US-Börsenabsturz greift auf Europa über | Wirtschaft | DW | 05.02.2018
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Aktienmärkte

US-Börsenabsturz greift auf Europa über

Nun dürfte auch der Dax in die Knie gehen. An Asiens Börsen ging es bereits steil nach unten. Zuvor war der Dow Jones zwischenzeitlich um fast 1600 Zähler abgesackt - so viel wie nie zuvor an einem Handelstag.

Nach dem Kursturz an der Wall Street steht auch deutschen Anlegern ein schwarzer Börsentag bevor. Banken und Brokerhäuser rechnen damit, dass der Dax an diesem Dienstag zum Handelsstart um mehr als fünf Prozent einbricht. Am Montag hatte er 0,8 Prozent auf 12.687,49 Punkte verloren.

An den Aktienmärkten geht die Angst um, dass die Zeiten des billigen Geldes bald vorbei sind. Sie spekulieren darauf, dass die Zinsen vor allem in den USA schneller steigen als erwartet. Der US-Leitindex Dow Jones brach am Montag um 4,6 Prozent auf - etwa 1175 Zähler - auf 24.346 Punkte ein. Der breiter gefasste S&P gab um 4,1 Prozent auf 2649 Stellen nach. Der Nikkei in Tokio sackte am Dienstag um 4,7 Prozent auf 21.610 Zähler ab. "Das, was seit gestern Abend passiert, darf als Crash bezeichnet werden", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Viele Anleger sind in Panik verfallen. Alle wollen durch die gleiche Tür."

"Schwärzester Tag für Aktienmärkte seit Jahren"

Analyst Craig Erlam vom Devisenbroker Oanda sprach von einem "Flash Crash" an der Wall Street. Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research sah im freien Fall des Dow "den schwärzesten Tag für die Aktienmärkte seit Jahren". 

Das Weiße Haus zeigte sich trotz des Kurssturzes zuversichtlich über die wirtschaftliche Lage in den USA. Der Fokus von Präsident Donald Trump liege auf den langfristigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten, die weiterhin "außergewöhnlich stark" seien, erklärte seine Sprecherin Sarah Sanders. Dazu gehörten etwa die "historisch niedrige" Arbeitslosigkeit sowie steigende Löhne, fügte sie hinzu. In den vergangenen Monaten hatte Trump die Rekorde am Aktienmarkt wiederholt als Bestätigung für seinen wirtschaftspolitischen Kurs herangezogen.

Ein Broker in der Tokioter Börse (Foto: Getty ImagesAFP/B. Mehri)

Auch an der Tokioter Börse ging es bei den Kursen nur in eine Richtung

Empfindliche Abschläge auch in Tokio und Sydney

Der "Flash Crash" in New York zog nur Stunden später auch die Börsen in Asien und Australien nach unten. Neben den Märkten Tokio und Sydney erlebten auch Schanghai und Hongkong empfindliche Abschläge zum Handelsstart am Dienstag. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stürzte um mehr als 1000 Punkte ab und verzeichnete damit den höchsten Tagesverlust seit 2016. Der Index ging mit einem massiven Abschlag von 1071,84 Zählern oder 4,73 Prozent beim Stand von 21 610,24 Punkten aus dem Handel. Zwischenzeitlich hatte der Nikkei 7,1 Prozent verloren. Der breit gefasste Topix büßte 80,33 Punkte oder 4,4 Prozent auf 1743,41 Punkte ein. 

Die gerade aus dem Amt geschiedene US-Zentralbank-Chefin Janet Yellen hatte auf ihrer letzten Sitzung zwar nicht weiter an der Zinsschraube gedreht. Unsicherheit besteht aber darüber, wie ihr Nachfolger Jerome Powell an der Spitze der Fed agieren wird. Angesichts einer womöglich steigenden Inflation in den USA könnte er sich gezwungen sehen, die Zinsen schneller anzuheben als man bisher vermutet hat.

Noch drei oder mehr Zinserhöhungen? 

Börsianer rechnen in den Vereinigten Staaten mittlerweile mit drei oder noch mehr Zinserhöhungen in diesem Jahr. "Die Aktienmärkte reagieren jetzt so, wie man es erwarten würde bei steigenden Zinsen", so Chefökonom Matthew Peter vom australischen Pensionsfonds QIC. "Lange waren niedrige Zinsen die Droge der Börsen. Die wird dem Aktienmarkt jetzt mehr und mehr entzogen", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. 

In diesem Umfeld steigen am amerikanischen Rentenmarkt nun die Anleihen kräftig: US-Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit bringen mittlerweile wieder Renditen von fast drei Prozent. Das ist ziemlich lukrativ - denn amerikanische Staatsanleihen gelten sozusagen als ausfallsicher. Anleger dürften weiter umschichten: raus aus den vergleichsweise risikoreichen Aktienmärkten, rein in Staatsanleihen.

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