UN: Vergewaltigungen und Massenhinrichtungen in Burundi | Aktuell Afrika | DW | 15.01.2016
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Aktuell Afrika

UN: Vergewaltigungen und Massenhinrichtungen in Burundi

Der Konflikt zwischen Hutus und der Tutsi-Minderheit eskaliert. Laut den Vereinten Nationen wird gezielt gegen die Minderheit im Land vorgegangen. Die UN warnen vor dem völligen Zusammenbruch von Recht und Gesetz.

Soldaten einer Eliteeinheit in Burundi (Archivfoto: Getty)

Soldaten einer Eliteeinheit in Burundi (Archivbild)

Polizisten und andere Sicherheitskräfte in Burundi sind nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen (UN) für Vergewaltigungen, Folter und Hinrichtungen verantwortlich. Besonders alarmierend sei die Tatsache, dass die Täter anscheinend gezielt Angehörige der Tutsi-Minderheit ins Visier nähmen, erklärte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Ra'ad al-Hussein, in Genf. Mit Blick auf die Vorfälle insbesondere vom 11. und 12. Dezember in der Hauptstadt Bujumbura fordert er eine unabhängige Untersuchung.

Frauen vergewaltigt, Männer ermordet

Nach Angriffen auf Militärstützpunkte hatten Polizisten und Soldaten damals laut UN einen brutalen Rachfeldzug gestartet. In mindestens 13 Fällen hätten Polizisten Häuser in Vierteln der Hauptstadt Bujumbura, die der Opposition zugerechnet werden, gestürmt und die dort wohnenden Frauen verschleppt und vergewaltigt. Mehrmals habe es Massenvergewaltigungen gegeben, beklagte Al-Hussein.

Männer seien verschleppt, gefoltert oder ermordet worden, schilderte er weiter. Die UN wüssten von mindestens neun Massengräbern, in denen mehr als 100 Leichen lägen. In mehreren Fällen seien die Opfer gezwungen worden, selbst die Gräber zu schaufeln, in denen sie später verscharrt worden seien.

Bewohner berichteten, dass sowohl Sicherheitskräfte als auch Mitglieder der Imbonerakure genannten Miliz, die als besonders brutal gilt und direkt Präsident Pierre Nkurunziza unterstellt ist, an den Taten beteiligt waren. Diese hätten gezielt Angehörige der Tutsi-Minderheit als Opfer gewählt. Hutus seien verschont worden.

Eine Mutter betrauert den Tod ihres Sohnes nach den blutigen Überfällen im Dezember in Bujumbura (Foto: rtr)

Eine Mutter betrauert den Tod ihres Sohnes nach den blutigen Überfällen im Dezember in Bujumbura

Zusammenbruch von Recht und Gesetz

Der UN-Menschenrechtsbeauftragte warnte vor dem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch von Recht und Gesetz in dem ostafrikanischen Land. Trotz zahlreicher Beweise seien Sicherheitskräfte und regierungsnahe Milizen bislang straffrei ausgegangen. Bereits im Dezember hatte Al-Hussein deutlich gemacht, dass die Gewalt in Burundi zu einem Völkermord wie 1994 im Nachbarstaat Ruanda führen könnte. Seit Ausbruch der bürgerkriegsähnlichen Zustände im vergangenen April sind laut UN hunderte Menschen getötet worden.

Auslöser der Krise war das Bestreben von Staatschef Nkurunziza, sich ein drittes Mandat zu sichern, ungeachtet der gesetzlichen Begrenzung der Präsidentschaft auf zwei Amtszeiten. Im Juli wurde er wiedergewählt. Internationale Beobachter halten die Abstimmung für ungültig. Hunderttausende Burundier sind auf der Flucht.

se/kle (epd, afp, dpa, rtr)

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