Unsere ganz persönlichen Wissenschafts-Highlights | Wissen & Umwelt | DW | 28.12.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Unsere ganz persönlichen Wissenschafts-Highlights

2018 war ein spannendes Jahr für die Forschung. Es gab viele neue Entdeckungen und Ereignisse. Doch welche waren die Wichtigsten? Schwer zu sagen! Hier sind unsere ganz persönlichen Favoriten.

Es wurde viel geforscht und entwickelt im Jahre 2018. Da war es leicht, den Überblick zu verlieren. Deshalb haben wir Autorinnen und Autoren der DW-Wissenschafts-Redaktion einfach mal zusammengetragen, was unsere persönlichen Höhepunkte des vergangenen Jahres waren. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Freund Alexander Kommentarbild App

Alexander Freund

Alexander Freund: Wer suchet, der findet!

Mal war es Zufall, wenn etwa ein 13-Jähriger auf einem Acker auf Rügen den fast 1000 Jahre alten Silberschatz von König Blauzahn entdeckt, von jenem Reformer und Kommunikationsgenie, nach dem die "Bluetooth"-Technologie bekannt wurde.

Mal waren es äußere Umstände, wie die sommerliche Hitzewelle in Europa, die in abtauenden Gletschern, niedrigen Flüssen oder ausgetrockneten Landstrichen plötzlich Spektakuläres sichtbar machten.

Meist aber waren es professionelle Sucher und Archäologen, die in 2018 Faszinierendes wieder ans Licht brachten: Unbekannte Maya-Stätten in Guatemala, verschollene Zivilisationen aus der Jungsteinzeit in England, römische Gräberfelder am Niederrhein, ein Wikingerschiff aus der Eisenzeit in Südnorwegen, ein 2400 Jahre altes griechisches Handelsschiff im Schwarzen Meer, und natürlich zahlreiche spektakulären Funde im Ägypten: ein mehr als 4000 Jahre altes Priestergrab, prachtvolle Totenstädte, vergoldete Mumienmasken oder kostbare Inschriften in Kalksteinblöcken.

Nicht jede Entdeckung ist gleich ein "Sensationsfund", aber dank neuer Technologien und Erkenntnisse dürfen wir auch in 2019 auf einige spektakuläre Einblicke in die wechselvolle Geschichte der Menschheit hoffen. 

Deutsche Welle Anne Sacco Portrait (DW/B. Geilert)

Anna Sacco

Anna Sacco: Frauen in der Forschung immer sichtbarer

Eine tolle Meldung: Der Nobelpreis für Physik geht an eine PhysikerIN – das erste Mal in 55 Jahren. Doch Donna Stricklands bahnbrechende Arbeit trat schnell in den Hintergrund, genauso wie ihre beiden Mitgewinner Arthur Ashkin und Gérard Mourou. Die allesbeherrschende Schlagzeile lag nicht etwa auf den Fortschritten im Bereich der Laserphysik, an denen Strickland seit ihrer Promotion beteiligt war, sondern auf ihrem Geschlecht. Donna Strickland ist die dritte Frau überhaupt, die mit einem Physik-Nobelpreis geehrt wurde – und das in 2018! Über 100 Jahren nach der ersten Nobelpreisvergabe gehen noch immer nur etwa drei Prozent aller naturwissenschaftlichen Nobelpreise an Frauen. Ein Skandal? Oder eine Reflektion der noch immer bestehenden Machtverhältnisse im Wissenschaftsbetrieb? Die anhaltende Debatte um Geschlechtergerechtigkeit macht zumindest eines klar: Eine Revolution in Sachen Gleichheit und Diversität ist zwar so schnell nicht zu erwarten, doch es geht voran. 

Hannah Fuchs, DW-Autorin (Rainer Keuenhof)

Hannah Fuchs

Hannah Fuchs: Astroalex auf der Horizon-Mission

Mein Wissenschafts-Highlight des Jahres ist die Alexander Gerst-Performance. Die ist zwar nicht nur auf 2018 begrenzt, aber angesichts der Tatsache, dass Gerst den Großteil des Jahres im All verbracht hat (na gut, ein halbes Jahr) und davon drei Monate als erster Deutscher den Job des ISS-Kommandanten übernommen hat, ist dies definitiv ein Höhepunkt wert.

Dabei bewundere ich Alexander Gerst weniger für sein Astronauten-Dasein an sich – dafür haben alle Astronauten der Welt meinen Neid sicher – sondern viel mehr für seine Art, uns die Forschung nahe zu bringen.

