Venedig: Das Ende eines großen Streits | Aktuell Europa | DW | 13.07.2021
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Kreuzfahrt-Tourismus

Venedig: Das Ende eines großen Streits

Das Weltkulturerbe Venedig lebt vom Tourismus. Doch die gigantischen Kreuzfahrtschiffe gefährden die Substanz der historischen Lagunenstadt. Deshalb müssen die größten Pötte nun draußen bleiben.

Kreuzfahrtschiff vor der Altstadt von Venedig (Archiv)

Zu groß für die enge Lagunenstadt: Kreuzfahrtschiff vor der Altstadt von Venedig

Seit Jahren kämpfen Einheimische und Aktivisten in Venedig gegen die großen Kreuzfahrtschiffe. Deren Abgase verschmutzen die Luft und die von ihnen verursachten Wellen bedrohen nicht nur die Fundamente der Stadt, sondern auch das Ökosystem der Lagune. Vor wenigen Wochen schließlich hatten UNESCO-Experten vorgeschlagen, Venedig auf eine Negativ-Liste zu setzen, unter anderem wegen der Kreuzfahrtriesen. Nun hat die italienische Regierung den größten Schiffen die Einfahrt in die Lagune untersagt.

Kultusminister Dario Franceschini sagte nach einer Kabinettssitzung in Rom, das Verbot werde ab dem 1. August und für Schiffe von über 25.000 Tonnen gelten. Die großen Kreuzfahrtschiffe wiegen meist das Vierfache, teilweise bis zu 200.000 Tonnen.

Nach der Corona-Pause begann die Diskussion aufs Neue

Damit können nur noch kleine Passagierschiffe und Transportschiffe durch die Lagune fahren, die kürzer als 180 Meter und nicht höher als 35 Meter sind. Das Verbot gilt auch für solche, die gewisse Abgasnormen überschreiten. Schiffe, die als nachhaltig gelten oder nicht unter die Kriterien für das Verbot fielen, dürften weiterhin die Lagune passieren, heißt es weiter. Es könne sich dabei etwa um Kreuzfahrtschiffe mit einer Größenordnung von rund 200 Passagieren handeln.

Die Riesen sind zurück in Venedig: Die MSC Magnifica fährt Ende Juni durch die Lagune

Die Riesen sind zurück in Venedig: Die MSC Magnifica mit Platz für 2500 Passagiere fährt Ende Juni durch die Lagune

Die jahrelange Debatte war nach der Rückkehr der Kreuzfahrtschiffe Anfang Juni nach einer Corona-bedingten langen Pause wieder aufgeflammt. Vor der Corona-Pandemie waren mit den Kreuzfahrtschiffen jedes Jahr Millionen Besucher in die Lagunenstadt geströmt. 

Herber Rückschlag - oder Planungssicherheit?

Das neue Gesetz sehe Entschädigung für betroffene Firmen und Arbeiter vor, verkündete das Kultusministerium. Dennoch dürfte das Einlaufverbot für Kreuzfahrtanbieter wie Carnival Cruises, zu dem auch Aida gehört, ein herber Rückschlag sein. Allerdings sieht der Verband der Kreuzfahrt-Reedereien in dem Verbot "keine schlechte Nachricht". Auf Venedig habe die Industrie ohnehin in diesem Jahr keine Priorität gelegt, sagte ein Verbandssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Nun gebe es etwas mehr Planungssicherheit, da der Hafen in Marghera, an dem derzeit etwa Containerschiffe anlegen, für den Übergang als temporäre Anlegestelle dienen solle.

Ein Kreuzfahrtriese auf dem Canale della Giudecca, der am berühmten Markusplatz vorbei führt

Ein Kreuzfahrtriese auf dem Canale della Giudecca, der am berühmten Markusplatz vorbei führt

Aus dem italienischen Infrastruktur-Ministerium heißt es, für die Anlegestellen in Marghera würden 157 Millionen Euro an Investitionen bereitgestellt. Minister Enrico Giovannini sagte, es sei ein unausweichlicher Schritt, um die Umwelt, Landschaft, Kunst und Kultur Venedigs zu schützen.

Dabei handelt es sich allerdings um eine Lösung auf Zeit. Parallel sucht der Hafen von Venedig nach Anlege-Vorschlägen außerhalb der Lagune, damit künftig die Schiffe nicht mehr durch den Canale della Giudecca, vorbei am berühmten Markusplatz fahren.

rb/fw (AFP, AP, dpa, Reuters)

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Venedigs Zukunft nach der Pandemie

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