US-Klatschblatt weist Erpressungsvorwürfe von Jeff Bezos zurück | Aktuell Amerika | DW | 11.02.2019
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USA

US-Klatschblatt weist Erpressungsvorwürfe von Jeff Bezos zurück

Die Schlammschlacht zwischen dem Amazon-Chef und dem "National Enquirer" geht weiter. Doch wer hier nur eine billige Sex-Story vermutet, irrt. Trump und seine Mitstreiter betreiben vielmehr Politik mit anderen Mitteln.

Chef von Amazon und Eigentümer der Washington Post: Jeff Bezos (Foto: Getty Images/A. Wong)

Chef von Amazon und Eigentümer der "Washington Post": Jeff Bezos

Das US-Boulevardblatt "National Enquirer" hat Vorwürfe einer Erpressung von Amazon-Chef Jeff Bezos zurückgewiesen. "Es ist absolut keine Erpressung", sagte Anwalt Elkan Abramowitz dem US-Sender ABC. Es habe sich vielmehr um eine "legitime Verhandlung" gehandelt. Bezos und der "National Enquirer"-Herausgeber American Media Inc (AMI), den Abramowitz vertritt, hätten ein Interesse daran gehabt, ihre "Differenzen" beizulegen.

Schlüpfrige Textnachrichten

Bezos hatte AMI in der vergangenen Woche vorgeworfen, ihm mit einer Veröffentlichung intimer Fotos gedroht zu haben. Demnach forderte das Medienunternehmen von Bezos, seine privaten Ermittlungen über eine bereits publizierte Enthüllungsgeschichte über sein Privatleben zu stoppen und zu erklären, hinter der Veröffentlichung gebe es keine politischen Motive. Der "National Enquirer" hatte im Januar über eine außereheliche Affäre des reichsten Mannes der Welt mit der Nachrichtenmoderatorin Lauren Sánchez berichtet. Dabei wurden auch schlüpfrige Textnachrichten verbreitet. Kurz zuvor hatten Bezos und seine Frau MacKenzie ihre Scheidung nach 25-jähriger Ehe angekündigt.

Objekt von Bezos' Seitensprung-Begierde: die Nachrichtenmoderatorin Lauren Sánchez (Foto: picture-alliance/ZUMAPRESS.com/J. Rojas)

Objekt von Jeff Bezos' Begierde: die Nachrichtenmoderatorin Lauren Sánchez

Tatsächlich vermutet Bezos hinter dem "National Enquirer"-Bericht über seinen Seitensprung mit Sánchez  politische Motive: AMI-Chef David Pecker ist ein langjähriger Freund von US-Präsident Donald Trump - im Wahlkampf 2016 hatte er Trump bei der Abwicklung einer Schweigegeldzahlung an eine angebliche frühere Sexpartnerin - das frühere "Playboy"-Model Karen McDougal - geholfen. Bezos wiederum ist Eigentümer der "Washington Post", die kritisch über Trump berichtet. Die "Washington Post" hat außerdem sehr kritisch über Saudi-Arabien berichtet. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman wird verdächtigt, die Ermordung des Journalisten und "Washington Post"-Kolumnisten Jamal Khashoggi angeordnet zu haben.

Bruder der Geliebten im Verdacht

Am vergangenen Donnerstag verwies Bezos auf die Nähe zwischen AMI zu Trump und zu Saudi-Arabien - und machte deutlich, dass er politische Motive hinter der "National Enquirer"-Geschichte vermutet. Der 55-jährige Multimilliardär beauftragte Privatdetektive herauszufinden, wie es zu der Enthüllung kommen konnte und ob politische Motive dahinter stecken. "Ich denke, Bezos und AMI hatten Interesse daran, ihre Differenzen beizulegen", sagte AMI-Anwalt Abramowitz auf ABC weiter. "Bezos wollte nicht, dass eine andere Geschichte über ihn geschrieben wird oder diese Fotos veröffentlicht werden." Und AMI wolle nicht der Verleumdung ausgesetzt werden, unter anderem vom Weißen Haus "inspiriert" worden zu sein.

Bekennender Freund des US-Präsidenten: David Pecker, der Chef von AMI und damit auch des National Enquirer (Foto: picture-alliance/AP Photo/M. Curtis)

Bekennender Freund des US-Präsidenten: David Pecker, der Chef von AMI und Verleger des "National Enquirer"

Wer dem "National Enquirer" die privaten Textnachrichten und Nacktfotos von Bezos zugespielt hat, wollte Abramowitz nicht sagen. Die Quelle sei aber "verlässlich", versorge das Blatt bereits seit sieben Jahren mit Informationen und sei sowohl Bezos als auch dessen Geliebter bekannt. "Ich kann Ihnen sagen, dass es weder Saudi-Arabien noch Präsident Trump noch (der Trump-Vertraute) Roger Stone waren." Medienberichten zufolge wird Sánchez Bruder verdächtigt, dem "National Enquirer" die Informationen zugesteckt zu haben. Michael Sánchez ist ebenfalls Trump-Anhänger und zudem Freund von Politikberater Stone. Dieser steht seinerseits unter anderem im Verdacht, Kongressuntersuchungen zu der Affäre um die russischen Einmischungen in den US-Wahlkampf 2016 behindert zu haben. Er ist gegen eine Kaution von 250.000 Dollar (220.000 Euro) auf freiem Fuß und weist alle Vorwürfe von sich.

sti/ww (afp, ap, dpa)

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