Unwort des Jahres 2021: „Pushback“ | Deutschlehrer-Info | DW | 13.01.2022
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Deutschlehrer-Info

Unwort des Jahres 2021: „Pushback“

Mit dem Begriff „Pushback“ entschied sich die Jury der sprachkritischen Aktion für ein Wort, das für das Zurückdrängen von Geflüchteten an den Grenzen steht.

Migranten an der polnischen Grenze werden von Soldaten zurückgedrängt

Soldaten versuchen Migranten davon abzuhalten, auf polnisches Gebiet zu gelangen

Der aus dem Englischen stammende Begriff Pushback wurde zum „Unwort des Jahres“  gewählt. Es ist, wie auch schon im vergangenen Jahr, ein Begriff aus dem Bereich der Migrationspolitik, der das Zurückdrängen oder Zurückweisen von Geflüchteten an den Landesgrenzen beschreibt. Mit dem Begriff werde ein menschenfeindlicher Prozess beschönigt, begründete eine Jury ihre Wahl.

Bürgerinnen und Bürger konnten Vorschläge einreichen

Rund 1300 Einsendungen hat die Jury der sprachkritischen Aktion gesichtet, die das  „Unwort des Jahres“  wählt. Bis zum 31.12.2021 konnten alle Bürgerinnen und Bürger Vorschläge einreichen. Ein Großteil der Begriffe drehte sich um die Corona-Pandemie, die uns seit zwei Jahren begleitet und für Spannungen in der Gesellschaft sorgt. 

Die Jury setzt sich zusammen aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern, einer Journalistin und einem jährlich wechselnden Mitglied aus der Kultur- und Medienbranche. In diesem Jahr wurde das Unwort des Jahres erstmals in Marburg bekanntgegeben, da die Germanistin und Jury-Sprecherin Constanze Spieß an der hiesigen Universität lehrt. Die sprachkritische Aktion ist an keine Institution gebunden. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich.

„Rückführungspatenschaften“ war eines der beiden Unwörter 2020

Mit der Wahl des Unworts soll für Sprache sensibilisiert werden. Anwärter für das Unwort des Jahres sind Begriffe, die gegen das Prinzip der Menschenwürde oder die Prinzipien der Demokratie verstoßen. Hinzu kommen Wörter, die einzelne Menschen oder gesellschaftliche Gruppen diskriminieren, die zynisch sind, in die Irre führen oder verschleiern, was sich eigentlich hinter einem Begriff bewirkt. Manche Wörter sind positiv aufgeladen, also euphemistisch, obwohl sie im Grunde etwas Negatives ausdrücken.

Ein Beispiel dafür ist der Begriff „Rückführungspatenschaften“, der 2020 zu einem von zwei Unwörtern des Jahres gewählt wurde („Corona-Diktatur“ war das zweite). Die EU-Kommission nutzte das Wort für eine Maßnahme in der europäischen Migrationspolitik: Mitgliedsstaaten, die keine geflüchteten Menschen aufnehmen wollen, deren Asylanträge bereits in anderen Ländern abgelehnt wurden, sollen sich um die Abschiebung kümmern.

rey/pg (dpa, kna)

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