USA reduzieren Militärhilfe für Kamerun | Afrika | DW | 08.02.2019
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Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen

USA reduzieren Militärhilfe für Kamerun

Kamerun droht im Bürgerkrieg zu versinken, die Menschenrechtslage ist desolat. Dass der Schritt der Amerikaner zu einem Umdenken der Regierung führt, wird bezweifelt.

Berichte über Tötungen von Zivilisten durch die Sicherheitskräfte Kameruns haben einen der stärksten Verbündeten des afrikanischen Landes, die Vereinigten Staaten, zu einem drastischen Schritt veranlasst: Die Amerikaner kürzen ihre Hilfsmittel für das Land, das im Bürgerkrieg zu versinken droht. Fast täglich erreichen brutale Videos und Fotos aus Kamerun die Deutsche Welle. Diese Bilder kursieren im Internet und werden von Nutzern weiter verbreitet. Nicht bei allen Videos ist der Ursprung geklärt: Sie sollen extreme Gräueltaten an Zivilisten zeigen. Menschen werden verhaftet und getötet, darunter Kinder und Frauen.

"Tote lagen in den Straßen"

Viele dieser erschreckenden Videos sind auch von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) aufgenommen worden, die Lage sei laut AI besorgniserregend. Der Konflikt zwischen englischsprachigen Separatisten im Nord- und Südwesten und der französischsprachigen Mehrheit spitzt sich zu. Die englischsprachige Minderheit im Land fordert ihre von der Verfassung garantierten Minderheitenrechte ein. Die Regierung des 85-jährigen Paul Biya schickt Soldaten in die Regionen. Etwa 430.000 Menschen sind laut den Vereinten Nationen (UN) auf der Flucht.

Der DW-Journalist Fred Muvunyi berichtet von einer Reise ins Kampfgebiet: "Es lagen Tote in den Straßen der Stadt Buea. Die einzigen Menschen auf den Straßen waren bewaffnete Soldaten." Tag und Nacht seien Schüsse zu hören gewesen. "In einem Ort war die gesamte Gemeinde Bevölkerung geflohen", sagt Muvunyi. Viele Menschen flüchteten ins benachbarte Nigeria, anderen versteckten sich in Wäldern. Auch für Journalisten ist die Arbeit in Kamerun gefährlich: "Eine Kollegin von uns erhielt Morddrohungen und wurde inhaftiert. Sie musste letzte Woche aus dem Land fliehen", fügt Muvunyi an. Die Reaktion der USA auf die verheerende Menschenrechtslage sende laut Muvunyi eine starke politische Botschaft an die Regierung, den Dialog mit den Separatisten zu suchen.

Signal aus Washington

Die Vereinigten Staaten kündigten an, sie würden notfalls auch weitere Mittel zurückhalten, sollte sich die Lage und Verletzungen der Menschenrechte durch Regierungstruppen  in der nördlichen Region nicht verbessern, betonten Sprecher des Pentagon. Somit muss Kamerun auf gepanzerte Fahrzeuge, Boote, Flugzeuge und Hubschrauber-Training verzichten.

Hans de Marie Heungoup - Senior Analyst, Zentralafrika für ICG (ICG)

Hans de Marie Heungoup hofft auf ein Umdenken der Regierung

Kameruns Finanzhilfe, die durch die politische Entscheidung der Vereinigten Staaten entzogen wird, umfasse 15 Millionen Euro pro Jahr, sagt Hans de Marie Heungoup, Mitarbeiter der International Crisis Group, im DW-Interview. Entfallen werde auch das geplante militärische Training für Soldaten aus Kamerun in den USA. Nach Angaben des amerikanischen Botschafters in Kamerun, Peter Henry Barlerin, werden die Vereinigten Staaten aber weiterhin in Fragen der Sicherheit mit Kamerun zusammenarbeiten. "Die Zivilbevölkerung und Aktivisten sind froh, dass die Vereinigten Staaten die Menschenrechtsverletzungen in Kamerun anprangern", sagt Heungoup. "Aber es gibt auch Pro-Regierungsstimmen, die sagen, wenn die Militärhilfe der Amerikaner wegfällt, können sie immer noch auf Russland und Chinas Unterstützung zählen".

Frankreich hat auf Amerikas Entscheidung reagiert und erklärt, die ehemalige Kolonialmacht werde weiter im Bereich der Verteidigung mit Kamerun zusammenarbeiten. Heungoup hofft dennoch, dass der Staat durch das Signal aus Washington seine militärischen Eingriffe im Nord- und Südwesten Kameruns überdenkt.

Auf Waffenruhe hofft auch Pascal Tantoh, der aus der Konfliktzone im anglophonen Norden geflüchtet ist. "Es ist der richtige Augenblick. Lasst andere Nationen mit Taten folgen. Die Menschen haben genug unter den barbarischen Aktionen des Militärs gelitten", sagt der Lehrer im DW-Interview. "Das Militär kann uns nicht helfen."

Kamerun Symbolbild Soldaten im Norden ARCHIV (Getty Images/AFP/R. Kaze)

Das Image der Sicherheitskräfte ist im Norden Kameruns schlecht

Gelder aus Deutschland stoppen

Die Kamerunerin Yeye Tatah findet, die Reaktion der USA komme viel zu spät: "Seit fast drei Jahren werden Unschuldige in Kamerun umgebracht und die Amerikaner haben zugeschaut", sagt die in Deutschland lebende Journalistin. Die Entscheidung, Hilfe zu kürzen, sei nur durch Druck gekommen, und zwar innerhalb Amerikas.

Der Schritt der USA werde laut Tatah aber keine große Wirkung zeigen. "Andere Länder müssen mitziehen. Deutschland verhält sich wie ein Heuchler - sie reden immer von der Wichtigkeit der Menschenrechte, aber in Kamerun gibt es keine Freiheit." Deutschland müsse sofort alle Gelder stoppen, nicht länger schweigen. Europäische Länder seien in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen, statt an Ressourcen und wirtschaftlich Vorteile zu denken und einen Diktator wie Paul Biya zu stützen, sagt Tatah: "Wie können sie die Augen schließen, wenn in Kamerun jahrelang Menschen umgebracht werden?"

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