US-Notenbank-Chef bleibt vorerst standhaft | Wirtschaft | DW | 24.08.2018
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Notenbanken

US-Notenbank-Chef bleibt vorerst standhaft

US-Notenbankchef Powell hat sich ungeachtet der Kritik von Präsident Trump für weitere behutsame Zinserhöhungen ausgesprochen. Gleichzeitig sicherte er zu, im Falle einer Krise "alles, was nötig ist" zu tun.

Fed-Chef Jerome Powell (Artikelbild) hat die Bereitschaft der US-Notenbank Federal Rerserve signalisiert, im Falle einer steigenden Inflation oder einer drohenden Krise für die US-Wirtschaft mit allen notwendigen geldpolitischen Maßnahmen zu reagieren. Auf die jüngst geäußerte Kritik von Präsident Donald Trump am Zinserhöhungskurs der Fed ging er nicht direkt ein.

Allerdings deutete Powell keine Abkehr von der bisherigen Politik der Notenbank an. Die Wirtschaft zeige sich stark und die Inflation liege nahe beim Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank, sagte Powell am Freitag auf der Notenbank-Konferenz in Wyoming. "Wenn das starke Wachstum bei Einkommen und Arbeitsplätzen anhält, werden weitere graduelle Anhebungen der Zielspanne für die Leitzinsen wahrscheinlich angemessen sein."

    

Die Rede des Fed-Chefs vor Notenbankern und Ökonomen in Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming war mit Spannung erwartet worden, nachdem Trump sich Anfang der Woche in einem Interview kritisch über den Kurs der Fed geäußert und indirekt auch ihre Unabhängigkeit in Frage gestellt hatte.

Trotz Präsidenten-Kritik

Trump hatte Powell am Montag ungewöhnlich offen attackiert. Er kritisierte insbesondere die straffere Geldpolitik Powells, der von ihm selbst als Fed-Präsident nominiert worden war. "Ich bin nicht davon begeistert, dass er die Zinsen erhöht", sagte Trump. Ihn treibt die Sorge um, dass wenige Monate vor den Zwischenwahlen im Kongress im November weitere Zinsschritte die Konjunktur bremsen könnten.

Vor Powell hatten sich bereits mehrere Fed-Mitglieder für weitere Anhebungen der Sätze ausgesprochen. Die Chefin der Fed von Kansas City, Esther George, erklärte am Donnerstag, aus ihrer Sicht seien in diesem Jahr "zwei oder mehr Zinserhöhungen" angebracht. 2019 könnten weitere Schritte abhängig von den wirtschaftlichen und finanzpolitischen Bedingungen folgen.

Der Fed-Präsident von Dallas, Robert Kaplan, erklärte, die jüngsten Äußerungen Trumps würden die Notenbank-Entscheidungen nicht beeinflussen. Er rechne mit drei bis vier Zinserhöhungen in den nächsten neun bis zwölf Monaten.

USA - Präsident Donald Trump beim Treffen mit Guiseppe Conte (picture alliance/AP Photo/E. Vucci)

US-Präsident DOnad J. Trump hält offenbar nicht viel von einer unabhängigen US-Zentralbank.

Alle Daten im grünen Bereich

Die Währungshüter müssen laut Powell so navigieren, dass sowohl eine Überhitzung der Wirtschaft als auch eine übereilte Straffung der Geldpolitik vermieden werden. Denn trotz der niedrigen Arbeitslosigkeit im Land gebe es keine klaren Anzeichen für ein Inflationsproblem. Daher müsse die Notenbank vorsichtig vorgehen. Mit dem gegenwärtigen Kurs nehme die Fed diese beiden Risiken ernst.

Die Arbeitslosenquote stand in den USA im Juli bei 3,9 Prozent, was praktisch Vollbeschäftigung gleichkommt und eines der Ziele der Notenbank ist. Bei der Inflation achtet die Fed insbesondere auf Preisveränderungen bei den persönlichen Verbraucherausgaben (PCE) ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelkosten. Hier lag die Steigerungsrate im Juni mit 1,9 Prozent leicht unter dem Zielwert der Fed von zwei Prozent.

dk/hf (rtr, afp)