Unsere Korrespondenten und die Corona-Krise | Welt | DW | 19.03.2020
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Medien

Unsere Korrespondenten und die Corona-Krise

Fast jedes Land auf der Welt ist inzwischen vom Coronavirus betroffen. Unsere Korrespondenten in Spanien, Großbritannien, Südafrika, Russland und den USA berichten, wie sie die Situation in ihren Einsatzgebieten erleben.

Sevilla ist verwaist

Scholz Jan Philipp Kommentarbild App

Jan-Philpp Scholz, Spanien

Langsam gewöhne ich mich an die neue Normalität im spanischen Ausnahmezustand: Neben der Arbeit nur noch für Lebensmitteleinkäufe die Wohnung verlassen, Menschen mindesten 1,5 Meter aus dem Weg gehen, sofort nach der Rückkehr nach Hause Schuhe ausziehen und lange Hände waschen.

Die Straßen in der historischen Altstadt von Sevilla sind völlig leer. Eigentlich wäre der gerade einsetzende Frühling der Beginn der Hochsaison in der andalusischen Hauptstadt und die Einwohner würden sich auf den Touristenansturm der Semana Santa, Sevillas weltberühmter Osterprozessionen, vorbereiten. Doch die bereits aufgebauten Besuchertribünen wirken gerade fast wie eine Erinnerung an andere, ferne Zeiten.

Spanien Sevilla | Coronavirus | Ausnahmezustand

Geschlossene Läden und Restaurants in Sevilla

Wer sich sicherlich nicht so einfach wie ich an die neue Normalität im Ausnahmezustand gewöhnen kann, sind die vielen Besitzer und Angestellten der Restaurants, Bars und familiengeführten Hotels in der Stadt. Für sie geht es inzwischen um existenzielle Fragen. Doch eine kleine Hoffnung gibt es auch: Spaniens Premierminister Pedro Sánchez hat das größte wirtschaftliche Rettungspaket in der Geschichte des Landes angekündigt: 200 Milliarden Euro sollen bereitgestellt werden, um Unternehmen zu retten und Hunderttausende Menschen vor dem sozialen Abstieg zu bewahren. (Jan-Philipp Scholz, DW-Sevilla)

London wird leiser 

Potts Charlotte Kommentarbild App

Charlotte Potts, Großbritannien

Wie fast alle in London lebe ich in einer Einflugschneise. Zum Großraum London gehören sechs Flughäfen. Dem Lärm der Triebwerke kann keiner in der Metropole so richtig entkommen. Normalerweise startet das um vier Uhr morgens und geht dann bis spät in die Nacht. In zwei bis drei Minuten Abständen. Damit ist es jetzt vorbei.

Seit einer Woche werden die Abstände zwischen den Fliegern immer länger. Es landen zwar noch Flugzeuge in Heathrow, aber viel weniger als vorher. Auch die anderen Flughäfen sind an vielen Stellen menschenleer. Wie überall sonst in Kontinentaleuropa kam die Erkenntnis, dass Corona wohl größere Auswirkungen haben würde, in Phasen. Die erste: Leugnen. Angesichts der Bilder, die aus den italienischen Krankenhäusern herüber schwappten. So etwas würde in Großbritannien nicht passieren, sagten mir Freunde.

Großbritannien London | Coronavirus | Boris Johnson, Premierminister

Boris Johnson beschert der Seifenindustrie mehr Umsätze

Zu der Zeit unternahm die britische Regierung nichts. Premier Boris Johnson riet seinen Landsleuten einzig dazu, sich gründlich die Hände zu waschen. 20 Sekunden, so lange wie es dauern würde zweimal „Happy Birthday“ zu singen. Ein Geschenk für die Seifenindustrie, wie mir ein Seifenverkäufer vorige Woche erzählte.

