US-Waffenlobby NRA will schärfere Waffengesetze nicht mittragen | Aktuell Amerika | DW | 25.02.2018
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Nach Schulmassaker in Florida

US-Waffenlobby NRA will schärfere Waffengesetze nicht mittragen

Die US-Waffenlobby NRA will sich dem öffentlichen Druck nicht beugen. Auch US-Präsident Trumps Vorstoß lehnt sie plötzlich ab. Stattdessen werden andere Schuldige gesucht.

Die einflussreiche US-Waffenlobby NRA rudert zurück und lehnt eine von US-Präsident Donald Trump in Erwägung gezogene Gesetzesverschärfung ab. Die NRA werde weder eine Anhebung des Mindestalters für den Kauf von Waffen unterstützen noch ein Verbot von Vorrichtungen, durch die halbautomatische Waffen ähnlich schnell abgefeuert werden können wie automatische, sagte Dana Loesch, eine Sprecherin der National Rifle Association (NRA) dem Sender ABC.

Schuldig sind andere

Stattdessen gab Loesch angeblich untätigen Politikern die Schuld für das Schulmassaker in Florida. Sie griff vor allem den Polizeichef im Broward County an. Es habe etliche Warnungen vor dem 19-jährigen Täter gegeben, man hätte ihn vorher verhaften können. Bereits am Samstag hatte die NRA mangelnde Sicherheitsvorkehrungen der Schule, Fehler der Sicherheitsbehörden und Mängel im Gesundheitssystem bei der Versorgung von psychisch Kranken verantwortlich gemacht.

Nach dem jüngsten Amoklauf an einer Schule in Florida mit 17 Toten hatte Trump Bereitschaft zu Gesetzesänderungen signalisiert. Auch die NRA hatte zunächst erklärt, sich einem Verbot von "Bump Stocks" nicht entgegenzustellen. Eine solche Vorrichtung hatte seiner Zeit der Attentäter von Las Vegas benutzt. Bei dem Massaker im Oktober kamen 58 Menschen ums Leben.

Bump Stock Waffe USA neu
(Getty Images/G.Frey)

Ein sogenannter "Bumb Stock" (links) erhöht die Schussgeschwindigkeit einer halbautomatischen Waffe

Unternehmen beenden Unterstützung für Waffenlobby NRA

Unterdessen gehen immer mehr US-Großunternehmen auf Distanz zur Waffenlobby. Die zweitgrößte US-Bank, Bank of America, kündigte am Samstag an, Waffenhersteller unter ihren Kunden auf ihre Verantwortung für die Gesellschaft hinzuweisen. Man wolle wissen, was diese Firmen unternähmen, um der gemeinsamen Verantwortung gerecht zu werden, weitere Amokläufe zu verhindern, teilte das Geldinstitut mit.

Mit Delta und United Airlines kündigten zudem zwei der wichtigsten Fluglinien an, die Bonusprogramme für Mitglieder des Waffenlobby-Verbandes NRA zu streichen. In den vergangenen Tagen hatten bereits zahlreiche weitere Unternehmen, darunter der Autovermieter Hertz, der Softwareanbieter Symantec und der Versicherer MetLife, Sonderkonditionen für NRA-Mitglieder gestrichen.

Die NRA reagierte umgehend: Die "Bestrafung von NRA-Mitgliedern" zeige die politische und staatsbürgerliche Feigheit der Firmen, schrieb die Organisation. NRA-Mitglieder würden sich deshalb sicherlich nicht von der Organisation abwenden. 

Heftige Debatte über Waffenbesitz

Seit dem Blutbad, das ein 19-Jähriger am Valentinstag mit einem Sturmgewehr vom Typ AR-15 anrichtete, ist in den USA eine neue heftige Debatte über die laschen Waffengesetze entbrannt. Schüler, Eltern und Lehrer der betroffenen Schule stellten sich an die Spitze einer Bewegung, die Verschärfungen verlangt. Dazu zählt ein generelles Verbot des Verkaufs von Sturmgewehren an Zivilisten. Die National Rifle Association sperrt sich gegen jede Verschärfung und sieht darin eine Verletzung des in der US-Verfassung verankerten Grundrechts auf Waffenbesitz. Mit ihren fünf Millionen Mitgliedern ist sie extrem einflussreich, vor allem viele republikanische Politiker kommen in den Genuss von NRA-Wahlkampfspenden.

as/jj (rtr, dpa)