UN verdoppeln Ernährungshilfen für Hungernde im Jemen | Aktuell Nahost | DW | 09.11.2018
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Arabische Halbinsel

UN verdoppeln Ernährungshilfen für Hungernde im Jemen

In dem armen Bürgerkriegsland wird der Hunger immer schlimmer. Daher sieht sich das Welternährungsprogramm gezwungen, die Hilfslieferungen enorm aufzustocken. Die Kämpfe um die Hafenstadt Hodeida werden noch blutiger.

Jemen | Lebensmittelausgabe (picture-alliance/dpa/AP/H. Issa)

Männer laden Lebensmittel des Welternährungsprogramms ab

Wegen der verheerenden Hungerkrise im Jemen will das Welternährungsprogramm (WFP) im Jemen künftig jeden Monat 14 Millionen Menschen mit Essensrationen versorgen. Das wäre die Hälfte der Bevölkerung in dem bitterarmen Land im Süden der arabischen Halbinsel, wie WFP-Sprecher Herve Verhoosel in Genf erklärte. Bisher hat die UN-Organisation in dem arabischen Land sieben bis acht Millionen Menschen versorgt.

Die Pläne bedeuteten eine gewaltige logistische Herausforderung, so der Sprecher weiter. Das WFP benötige zusätzliche Mitarbeiter, Transportmöglichkeiten, Sicherheitsvorkehrungen und Finanzmittel. Die UN forderten Zugang zum umkämpften und für Importe wichtigen Hafen Hodeida. Die Gewalt im Jemen müsse bald enden. "Wenn nicht, wird es ein Land lebender Gespenster, mit Menschen nur noch aus Haut und Knochen", sagte Verhoosel.

Jemen Hodeida Regierungstruppen rücken vor (Getty Images/AFP/K. Ziad)

Truppen der Regierung bewegen sich zur Hafenregion von Hodeida

Größter Hungersnot weltweit

Die Aufstockung der Hilfe soll nach Angaben des WFP ein Massensterben abwenden. Im Jemen droht die aktuell größte Hungersnot der Welt. Die Lage von Millionen Kindern, Frauen und Männern verschlimmere sich jeden Tag durch eine von Menschen gemachte Krise.

Als Hauptgrund für die Not im Jemen nennt das WFP den Krieg, den die Regierung und die von Saudi-Arabien geführte, sunnitische Militärkoalition seit 2014 gegen die schiitischen Huthi-Rebellen führen. Diese werden vom Iran unterstützt. Der Konflikt hat zum Kollaps der Wirtschaft geführt und macht die Lieferung von Hilfsgütern oft unmöglich. Das WFP prangerte auch die heftigen Kämpfe um die Hafenstadt Hodeidah an, über die normalerweise die meisten Einfuhren abgewickelt werden.

In dem Krieg wurden seit 2015 nach UN-Angaben mindestens 6.660 Zivilisten getötet und mehr als 10.000 verletzt. 22 Millionen Menschen, das sind 80 Prozent der Einwohner, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Bei einem Cholera-Ausbruch erkrankten mehr als eine Million Menschen.

Mehr als 130 Tote

Bei den erbitterten Kämpfen um die Hafenstadt Hodeida wurden binnen 24 Stunden nach Angaben von Ärzten mehr als 130 Kämpfer getötet, darunter 110 Huthi-Rebellen. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf beiden Seiten seit der Intensivierung der Kämpfe um Hodeida am 1. November auf mindestens 382.

In Hodeida beschrieb ein Vertreter der Hilfsorganisation Islamic Relief, Salem Dschaffer Baobaid, die "Erschöpfung und Angst" in den Gesichtern seiner Nachbarn, die wegen der nächtlichen Luftangriffe nicht mehr schliefen. "Die Menschen fragen nach mehr Lebensmitteln, aber was wir auch tun, die Hilfsorganisationen können nicht ein ganzes Land ernähren", sagte er laut der Nachrichtenagentur Irin.

Erbitterter Widerstand der Huthi

Am Donnerstag waren die von Luftangriffen einer arabischen Militärkoalition unterstützten Regierungstruppen erstmals ins Stadtgebiet von Hodeida vorgedrungen; sie bewegen sich nun in Richtung des Hafens. Die Rebellen leisten in der strategisch wichtigen Stadt am Roten Meer weiter erheblichen Widerstand gegen die Armee und geben an, sie hätten die Versorgungswege ihrer Gegner in vier Sektoren der Provinz Hodeida abgeschnitten.

Jemen Hodeida Regierungstruppen rücken vor (Getty Images/AFP)

Armee-Einheiten rücken auf die Hafenstadt Hodeida vor

Die Anführer der Militärkoalition wollen offenbar zunächst Hodeida zurückerobern, bevor sie Friedensgespräche mit den Huthi-Rebellen beginnen. Dies würde der Regierung eine bessere Verhandlungsposition geben. Im Hafen von Hodeida werden die meisten Importe und internationalen Hilfslieferungen für den Jemen umgeschlagen.

Am Samstag gab die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition im Jemen bekannt, sie wolle bei der Luftbetankung ihrer Kampfflugzeuge nicht länger die Unterstützung der USA in Anspruch nehmen. Wie die amtliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA meldet, forderte die Koalition die USA auf ihre Hilfe einstellen. Zur Begründung hieß es, die Koalition habe zuletzt ihre Fähigkeiten in diesem Bereich erweitert und sei nicht mehr auf die Unterstützung angewiesen. Die Entscheidung sei in Konsultationen mit den USA getroffen worden.

In Istanbul forderten am Freitag arabische und türkische Politiker bei einer Jemen-Konferenz die Einrichtung eines internationalen Sondertribunals, "um die Verbrechen zu ahnden, die von den lokalen und internationalen Konfliktparteien verübt worden sind". Die Konferenz wurde von der jemenitischen Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman organisiert. In dem Appell drängten die Teilnehmer zudem die internationale Gemeinschaft und die UN, "sich ernsthaft und verantwortungsvoll für ein Ende des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens" im Jemen einzusetzen.

kle/cw (epd, afp, dpa)

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