Vater der britischen Comedy: John Cleese wird 80 | Kultur | DW | 27.10.2019
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80. Geburtstag

Vater der britischen Comedy: John Cleese wird 80

Niemand gibt den stocksteifen Engländer lustiger als John Cleese. Zuletzt lieh er Animationsfiguren seine Stimme und sorgte mit politischen Kommentaren für Kopfschütteln. Jetzt wird der Schauspieler 80.

Er fühle sich höchstens wie 43, sagte Cleese vor kurzem in der britischen Talkshow "Lorraine". Und er werde dafür sorgen, dass zu seiner Geburtstagsfeier am 27. Oktober keiner aus dem Monty Python-Ensemble auftauche. Ob es sich dabei um einen Witz oder die schlichte, mit einem Lachen überdeckte Wahrheit handelte, lässt sich schwer beurteilen. Bei dem extrem trockenen Humor von John Cleese weiß man das nie so genau. 

Nahm schon als Kind alles mit Humor

Zur Welt kam John Cleese am 27. Oktober 1939 in Somerset. Mit 13 Jahren war er mit 1,96 Meter bereits größer als die meisten Erwachsenen, weshalb ihn die Altersgenossen oft hänselten. Darauf reagierte er einfach cool mit Humor, genauso wie auf die Gefühlskälte seiner Mutter, die ihn stets mit den Worten vorstellte: "Er war ein Unfall." Aller Komik zum Trotz begab sich Cleese unzählige Male in Psychotherapie. Seine Beziehung zu Frauen sei bis ins Erwachsenenalter belastet gewesen, erzählte er später. Heute ist er in vierter Ehe verheiratet.

Filmszene Flying Circus (picture-alliance/Mary Evans Picture Librar)

John Cleese im "Flying Circus"-Sketch "Ministerium für alberne Gänge"

An der Elitehochschule Cambridge studierte John Cleese Jura, gleichzeitig begann er Theater zu spielen. Nach dem Studium schrieb er eine erfolgreiche Radio-Comedy für die britische Rundfunkanstalt BBC, tourte mit seiner Theatergruppe umher und lernte die Männer kennen, mit denen er später die legendäre Monty Python-Truppe gründete.

Die BBC gab dem sechsköpfigen Comedy-Ensemble 1969 den Auftrag für die heute als Kult verehrte TV-Serie "Monty Python's Flying Circus" - ohne zu wissen, was die Komiker überhaupt planten. Folgerichtig liefen die ersten Folgen der absurden Sketche auf einem Sendeplatz tief in der Nacht.

Keine faulen Kompromisse 

Nach drei Staffeln stieg Cleese aus. Zusammen mit seiner ersten Ehefrau schrieb er die Sitcom "Fawlty Towers", er selbst spielt darin den steifen Hoteldirektor Basil Fawlty. Mit der britischen Comedy-Truppe Monty Python drehte John Cleese dann in den 1970er Jahren die Kultfilme "Die Ritter der Kokosnuss" und "Das Leben des Brian". Den weltweit bekannten Schlusstitel "Always look on the bright side of life" sangen die verbliebenen Pythons 1989 auch auf der Trauerfeier des an Krebs und Alkoholismus verstorbenen Schauspielkollegen Graham Chapman.

1983 wurde ihr Film "Der Sinn des Lebens" auf dem Filmfestival in Cannes ausgezeichnet. Danach beendete die Truppe ihre Zusammenarbeit. John Cleese wollte sich als Schauspieler in eine andere Richtung orientieren, um bei seinen skurrilen Ideen weniger Kompromisse eingehen zu müssen: "Ich hatte keine Lust mehr, Teil einer Gruppe zu sein, die mich überstimmt", sagte er damals in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". 

Aufführung Monty Python Live (Mostly) in London (Getty Images)

2014: Eröffnung der "Monty Python Live Show" in London

Trotzdem tat er sich 2014 noch einmal für einen letzten gemeinsamen Auftritt mit den verbliebenen Mitglieder Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin für eine Show zusammen: "The Last Night Of Monty Python". Die Karten waren innerhalb einer Minute ausverkauft. Auch deswegen wurde der historische Auftritt in rund 1.500 Kinos in ganz Europa übertragen, in rund 450 sogar als Livestream. Ein Riesenerfolg!

Seine Paraderolle: der verklemmte Schnösel 

Zu den größten Erfolgen von John Cleese zählte dann 1988 die Kinokomödie "Ein Fisch namens Wanda", zu der er auch das Drehbuch geschrieben hatte. Er spielt darin seine Paraderolle als verklemmter britischer Schnösel. Jahre später gibt er sich so auch in zwei James-Bond-Filmen - in der Rolle des genialen Tüftlers Q. 

In den Harry-Potter-Filmen mimte Cleese nochmal einen schrägen Hausgeist, bevor er als Schauspieler auf der Leinwand endgültig kürzer trat. Dafür lieh er seine Stimme häufig Figuren in lustigen Animationsfilmen.

Auch abseits der Filmbranche war John Cleese aktiv: Mit dem Familientherapeuten Robin Skynner schrieb dessen früherer Patient Cleese Bücher über harmonisches Familienleben, er redigierte Broschüren für den Dalai Lama, drehte Dokumentationen und war Rektor der schottischen St-Andrews-Universität. Einen Verdienstorden der Queen lehnte er ab.

Die britische Comedygruppe Monty Python heute (picture alliance / AP Images)

Die verbliebenen Pythons: Eric Idle, John Cleese, Terry Gilliam, Michael Palin und Terry Jones

Politisches Votum: Pro Brexit

Lange Zeit hat John Cleese im kalifornischen Santa Barbara gelebt. Seine Rückkehr nach England sollte auch nur kurzfristig sein: später zog er auf die Karibik-Insel Nevis - eine bekannte Steueroase, begleitet von lautstarken Unmutsbekundungen über sein Heimatland Großbritannien. Er hat vehement für den Brexit gestimmt, aus Protest "gegen diese bürokratische Kontrolle aus Brüssel", wie er sagt. 

Für seinen politischen Kommentar, London sei keine englische Stadt mehr, erntete John Cleese allerdings viel Kritik, auch vom amtierenden Bürgermeister Sadiq Khan: "John Cleese klingt wie seine Rolle des Basil Fawlty. Die Londoner wissen, dass unsere Vielfalt unsere größte Stärke ist."

"Always look on the bright side of life"

Auch ein launiger Tweet über gegrilltes Essen während der akuten Waldbrände in seiner früheren Wahlheimat Kalifornien fand 2018 wenig Anklang. Sein früherer Monty-Python-Kollege Terry Gilliam meinte nur: "Ich liebe John sehr, aber ich bin einfach nicht damit einverstanden, wie er die Welt wahrnimmt."

Egal, ob hier ein alternder Komiker das Gefühl für das Timing seiner Pointen zu verlieren droht oder die reale Person John Cleese von ihren satirischen Rollen gar nicht so weit entfernt ist: Zum 80. Geburtstag gratulieren und singen wir: "Always look on the bright side of life..."

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