Urteil im Prozess gegen Brandstifter von Moria | Aktuell Europa | DW | 12.06.2021
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Griechenland

Urteil im Prozess gegen Brandstifter von Moria

Vier junge Migranten müssen für jeweils zehn Jahre ins Gefängnis, weil sie im September 2020 das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Brand gesetzt haben sollen. Ihre Anwälte sehen das anders.

Griechenland | Flüchtlingslager Moria nach Feuer

Das Flüchtlingslager Camp Moria nach dem Brand im September 2020

Der Prozess gegen die vier Angeklagten aus Afghanistan fand wegen der Corona-Hygienevorschriften auf der Insel Chios unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die vier Migranten im September vorigen Jahres absichtlich Feuer in dem Flüchtlingslager legten, um ihre Umsiedlung aufs griechische Festland zu erzwingen. Bei dem Brand wurde das Lager fast vollständig zerstört, mehr als 12.000 Bewohner über Nacht obdachlos.

Wie der staatliche griechische Rundfunk (ERT) berichtete, legten die Angeklagten umgehend Berufung gegen das Urteil ein, was aber keine aufschiebende Wirkung habe. Die Anwälte der Beschuldigten prangerten an, dass ihre Klienten keinen fairen Prozess erhalten hätten. Drei der Angeklagten seien zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht als Minderjährige anerkannt worden, obwohl sie entsprechende Dokumente vorgelegt hätten.

Zwei weitere von der Polizei ermittelte Tatbeteiligte waren im März in einem Verfahren nach Jugendstrafrecht zu jeweils fünf Jahren Haft verurteilt worden. Auch sie sind gegen das Urteil in Berufung gegangen.

Kronzeuge der Anklage verschwunden

Die Anklage basierte zu großen Teilen auf der Aussage eines Asylbewerbers, der ebenfalls in Moria lebte. Er beschuldigte insgesamt sechs Männer der Brandstiftung in dem Lager. Bei der Anhörung, die am Freitag begonnen hatte, war dieser Kronzeuge nicht anwesend. Nach Angaben der Verteidigung war er auch bei dem früheren Prozess gegen die beiden anderen Beschuldigten nicht anwesend, da er nicht auffindbar sei.

Weitere Zeugen vor Gericht waren Polizeibeamte und Feuerwehrleute, die im September 2020 zum Einsatzort gerufen worden waren, sowie Flüchtlingshelfer der EU und von Hilfsorganisationen, die im Lager arbeiteten.

Griechenland | Luftbild zerstörtes Flüchtlingscamp Moria 2021

Luftaufnahme des zerstörten Flüchtlingslagers Camp Moria (2021)

Bewohner umgesiedelt

Bei dem Feuer im Camp Moria wurde das größte Flüchtlingslager in der Ägäis fast völlig zerstört. Die mehr als 12.000 Bewohner wurden später in ein anderes Camp gebracht.

Mittlerweile haben die Behörden ein provisorisches Lager auf der Insel Lesbos errichtet, in dem rund 6000 Menschen untergebracht sind. Die Europäische Union hat 276 Millionen Euro für den Bau eines neuen permanenten Lagers auf Lesbos und für weitere Einrichtungen auf den Inseln Chíos, Samos, Kos und Leros bereitgestellt.

Zahl der Migranten rückläufig

Die Zahl der Migranten, die auf den griechischen Inseln in der Ost-Ägäis leben, geht aktuell immer weiter zurück. In und um die Registrierlager auf Lesbos, Samos, Chios, Kos und Leros befinden sich nach Regierungsangaben nur noch rund 9600 Menschen - davon auf Lesbos derzeit rund 6500. Im April 2020 lag die Zahl insgesamt noch bei gut 40.000 Flüchtlingen und Migranten.

Grund für den Rückgang sind Maßnahmen der griechischen Regierung, vor allem Ältere, Kranke und Familien von den Inseln aufs Festland zu holen, sowie weniger Neuankünfte aus der Türkei.

mak/ack (dpa, afp)

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