Völkerverständigung bei der Deutscholympiade | Deutschlehrer-Info | DW | 26.07.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

Völkerverständigung bei der Deutscholympiade

Zwei Wochen lang ergänzten sie das Multikulti-Stadtbild Freiburgs: die Teilnehmer der Internationalen Deutscholympiade. Mit heißen Rhythmen bei heißen Temperaturen wurde ihnen ein begeisterter Empfang bereitet.

„Freiburg ist die jüngste Stadt Deutschlands und die coolste. Ich finde es toll, dass ihr Deutsch lernt und dass ihr hier seid." So begrüßte Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn am 16. Juli die mehr als 140 Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 bis 19 Jahren und ihre Begleitlehrerinnen und Lehrer auf dem Rathausplatz der Stadt. „Und", so der 33-Jährige weiter, „Freiburg ist eine Studentenstadt. Wer weiß, vielleicht sieht man sich in ein paar Jahren ja wieder."

Die Begleitlehrer lobte der Oberbürgermeister ausdrücklich für ihr Engagement bei der Vermittlung der deutschen Sprache. Bei Worten allein sollte es aber nicht bleiben. Die Schülerjazzband der Stadt sorgte mit heißen Rhythmen dafür, dass allen Anwesenden bei Temperaturen von 30 Grad noch zusätzlich ordentlich eingeheizt wurde. Bei dem Stück „I feel good" hielt es die Schülerinnen und Schüler, die sich sitzend vor der Bühne versammelt hatten, nicht mehr auf dem Boden – trotz Hitze und Müdigkeit nach mancher zum Teil doch sehr langen Anreise. 

Viele Jugendliche sitzen in ihrer Heimattracht nebeneinander und lachen(Goethe-Institut/A. Kaiser )

Die Jugendlichen haben sichtlich Spaß

Die IDO will mehr Geschmack aufs Deutschlernen machen

Freiburg, Sitz eines der zwölf Goethe-Institute in Deutschland, richtete dieInternationale Deutscholympiade (IDO)  2018 aus. Diese wird alljährlich gemeinsam vom Goethe-Institut und dem Internationalen Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband veranstaltet. Sabine Erlenwein, die diesjährige Projektleiterin des Goethe-Instituts, sieht in der Veranstaltung „ein Instrument, um weiter zum Deutschlernen zu motivieren". Das gelte vor allem für die Länder, in denen es anders als in europäischen Ländern, noch etwas exotisch sei, Deutsch zu lernen, wie etwa im afrikanischen Benin, in Neuseeland oder auch in Venezuela. Hier sollten Schülerinnen und Schüler wie auch Lehrkräfte „auf den Geschmack gebracht werden". Mittels der IDO könne Deutschland als Studienstandort vermittelt und wahrgenommen werden. „Jugendliche und Lehrkräfte werden gewissermaßen zu Botschaftern für die deutsche Kultur und Sprache", so Erlenwein.

Drei Mädchen und ein Junge diskutieren am Tisch (Goethe-Institut/A. Kaiser )

Hier wird im internationalen Team über den Aufgaben gebrütet

Jedes neue Land ist bei der IDO willkommen, unerheblich ist dabei die Zahl der Deutschlernenden vor Ort. So fragte zum Beispiel Myanmar vorsichtig an, ob man an der diesjährigen IDO teilnehmen dürfe, selbst wenn man nur sehr, sehr wenige Deutschlernerinnen und Deutschlerner habe. „Aber", so Sabine Erlenwein, „nicht die Menge macht es, sondern die Qualität."

Wettbewerbsgedanken und Fairness

Am Freitag, den 27. Juli, wurde das Geheimnis gelüftet, wer die drei IDO-Olympioniken sind. Gewonnen haben in den Wettbewerbs-Sprachstufen (A2, B1 und B2) Pinprapha Phuetphol aus Thailand, Austeja Bazaraite aus Litauen und Diana Panevska aus der Ukraine. Eine internationale Jury, bestehend aus Fachleuten vom Internationalen Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband, vom Goethe-Institut und von Universitäten in Freiburg, Wien und Fribourg in der Schweiz, bewertete die Arbeit der Jugendlichen. 

Allerdings konnten sich nicht nur diejenigen über einen Preis freuen, die fachlich am besten abschnitten, denn es wurde auch ein Fairnesspreis an den Norweger Øyvind Pedersen verliehen. Der Hintergedanke dabei sei, so Sabine Erlenwein, jede und jeden zu motivieren, Teamgeist zu zeigen. „Das kann auch schon mal bedeuten, sich um eher schüchterne Mitbewerberinnen und Mitbewerber zu kümmern und sie zu integrieren." Und das sei genauso viel wert, ergänzt die Projektleiterin, wie die Superpräsentation eines Stadtspaziergangs, eine der zu erfüllenden Aufgaben. 

Vier Jugendliche stehen vor dem Tisch der Jury (Goethe-Institut/A. Kaiser )

Wer gewinnt die IDO? Auch dieses Team hoffte auf den Sieg

Auch eine Olympiade der Lehrerinnen und Lehrer

Zwar stehen bei der IDO die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Aber auch ihre Begleitlehrerinnen und Begleitlehrer, die in ihren Ländern alle Deutsch als Fremdsprache lehren, haben ein straffes Fortbildungs- und Kulturprogramm.  „Begleiten" kann missverständlich sein, denn nicht jeder und jede kennt einen oder beide zu begleitenden Schüler bereist aus der Heimat. Anders die Estin Küllike Kütt: Sie hat eine ihrer eigenen Schülerinnen im Wettbewerb und wurde - wie andere Lehrkräfte - auch vom Goethe-Institut zur IDO eingeladen, weil sie sich durch ihr besonderes Engagement und einen innovativen Unterricht ausgezeichnet hat.

Bei der Fortbildung wird in Workshops behandelt, wie ein abwechslungsreicher Unterricht gestaltet werden kann oder wie das Selbstverständnis der Rolle als Lehrkraft aussieht. Impulsvorträge wie der der Präsidentin des Internationalen Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverbands, Prof. Dr. Marianne Hepp, zur Deutschvermittlung im Rahmen neuer Mehrsprachigkeitskonzepte dienen dem Blick nach vorn in der DaF-Arbeit.

Im Rückreisegepäck: neue Erkenntnisse und Bekanntschaften

Jugendliche in Trachten stehen nebeneinander (Goethe-Institut/A. Kaiser )

Bei der IDO entstehen über alle Ländergrenzen hinweg Freundschaften

Netzwerken, neue Leute kennenlernen, vielleicht das deutsche Lieblingsessen entdecken, in eine neue Kultur eintauchen - und das alles mit Freude und Spaß: Am Ende reisen alle mit ganz vielen neuen Erkenntnissen und neuen Freunden wieder nach Hause. In zwei Jahren werden diese Erfahrungen dann andere Deutschlerner und Lehrkräfte machen – in Dresden. Dann vielleicht nicht aus 73 Ländern, sondern noch aus einigen mehr.  Denn obwohl die IDO keine Werbetrommel rührt, wächst das Interesse an der deutschen Sprache immer mehr.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links