USA: Wirtschaft wächst wie seit Jahren nicht | Wirtschaft | DW | 27.07.2018
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Konjunktur

USA: Wirtschaft wächst wie seit Jahren nicht

Die US-Wirtschaft ist im Frühjahr so stark gewachsen wie fast vier Jahren nicht mehr. Zwischen April und Juni stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 4,1 Prozent.

Das teilte das US-Handelsministerium auf Basis vorläufiger Daten mit. Ein Wachstum von mehr als vier Prozent ist die weltweit beste Quote, die ein Industrieland gegenwärtig vorweisen kann. Im ersten Quartal hatte es nur ein Plus von 2,2 Prozent gegeben. Für Schwung sorgte nun auch der private Konsum, der mehr als zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht. Die Verbraucher gaben 4,0 Prozent mehr aus als zuletzt.

US-Präsident Donald Trump will das Wachstum mit seiner radikalen Steuerreform auf mindestens drei Prozent hochtreiben. Wenigstens kurzfristig scheint er damit Erfolg zu haben. Die gegenwärtigen Konjunktur erweist sich somit als ein Segen für ihn.

Amerikanische Besonderheiten

Ein starkes Anziehen der Konjunktur im zweiten Quartal ist nicht ungewöhnlich in der größten Volkswirtschaft der Welt. In den vergangenen Jahren war das Wachstum zum Jahresbeginn mehrfach vergleichsweise schwach ausgefallen und die Konjunktur hatte erst im weiteren Verlauf des Jahres spürbar an Fahrt gewonnen.

In den USA werden die Wachstumszahlen auf das Jahr hochgerechnet. Sie geben an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das Wachstumstempo ein Jahr lang anhielte. In Europa wird auf diese Annualisierung verzichtet. Wachstumszahlen aus den USA sind deshalb optisch höher und nicht unmittelbar mit europäischen Zahlen vergleichbar.

Läuft der Wirtschaftsmotor schon heiß?

Es wächst aber auch die Sorge, dass die US-Ökonomie überhitzen könnte. Um dieses Risiko zu verringern, ist die Notenbank Fed zugleich entschlossen, die Zinszügel weiter zu straffen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell in diesem Jahr noch zwei Mal nachlegen. Derzeit liegen die Leitzinsen in einer Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Jüngst hatte Trump mit der Tradition von US-Präsidenten gebrochen und die politisch unabhängige Fed wegen der Zinsschritte öffentlich kritisiert.

Die Schelte Trumps kommt für die Fed zur Unzeit. Denn für die Notenbank rücke nun die schwierige Frage in den Mittelpunkt, wo der Gipfel sei, sagte Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. "Die Fed muss die Frage beantworten, wann sie mit Zinserhöhungen aufhört." Nächste Woche entscheidet sie erneut über ihre Geldpolitik.

dk/sti (rtr, dpa, dpae, afpe)