Ums mit ein paar Schlagworten zu sagen: Sympathisch. Bodenständig. Charmant. Ansteckend. Er ist sich seinem Privileg, die Erde von oben sehen und (natürlich auch) untersuchen zu können, bewusst und versucht uns hier unten bestmöglich daran teilhaben zu lassen. Auf Englisch und Deutsch. Mit Text, Bild und Video.

Mal Lustig, mal kritisch, mal traurig und augenöffnend. Für jeden. Wirklich für jeden. Das ist mir übrigens so richtig an Weihnachten klar geworden, als mein fünfjähriger Neffe mir etwas von Astroalex erzählt hat. Good Job, Alexander, und bitte weiter so in 2019. 

Schmidt Fabian Kommentarbild App

Fabian Schmidt

Fabian Schmidt: Medikamentenentwicklung für die Menschheit

Mein wissenschaftlicher Höhepunkt des Jahres ist eigentlich nicht nur einer: Die Entwicklung neuartiger Medikamente, die uns helfen werden, gefährliche Krankheiten besser in den Griff zu bekommen, ging auch in diesem Jahr rasant weiter.

So hat etwa ein Mittel gegen Herpes-Viren 2018 den Deutschen Zukunftspreis gewonnen. Damit ist es möglich, Risiken für Organ-Empfänger bei Transplantationen zu minimieren. Bestimmte Herpes Viren werden nämlich für den Menschen erst dann richtig gefährlich, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Bei Transplantationen wird aber oft das Immunsystem gezielt heruntergefahren, um Abstoßungsreaktionen gegen fremde Organe auszuschließen. Das neue Medikament hilft, die Viren in dieser gefährlichen Phase in Schach zu halten.

Und weitgehend unbemerkt vollzieht sich in der Medikamentenforschung noch eine weitere sehr wichtige Innovation: Artilysine – das sind Designer-Proteine, die Bakterien gezielt abtöten sollen – könnten in einigen Jahren Antibiotika ablösen. Seit 90 Jahren sind diese unverzichtbar in der Medizin, leiden aber immer mehr unter einer Schwäche: Erreger bilden dagegen Resistenzen aus.

Die gemeinhin als "Blutvergiftung" bekannte Sepsis ist dabei eine der gefährlichsten Erkrankungen überhaupt – in Industrieländern sogar die häufigste vermeidbare Todesursache. An einer Sepsis – ausgelöst durch Bakterien – sterben hierzulande mehr Menschen als am Herzinfarkt, an Schlaganfall, Lungen-, Darm- oder Brustkrebs.

Die neuen Designer-Wirkstoffe könnten hier wirklich weiterhelfen. Zwar sind Artilysine noch nicht für Menschen auf dem Markt, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Und vielleicht gibt es ja schon bald erste Mittel für die Tiermedizin. 

Cosmin Cabulea: Blutmondfinsternis mit Mars

Die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts zählt 2018 zu den strahlenden Glanzpunkten des Jahres. Knapp zwei Stunden war das Naturschauspiel am Nachthimmel zu beobachten.

Video ansehen 01:32

Mondfinsternis XXL

Erst in 105 Jahren gibt es noch eine längere totale Finsternis. Nur ein heller Punkt am Firmament stahl dem Blutmond die Show – der Mars. Der Rote Planet passierte erstmals seit 15 Jahren die Erde so nah, dass man ihn mit bloßem Auge beobachten konnte. Kaum zu glauben, dass eines Tages Menschen dort hinfliegen werden – oder? 

Kommentarbild Samantha Baker (DW/Philipp Böll)

Sam Baker

Sam Baker: Leben in der Zukunft
Von selbstfahrenden Autos bis hin zu künstlicher Intelligenz - Manchmal fühlt es sich so an, als würden wir in einer von Science-Fiction-Autoren erfunden Realität leben.

Zwei große Geschichten haben meine Aufmerksamkeit in diesem Jahr auf sich gezogen: Elon Musk's Falcon Heavy Rakete, die einen kirschroten Tesla Roadster in eine Umlaufbahn um die Sonne geschossen hat (natürlich zu einem Soundtrack von David Bowie's Space Oddity) und der Plan einer chinesischen Firma, den Himmel mit einem falschen Mond zu erhellen.

Ich bin mir nicht sicher, was ich amüsanter fand: die Lächerlichkeit dieser Geschichten oder die Reaktionen darauf im Internet. Beide Geschichten scheinen nicht nur unsere Fähigkeit zu verkörpern, phantasievolle und ego-getriebene Ideen zu entwickeln, sondern auch unsere Neigung zur Selbstreflexion und unsere Fähigkeit als Spezies auch über uns selbst zu lachen. Letzteres gibt mir Hoffnung, solange wir das erstere weiterverfolgen.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema