UN pochen bei Corona-App auf Privatsphäre | Welt | DW | 27.04.2020
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UN pochen bei Corona-App auf Privatsphäre

Ein Programm fürs Smartphone soll Kontaktpersonen von Infizierten erfassen. Die Vereinten Nationen wollen genau hinsehen, ob dadurch Grundrechte gefährdet werden. Die Bürger in Australien haben offenbar weniger Bedenken.

Australien | Coronavirus Tracing App (Getty Images/Q. Rooney)

Ein Nutzer sieht sich die australische Corona-Tracking-App auf seinem Smartphone an

Das UN-Menschenrechtsbüro pocht bei den geplanten Corona-Warn-Apps für Mobiltelefone auf den Schutz der Privatsphäre. Es müssten strikte Auflagen gelten, sagte UN-Expertin Peggy Hicks in Genf. So dürften die Apps nur zeitlich und im Umfang begrenzt eingesetzt werden, und es sei klar zu regeln, wie die gewonnenen Daten genutzt werden. Missbrauch müsse bestraft werden.

Corona-Apps sollen helfen, Kontaktpersonen von Infizierten rechtzeitig zu informieren. Via Bluetooth wird permament der Abstand zu anderen Smartphones gemessen; zugleich werden deren Besitzer identifiziert. Wird eine Person positiv getestet, können Menschen, die in ihrer Nähe waren und sich womöglich angesteckt haben, in Quarantäne geschickt werden.

Run in Australien

In Australien haben gleich am ersten Tag fast zwei Millionen Menschen eine solche Tracking-App auf ihr Mobiltelefon geladen. Gesundheitsminister Greg Hunt sagte, das Angebot werde "außergewöhnlich gut" angenommen. Die australische Gesundheitsbehörde hofft darauf, dass am Ende gut die Hälfte der 25 Millionen Einwohner die App nutzen werden.

Portugal | Web Summit 2018 | Peggy Hicks (Getty Images/Web Summit/E. Noonan)

"Strikte Auflagen einhalten": UN-Expertin Peggy Hicks (Archivbild)

Die Verwendung des Programms ist freiwillig. Alle Informationen sollen automatisch nach 21 Tagen gelöscht werden. Bis dahin hätten nur die Gesundheitsbehörden Zugriff darauf, "niemand sonst", versicherte Hunt. In Australien wurden bisher rund 6700 Corona-Infektionen registriert. Der Anstieg der Neufälle hat sich zuletzt stark verringert.

Ardern ist skeptisch

Im Nachbarland Neuseeland ist die Regierung hingegen skeptisch, was den Erfolg einer geplanten Tracking-App angeht. Dazu müssten sehr viele Einwohner das Programm nutzen, sagte Premierministerin Jacinda Ardern. Das sei aber keineswegs absehbar. So hätten etwa in Singapur weniger als 20 Prozent der Menschen die App aktiviert. In Neuseeland wurden bislang knapp 1500 Corona-Fälle erfasst. 19 Menschen starben an der Lungenkrankheit COVID-19.

Neuseeland | Coronavirus | Premierministerin Jacinda Ardern (Getty Images/AFP/M. Mitchell)

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern informiert die Medien über die COVID-19-Lage

Auch in Deutschland soll eine Tracking-App eingeführt werden, um Ansteckungsketten zu unterbrechen. Wann das Programm hier bereitsteht, ist noch unklar. Die Bundesregierung hatte am Wochenende einen Kurswechsel bei der geplanten Technik bestätigt: Die gewonnenen Daten sollen nun - anders als zunächst vorgesehen - dezentral gespeichert werden. Einen zentralen Abgleich habe man verworfen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

jj/uh (dpa, afp)

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