pinakothek in München zusammengetragen.

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