Nach der Phase des Leugnens setzte die Panik ein. Die britische Regierung hat ihr Vorgehen nun verschärft und alle Bürger dazu aufgerufen, soziale Kontakte zu vermeiden. Jetzt ist man auch in London bei der dritten Stufe angekommen: Akzeptanz, dass das Virus den Alltag in den nächsten Monaten einschränken wird. (Charlotte Potts, DW-London)

Kriesch Adrian Kommentarbild App

Adrian Kriesch, Südafrika

Immer mehr Hamsterkäufe in Südafrika 

Bis Sonntag beneideten mich Freunde in Deutschland darum, im vermeintlich sicheren Südafrika zu sein. Doch dann erklärte Südafrikas Präsident Ramaphosa den Corona-Ausbruch zu einer nationalen Katastrophe, denn die Infektionszahlen steigen langsam. Die Schulen sind seit Mittwoch geschlossen, etliche Landgrenzen zu, Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen verboten, Reisende aus Risikoländern wie Deutschland und den USA kommen nicht mehr ins Land. Wenn die Fälle tatsächlich weiter steigen, wird Südafrikas Gesundheitssystem schnell an seine Grenzen kommen. Die Supermarkt-Regale in wohlhabenden Vierteln haben erste Lücken, auch hier gibt es Hamsterkäufe.

Südafrika Hillcrest | Coronavirus | Kauf von Toilettenpapier

Hamsterkäufe im südafrikanischen Hillcrest

Doch was, wenn sich das Virus in den überfüllten urbanen Armenvierteln, den Townships, ausbreitet? Wie sollen sich die Bewohner selbst isolieren? Wer kann sich das überhaupt leisten? Mehr als jeder zweite junge Südafrikaner ist arbeitslos, die Wirtschaft steckt bereits in einer Rezession. Jetzt bleiben die Touristen weg, die lokale Währung ist auf Talfahrt. Die Krise droht, für Südafrika die größte Herausforderung seit dem Ende der Apartheid zu werden. (Adrian Kriesch, DW-Kapstadt)

Das Coronavirus ist "unrussisch"

Russland Coronavirus-Kontrolle am Flughafen Moskau

Die Pandemie sei im Griff, sagen russische Behörden

Man habe die Pandemie unter Kontrolle, heißt es aus russischen Regierung. Neben Maßnahmen wie Schulschließungen, dürfen seit dieser Woche nach Russland auch keine Ausländer mehr einreisen. Es wird oft der Eindruck vermittelt, das Virus sei etwas fremdes. Momentan gibt es in Russland offiziell rund 200 Infektionsfälle und Russlands stellvertretende Premierministerin merkte an, der Großteil davon sei "eingeführt" – "unrussisch" sozusagen.

Internationale Volontäre der Deutschen Welle Emily Sherwin

Emily Sherwin, Moskau

Eine Grenzschließung fühlt sich in einem post-sowjetischen Land wie Russland nicht ganz so unerwartet an, wie in der EU. Trotzdem haben in Russland die Hamsterkäufe begonnen. Ausverkauft ist in vielen Supermärkten vor allem Buchweizen. 

Doch die post-Sowjetische Mentalität hat auch Schattenseiten. Russlands Premierminister Michail Mischustin versprach diese Woche beim Krisenmanagement "absolut offen" zu sein. Denn die Sowjetregierung war dafür bekannt, Unfälle wie die Tschernobyl Reaktor-Katastrophe zu verschweigen. Auch jetzt glauben viele Russen, die Regierung verschweige die wirkliche Anzahl von COVID-19 Fällen. (Emily Sherwin, DW-Moskau)

Washington im Ausnahmezustand

Autorenbild l Kommentatorenbild DW Carla Bleiker PROVISORISCH

Carla Bleiker, Washington

Etwas konsterniert stehe ich vor dem komplett leer geräumten Brotregal im Supermarkt. Aber da, in der hinteren Ecke liegt doch noch… Hurra! Ein Viererpack glutenfreie Bagels! Diesen Goldschatz lasse ich, während ich auf der Suche nach anderen Lebensmitteln durch den Supermarkt streife, nicht mehr aus den Augen. Schließlich habe ich schon von Bekannten hier in DC gehört, dass ihnen Mehl und Eier aus dem Einkaufswagen stibitzt worden sind. 

Das Coronavirus führt auch in der US-Hauptstadt zu Ausnahmezuständen. Am Wochenende waren Restaurants und Cafés noch gut besucht, von "social distancing" keine Spur. Damit ist jetzt Schluss. Seit Montag, 22 Uhr mussten alle Bars, Restaurants und Kinos der Stadt schließen. Hoffentlich bleiben die Menschen nun endlich zuhause. (Carla Bleiker, DW-Washington) 

USA Coronavirus Hamsterkäufe im Supermarkt

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