Urheberrecht gilt auch für Schüler | Deutschlehrer-Info | DW | 09.08.2018
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Urheberrecht gilt auch für Schüler

Mal schnell für ein Referat ein Foto aus dem Internet kopieren und dann auf die Homepage der Schule stellen: Jahrelang war das alltägliche Praxis, doch jetzt hat der Europäische Gerichtshof dem einen Riegel vorgeschoben.

„Und Ihr hattet wirklich früher kein Internet", fragt ein Schüler seinen Vater. „Wie habt Ihr denn da Referate geschrieben?" Die ständige Verfügbarkeit von Texten und Bildern hat den Unterricht nachhaltig verändert. Einfach nur etwas im Unterricht vortragen, reicht heute oft nicht mehr, eine kleine Präsentation sollte es schon sein. Die wird natürlich schöner mit Bildern aus dem Netz. Und weil Schulen gerne zeigen, was ihre Schützlinge so lernen, werden diese Präsentationen samt Fotos dann im Internet veröffentlicht, zum Beispiel auf der Schulhomepage. Doch ohne Einwilligung des Fotografen ist das nicht erlaubt, entschied jetzt der Europäische Gerichtshof. Auch dann nicht, wenn die Bilder im Netz frei zugänglich sind.

Fotograf klagte auf Schadenersatz

Hintergrund des EuGH-Urteils: Eine Schülerin kopierte ein Foto der spanischen Stadt Córdoba von der Seite eines Online-Reisemagazins und baute es in ihr Referat ein. Das Ganze erschien dann auf der Schul-Homepage. Daraufhin verklagte ein Berufsfotograf das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Waltrop auf Unterlassung und 400 Euro Schadenersatz. Er argumentierte, er habe nur dem Reisemagazin ein einfaches Nutzungsrecht überlassen, die Nutzung auf der Schulwebseite ohne seine Zustimmung verletze aber seine Rechte.

Urteil könnte Klage-Welle auslösen

So sah das auch das Gericht. Abgesehen von klar definierten Ausnahmen stelle jede Nutzung eines Werks durch einen Dritten ohne eine vorherige Zustimmung eine Urheberrechtsverletzung dar, urteilte der Europäische Gerichtshof in Luxemburg. Dabei spiele es keine Rolle, ob das Werk von einer anderen Internetseite problemlos herunterzuladen sei oder nicht. Auch der schulische Kontext und die Tatsache, dass die Schule damit keine Gewinne erzielen wollte, sei in diesem Fall irrelevant. Durch die Veröffentlichung auf einer anderen Seite werde das Bild einem neuen Publikum zugänglich gemacht, dafür sei die Zustimmung des Urhebers nötig.

Das Urteil könne eine Reihe von Klagen auslösen, wenn Künstler ihren Rechten nachgingen, sagte Nils Rauer, der Anwalt des Fotografen. Die Gesellschaft müsse das Urheberrecht respektieren. Ziel der EU-Kommission, des EU-Parlaments und des EuGH sei es, diesen Respekt zu schaffen.

mk/suc (reuters, afp)

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