US-Sprintstar Christian Coleman droht Dopingsperre | Sport | DW | 22.08.2019
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Doping

US-Sprintstar Christian Coleman droht Dopingsperre

Der aktuell schnellste Mann der Welt, Christian Coleman, soll innerhalb eines Jahres drei Dopingtests verpasst haben. Sein Start bei der WM in Doha und bei den Olympischen Spielen in Tokio steht damit auf der Kippe.

Nicht umsonst wurde er in den USA schon als möglicher Nachfolger des zurückgetretenen jamaikanischen Sprint-Superstar Usain Bolt gefeiert. Schon 2017, in Bolts Abschiedsjahr, war Christian Coleman schnellster Läufer des Jahres über 100 Meter (9,82 Sekunden). 2018 stellte der US-Sprinter ebenfalls die Weltjahresbestzeit auf (9,79 Sekunden). Und auch in diesem Jahr liegt Coleman mit seiner Saison-Bestmarke von 9,81 Sekunden bisher ganz vorn in den Ergebnislisten. Damit ist er nicht nur der große Favorit auf den Titel über die 100 Meter bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha Ende September, sondern auch für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Doch nun droht ihm eine Dopingsperre von bis zu zwei Jahren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP sowie der britischen Zeitungen "Daily Mail" und "The Times" ermittelt die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA gegen den 23-Jährigen. In den vergangenen zwölf Monaten soll der Topsprinter drei Dopingtests verpasst haben. 

Unterschiedliche Konsequenzen

Die Athleten müssen gemäß den Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agenur WADA für jeden Tag angeben, wo sie während einer von ihnen genannten Stunde für eine unangemeldete Kontrolle zur Verfügung stehen. Treffen die Kontrolleure den Sportler innerhalb eines Jahres dreimal nicht an dem Ort an, den er genannt hat, wird dies wie ein positiver Dopingtest gewertet.

USA Brianna Rollins, Hürdenläuferin (picture-alliance/AP Photo/M. Meissner)

Hürden-Olympiasiegerin Brianna Rollins

So wurde die Olympiasiegerin von Rio de Janeiro über 100 Meter Hürden, Brianna Rollins, 2017 für ein Jahr gesperrt, weil sie 2016 drei Dopingtests versäumt hatte. Die britische Radrennfahrerin Lizzie Armitstead konnte dagegen 2016 vor dem Internationalen Gerichtshof (CAS) eine Sperre wegen dreier verpasster Tests abwenden. Der CAS entschied, dass die Kontrolleure nicht ausreichend konsequent versucht hätten, die Sportlerin zu erreichen.

Ein wenig erinnert Colemans Fall auch an den des dänischen Radprofis Michael Rasmussen. Während der Tour de France 2007 wurde bekannt, dass Rasmussen der Anti-Doping-Behörde seines Landes mehrmals falsche Aufenthaltsorte angegeben hatte. Als Spitzenreiter der Tour wurde Rasmussen damals aus dem Rennen genommen, später legte er ein umfassendes Doping-Geständnis ab.

"Komplikationen nach dem Training"

Coleman sollte ursprünglich am vergangenen Sonntag beim Diamond-League-Meeting in Birmingham an den Start gehen. Zwei Tage vorher sagte er wegen "Komplikationen nach dem Training" ab und verwies auf sein großes Ziel in dieser Saison, die WM in Doha. Dort will er über 100, 200 und mit der 4x100 Meter-Staffel der USA starten.

Leichtathletik-WM 100-Meter-Finale (Reuters/L. Nicholson)

Bei der WM 2017 war Christian Coleman (l.) schneller als Superstar Usain Bolt

Eine Sperre Colemans wäre ein schwerer Schlag für die Leichtathletik, zumal gerade in der Königsdisziplin der Sprinter immer wieder Top-Athleten auffällig geworden waren. Der amtierende Weltmeister Justin Gatlin war vor seinem WM-Sieg 2017 (vor Coleman und Bolt) bereits zweimal des Dopings überführt worden - zuletzt 2006. Damals war der US-Amerikaner als Wiederholungstäter sogar für acht Jahre gesperrt worden, das Strafmaß wurde später auf vier Jahre reduziert. Und auch die prominenten Fälle aus der Vergangenheit wie Ben Johnson (1988), Asafa Powell (2013) oder Tyson Gay (2013) sind noch bestens in Erinnerung.

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