Vattenfall verkauft Braunkohlesparte | Wirtschaft | DW | 18.04.2016
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Wirtschaft

Vattenfall verkauft Braunkohlesparte

Vattenfall verkauft sein Braunkohlegeschäft in der ostdeutschen Lausitz an die tschechische EPH-Gruppe und deren Finanzpartner PPF. Das Geschäft hat ein Volumen von rund fünf Milliarden Euro.

Die EPH-Gruppe des Investors Daniel Kretinsky übernimmt damit das zweitgrößte deutsche Braunkohlerevier mit vier Kohlegruben und drei Kraftwerken in Brandenburg und Sachsen sowie die Beteiligung am Kraftwerk im sächsischen Lippendorf, das Vattenfall gemeinsam mit EnBW betreibt. Das teilte Vattenfall am Montag mit. Im Rennen war auch ein Konsortium um den Versorger Steag und die australische Macquarie Bank.

EPH erhält den Angaben zufolge neben den Anlagen, deren Wert auf 3,4 Milliarden Euro beziffert wurde, die Verpflichtungen von Vattenfall einschließlich der Rekultivierung. Die Tschechen bekommen dazu Barmittel in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro.

Der geplante Verkauf umfasse sämtliche Anlagen, Rückstellungen und Verbindlichkeiten, erklärte Vattenfall. Bis die schwedische Regierung als alleinige Firmeneigentümerin dem Verkauf genehmigt, werde es aber noch "einige Monate" dauern.

Braunkohle muss grüner Energie weichen

Vattenfall hatte 2014 entschieden, sich von dem Geschäftsfeld zu trennen. Die rot-grüne Regierung in Stockholm hatte dem Konzern zuvor das Ziel vorgegeben, mehr erneuerbare Energien anzubieten.

Schwedens Regierung will erst in einigen Monaten Stellung zum geplanten Verkauf der Braunkohlesparte des Staatskonzerns nehmen. Das sagte Wirtschaftsminister Mikael Damberg am Montag in Stockholm. Die Regierung werde die Pläne zunächst analysieren, sagte Damberg.

"Schmutziger Deal"

Die Umweltorganisation Greenpeace sowie Grüne und Linke kritisierten den Verkauf am Montag als "schmutzigen Deal". Greenpeace-Experte Karsten Smid erklärte: "Ein Verkauf bringt für den Klimaschutz rein gar nichts. Die Probleme der schmutzigen Braunkohle samt ihrer Folgekosten werden so nur anderen aufgebürdet."

Die Klimaexpertin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Annalena Baerbock, erklärte, eine "schrittweise, sozialverträgliche Abwicklung" wäre für Region, Beschäftigte und das Klima "die vernünftigste Lösung" gewesen.

Zufriedene Gewerkschafter

Die Arbeitnehmerseite hat sich mit dem Verkauf der Braunkohlesparte von Vattenfall in Sachsen und Brandenburg an tschechische Investoren zufrieden gezeigt. "Die beste Lösung ist getroffen", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Vattenfall Europe Mining AG, Rüdiger Siebers, am Montag der DeutschenPresse-Agentur.

Die EPH-Gruppe bekenne sich zum derzeit gültigen Tarifvertrag. Es werde keine betriebsbedingten Kündigungen bis zum 31. Dezember 2020 geben, sagte Siebers, der auch Mitglied im Aufsichtsrat der Vattenfall GmbH ist. "Die Kuh ist vorerst vom Eis."

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, erwartet, dass die "lange und belastende Zeit der Unsicherheit über die Zukunft der Lausitzer Braunkohle" nun schnell beendet werde. Er erwarte von den neuen Eignern eine Firmenstrategie, die der "sozialen Stabilität" der Region ebenso gerecht werde wie der Sicherheit der Energieversorgung.

dk/iw (dpa/rtr/afp)