Uta Brandes: AfD befördert hasserfüllte Anti-Gender-Bewegung | Kultur | DW | 09.11.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Gender

Uta Brandes: AfD befördert hasserfüllte Anti-Gender-Bewegung

Uta Brandes war Deutschlands erste Professorin, die über Gender und Design forschte. Gegen Veränderungen im Geschlechterverhältnis, sagt sie, machen heute vor allem die Rechten mobil.

Zum zweiten Mal hat das international Gender Design Network an diesem Donnerstag im Rahmen des iphiGenia Gender Design Award Auszeichnungen verliehen. Die australische Kosmetikfirma Aesop wurde unter anderem für ihr Produktdesign ausgezeichnet, ebenso das Magazin "A Women's Thing" für innovative Berichterstattung und drei Studentinnen für ihre Masterarbeit  mit dem Titel "notamuse" über die Arbeit von weiblichen Grafikdesignerinnen. Das Netzwerk wurde von Uta Brandes zusammen mit ihrer Kollegin Simone Douglas von der Parsons New School of Design in New York das international Gender Design Network gegründet.

Deutsche Welle: Frau Brandes, war unsere Gesellschaft nicht schon mal fortschrittlicher: keine geschlechtsspezifische Erziehung, Uni-Sex-Produkte im Kinderzimmer - so lauteten die Slogans der 1970er- und 1980er Jahre….


Uta Brandes: Ich stimme Ihnen zu. Die Geschlechtssegregierung und Stereotypisierung hat wieder stark zugenommen. Das war schon mal besser.

Und jetzt dreht sich in puncto Produktdesign und Marketing das Rad der Geschichte rückwärts. Wie konnte das passieren?

Es gibt immer diese Wellen. Da war die Generation der Alt-68er, die alles auflösen wollten, die eine ganz andere Gesellschaft im Sinn hatten und eine Utopie. Ja, und dann kommt es eben vor, dass die nächste Generation etwas braver wird. Aber die müssen ja auch irgendetwas haben, die müssen gegen ihre Eltern protestieren.

Wichtiger ist aber, dass sich die Idee, Geschlechter marketingtechnisch zu denken, raffiniert hat. Unternehmen sagen, wenn wir unsere Zielgruppen noch genauer ansprechen können, dann machen wir jetzt Gender-Marketing. Was ich schlimm finde: Man versucht jetzt, Männer und Frauen noch genauer in Schubladen zu packen. Frauen klein, niedlich, puschelig, süß, chic. Männer hart und stahlkantig. Das ist der Markt. Und es gibt eine Menge Menschen, die auf diesen Marketing-Trick hereinfallen.

Ein Produktregal des australischen Kosmetikherstellers Aesop. (aesop/Benoit Soualle)

Ausgezeichnet mit dem iphigenia Gender Design Award 2018: der australische Kosmetikhersteller Aesop.

Sie haben zu Genderfragen geforscht. Wie kommt es, dass wir einerseits über Transgender diskutieren und andererseits wieder in die Hellblau-Rosa-Welt zurückfallen?

Die Gesellschaft ist extremer geworden. Man darf auch nicht vergessen: Es hat sich tatsächlich, was Frauen betrifft, etwas verändert. Es gibt jetzt ein paar Frauen in Aufsichtsräten. Es gibt Frauen in höheren Jobs. Und das erzeugt sofort eine Verunsicherung auf männlicher Seite, aber auch bei Frauen, die denken, jetzt muss ich alles auf einmal machen, Kinder und Super-Beruf.

Und das ruft die Anti-Gender-Leute auf den Plan. Je mehr spürbar wird, dass sich etwas ändert im Geschlechterverhältnis zwischen Männern und Frauen, auch beruflich - desto lauter melden sich die Gegner, die klagen, unsere Familien würden sich auflösen. Die frigiden Feministinnen wollen unsere Gesellschaft zerstören. Es gibt eine starke, sehr hasserfüllte Anti-Gender-Bewegung, die nicht zuletzt von der Partei Alternative für Deutschland (AfD) gefördert wird.

Ist der "Iphigenia-Gender-Design-Award" ein Versuch, gegen den Trend zu wirken?

Im Gegenteil: Der will ermutigen und unterstützen, was es an Positivem gibt - in der Hoffnung, dass sich das verbreitet und sich insgesamt etwas verbessert. Ich könnte Ihnen auf Anhieb 10.000 sexistische Produktwerbungen und Produkte benennen, bei denen es in negativem Sinne um das Geschlechterverhältnis steht. Aber man kann es ja auch anders machen. Und dafür ist dieser Award da: Nicht die Zitrone zu vergeben, was spektakulär wäre, sondern zu zeigen, wo sich etwas zum Besseren verändert hat. Das macht Mut, zumal es sich nicht etwa um kleine Nischenunternehmen handelt, sondern um solche, die sehr erfolgreich am Markt sind.

Das Gespräch führte Stefan Dege

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links