Urteil gegen Polizeigewalt in den USA | Aktuell Welt | DW | 06.10.2018
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Justiz

Urteil gegen Polizeigewalt in den USA

Vier Jahre nach den tödlichen Schüssen auf einen schwarzen Jugendlichen in Chicago ist ein Polizist verurteilt worden. Vor dem Gerichtsgebäude wurde die Entscheidung bejubelt. Der Fall hatte zu Massenprotesten geführt.

Die zwölf Geschworenen des Strafgerichts in Chicago befanden den angeklagten Polizisten Jason Van Dyke nach nur einem Tag der Beratungen in mehreren Anklagepunkten für schuldig. Das Strafmaß ist noch offen: Van Dyke könnte eine jahrzehntelange Haft drohen. Er wurde umgehend in Gewahrsam genommen. Wann die Verkündung des Strafmaßes ansteht, ist noch unklar. Die Polizeigewerkschaft, die Van Dyke vertritt, kündigte Berufung an.

Übertriebener Einsatz von Gewalt

Der 40-Jährige war wegen Mordes angeklagt und hatte auf nicht schuldig plädiert. Van Dyke hatte im Oktober 2014 den 17-jährigen Laquan McDonald erschossen. Erst ein Jahr nach der Tat veröffentlichte Videoaufnahmen zeigten, dass der Beamte 16 Mal auf den jungen Mann feuerte, der mit einem Messer in der Hand vor ihm weglaufen wollte. Daraufhin gingen im November 2015 tausende Menschen in Chicago auf die Straße. Nach den Protesten wurde unter anderem der Polizeichef der Stadt im US-Bundesstaat Illinois entlassen.

USA Chicago Prozess gegen den Polizisten Jason Van Dyke (picture-alliance/Chicago Tribune/Z. Bzdak)

Der Verurteilte Polizist Jason Van Dyke schoss 16 Mal auf den getöteten Jugendlichen

Van Dyke hatte nach dem Bekanntwerden der Tat gemeinsam mit mehreren Kollegen versucht, den Jugendlichen für die tödliche Eskalation verantwortlich zu machen. Gegen drei Polizisten wurde Anklage erhoben, weil sie die Todesumstände vertuscht haben sollen. Sie müssen sich wegen Verschwörung, Amtsmissbrauchs und Behinderung der Justiz verantworten.

Die US-Justizbehörden warfen der Polizei in Chicago nach einer einjährigen Untersuchung einen übertriebenen Einsatz von Gewalt vor. Der "übermäßige" Einsatz von Gewalt verletze die Verfassung, besonders betroffen seien die von vielen Schwarzen und Hispanics bewohnten Stadtviertel von Chicago, sagte die damalige US-Justizministerin Loretta Lynch.

Kein Einzelfall

Die Familie des Opfers begrüßte den Schuldspruch. "Das ist ein Sieg für Am,erika", sagte der Sprecher der Familie, McDonalds Großonkel Marvin Hunter. Vor dem Geschworenengericht jubelten zahlreiche Menschen bei der Verkündung des Schuldspruches. Tausende Polizisten waren im Einsatz, da neuerliche Proteste befürchtet worden waren. Staatsanwalt Joe McMahon sagte, er hoffe, dass das Urteil "ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den Sicherheitskräften und der Bevölkerung" eröffnet.

USA Chicago Proteste beim Prozess gegen den Polizisten Jason Van Dyke (picture-alliance/AP Photo/M. Marton)

Proteste vor dem Gerichtsgebäude in Chicago: "Ein Sieg für Amerika"

Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze haben wiederholt für Empörung und Aufruhr in der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA gesorgt. Im Sommer 2014 hatte die Tötung des 18-jährigen Michael Brown in Ferguson im Bundesstaat Missouri schwere Unruhen ausgelöst. Der dafür verantwortliche Polizist wurde nicht angeklagt, obwohl Brown unbewaffnet war.

pgr/AR (afp, rtr)

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