Unbequemes zum Denkmaltag | Aktuell Deutschland | DW | 08.09.2013
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Deutschland

Unbequemes zum Denkmaltag

Zum "Tag des offenen Denkmals" öffnen an diesem Sonntag bundesweit rund 7500 Denkmale ihre Pforten. Dabei stehen in diesem Jahr eher unbequeme historische Bauten im Mittelpunkt.

"Jenseits von Gut und Böse: Unbequeme Denkmale", so lautet das Motto zum 20. Jubiläum des Denkmalstags in Deutschland. Der Deutschen Stiftung Denkmalschutz geht es dabei um Fragen wie: Welche Denkmale sind es wert, erhalten zu werden? Was macht ein Denkmal unbequem, wann und für wen?

Unbequeme Denkmale, darunter zählen heute vor allem Bauwerke aus der Zeit der Nazi-Diktatur oder der DDR-Zeit, aber auch viele Beispiel der Nachkriegsarchitektur, wie etwa Betonkirchen. So stehen am Denkmalstag denn auch die Nazi-Ordenburg Vogelsang (Artikelbild) in Nordrhein-Westfalen (NRW) oder das ehemalige Konzentrationslager Vaihingen in Baden-Württemberg den Besuchern offen.

Denk mal

Unbequem kann dabei aber auch ganz wörtlich genommen werden: Gebäude und Einrichtungen, die den wachsenden Ansprüchen der Menschen an das Wohnen und Arbeiten nicht mehr gerecht werden, deren architektonische Qualität unzureichend ist oder die vom Zerfall bedroht sind.

Blick auf die Wartburg bei Eisenach (foto: dpa)

Ein unumstrittenes Denkmal: Die Wartburg bei Eisenach

All dies soll die Besucher neugierig machen und sie dazu bringen, über das Unbequeme nachzudenken. Schließlich heiße es "Denk mal". So gibt es zwar Initiativen gegen den Abbruch von Bauwerken, man denke nur an den Protest der Stuttgarter Bürger gegen den Abriss ihres Hauptbahnhofs, oder den Protest der Bonner gegen den Abriss der Beethovenhalle; genauso gebe es aber auch Initiativen für den Abriss bestimmter Gebäude, so die Denkmalstiftung.

Einblick in die Arbeit der Denkmalschützer

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bietet seit 20 Jahren jeweils am zweiten Septembersonntag "Geschichte zum Anfassen". Am "Tag des offenen Denkmals" öffnen sich tausende historische Gebäude, Garten- und Parkanlagen für Besucher. Kirchen, Klöster, Burgen und Schlösser, öffentliche Gebäude und Privathäuser können genauso besichtigte werden, wie archäologische Ausgrabungen, alte Lokomotiven oder Schiffe.

Flüchtlingslager Sandbostel (Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz) 4. R. Rossner, Flüchtlingslager Sandbostel Aus den Presseinformationen: Hat Ihnen schon einmal jemand gezeigt, was das Cellarium eines Laienrefektoriums ist? Oder was man sich unter einem Laubenganghaus vorzustellen hat? Vielleicht würden Sie auch gerne auf einem Grabungsfeld miterleben, wie man an alten Mauerresten etwas über die Stadtentwicklung ablesen kann? Oder möchten Sie erfahren, was engagierte Bürger zur Rettung eines alten Wasserturms alles auf die Beine stellen? Auf Fragen wie diese hält der bundesweite Tag des offenen Denkmals vielfältige Antworten parat. Wenn jedes Jahr am zweiten Sonntag im September historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, ihre Türen öffnen, dann sind Millionen von Architektur- und Geschichtsliebhabern zu Streifzügen in die Vergangenheit eingeladen. Geschichte zum Anfassen, das bietet der Denkmaltag dem Besucher dabei in wohl einmaliger Weise.

Erhalten oder abreissen: Flüchtlingslager Sandbostel

Viele der Denkmale sind nur an diesem Tag zugänglich. Denkmalpfleger berichten bei Führungen über ihre Arbeit, Archäologen, Restauratoren und Handwerker lenken den Blick auf Details, die dem ungeschulten Auge meist entgehen.

Eine europäische Bewegung

Eröffnet wurde der Tag mit einem zentralen Festakt in Saarbrücken, bei dem auch die französische Kulturministerin Aurélie Filipetti anwesend war. Hintergrund ist der 50. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages sowie der 30. Jahrestag der "Journée portes ouvertes dans les monuments historiques" den der damalige französische Kulturminister Jack Lang 1984 einführte.

1991 griff der Europarat die Idee auf und rief offiziell die "European Heritage Days" aus. Deutschland beteiligt sich seit 1993 am Denkmaltag. Im vergangenen Jahr hatten rund 4,5 Millionen Menschen den Tag des offenen Denkmals zu einer Besichtigung genutzt. Nach Angaben der Denkmalschutzstiftung wird dieser Tag mittlerweile in allen europäischen Ländern gefeiert.

gmf/haz (dpa, epd, kna)