US-Sanktionen gegen Iran sorgen die Türkei | Wirtschaft | DW | 10.11.2018
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Handel

US-Sanktionen gegen Iran sorgen die Türkei

Die Türkei gehört zu den Ländern, die von den Ölsanktionen der USA gegenüber dem Iran vorübergehend ausgenommen wurden. Trotzdem befürchtet die Geschäftswelt einen Rückgang im Handel mit dem Iran.

Anfang der Woche verhängten die USA Sanktionen gegen den Iran. Besonders betroffen sind der Erdöl- und Petrochemie-Sektor. Die Türkei ist allerdings eines der acht Länder, die sechs Monate von diesen Sanktionen befreit sind. Nichtsdestotrotz fürchtet die Geschäftswelt in der Türkei, dass der Handel mit dem Iran starke Einbußen erleiden wird.

Ümit Kiler, Vorsitzender des Ausschusses für türkisch-iranische Wirtschaftsbeziehungen innerhalb des Rats für Außenhandel (DEIK), sieht in der vorläufigen Befreiung der Türkei von den Sanktionen eher ein "geringeres Übel".

Die Geschäftswelt sei ursprünglich davon ausgegangen, dass die Türkei nicht nur sechs Monate von den Sanktionen befreit sein würde, erklärte Ümit Kiler. "Denn die Türkei ist das Land, das von den Sanktionen am meisten beeinflusst wird. Wir denken, dass die US-Regierung entsprechend besonnen handeln wird", so Kiler.

Außerdem fordert er die Bereiche, in denen die Türkei von den Sanktionen befreit ist, zu erweitern. "Im Handel von Erdöl und Gas sollte auf jeden Fall eine Verbesserung erzielt werden. Ganz gleich, wie lange das Embargo andauert, es ist nicht möglich, den Handel zwischen diesen beiden Ländern, die eine Grenze teilen, zu verhindern. Die Handelsexperten werden immer einen Weg finden." Man hoffe, dass die jüngste Annäherung zwischen der Türkei und den USA sich positiv auf den Handel zwischen der Türkei und dem Iran auswirken werde, so Kiler weiter.

Rückläufige Zahlen in den letzten Jahren

In den vergangenen fünf Jahren war der Handel zwischen den beiden Ländern von 21 Milliarden Dollar auf zehn Milliarden Dollar zurückgegangen. 1996 betrug der Außenhandel der Türkei mit dem Iran ca. eine Milliarde Dollar. Besonders während der AKP-Regierung erlebte er einen weiteren Anstieg und erreichte 2012 über 22 Milliarden Dollar. Im Gegenzug zum Ölimport aus dem Iran erfolgte der Goldexport, der häufig Schlagzeilen machte. Diese Handelsbalance verlief bis 2016 zugunsten Teherans. Nach Angaben des Amtes für Statistik in der Türkei wurden im Jahr 2016 Waren im Wert von 4,7 Milliarden Dollar importiert, dem stehen Exporte im Wert von fünf Milliarden Dollar aus dem Iran gegenüber. Erstmals wurde ein Handelsüberschuss von rund 300 Millionen Dollar erzielt. 2017 kippte diese Handelsbalance allerdings wieder zugunsten Teherans und der gegenseitige Handel von insgesamt zehn Milliarden Dollar verzeichnete ein Defizit von über vier Milliarden Dollar. An der Spitze der Importe aus dem Iran in der Türkei steht Erdöl und Erdgas, bei dem Export in den Iran hingegen Automobil, Maschinen, Textil-Produkte sowie Nahrungsmittel.

Grenzverkehr zwischen der Türkei und dem Iran in der türkischen Provinz Hakkari

Grenzverkehr zwischen der Türkei und dem Iran in der türkischen Provinz Hakkari

"Wir erwarten eine Verlängerung"

Doch nicht nur der Energieimport verzeichnet rückläufige Zahlen. Auch der Export der Türkei in den Iran ist betroffen. 2012 betrug  er rund zehn Milliarden Dollar. Nach Angaben des Rats türkischer Exporteure (TIM) wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 nur noch Waren im Wert von 1,8 Milliarden Dollar exportiert. Der Hauptgrund dafür ist der Druck der USA auf die Länder, die mit dem Iran Geschäfte machen. Der zweite Grund sind die hohen Steuersätze, die im Iran auf türkische Produkte erhoben werden.

Bülent Aymen ist stellvertretender Vorsitzender der Union der Mittelmeer-Exporteure (AKIB). "Der Iran, mit seiner Bevölkerung von 80 Millionen Menschen, ist eigentlich in vielen Sektoren ein Konkurrent der Türkei. Trotzdem würde eine Schwächung der iranischen Wirtschaft auch Auswirkungen auf türkische Firmen haben, die mit dem Iran Geschäfte machen", erklärt Aymen.

„Sanktionen haben indirekte Auswirkungen"

Doch es gibt auch Stimmen, die im Gegensatz zur Geschäftswelt nicht denken, dass die Iran-Sanktionen drastische Auswirkungen auf den Handel zwischen der Türkei und den Iran haben werden. Eyüp Ersoy von der Bilkent Universität ist Experte für den Mittleren Osten. Die US-Sanktionen zielten vor allem auf den Energie- und Finanzsektor des Iran ab und nicht direkt auf die Handelsbeziehungen, so Ersoy. "Man muss darauf hinweisen, dass sich diese Sanktionen eher indirekt auf die neben dem Erdöl bestehenden Handelsbeziehungen auswirken werden. Daher werden sich auch die US-Sanktionen auf die Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und dem Iran indirekt auswirken", so Ersoy.

Sollte sich das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei nicht verändern, ist davon auszugehen, dass es erneut zu einer Befreiung Ankaras von den US-Sanktionen gegenüber dem Iran geben wird. Profitieren würde hierbei der Erdöl-Handel zwischen der Türkei und dem Iran. "Für den Fall aber, dass die Befreiung nicht verlängert wird, wird der Import von Erdöl aus dem Iran in die Türkei unterbrochen und die Türkei wird andere Wege finden, um ihre Nachfrage zu decken. Für die Türkei ist diese Option nicht mit hohem Risiko und hohen Kosten verbunden", erklärt Ersoy.

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