UN: Mehr zivile Opfer in Afghanistan durch internationale und regierungstreue Truppen | Aktuell Welt | DW | 24.04.2019
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Krieg in Afghanistan

UN: Mehr zivile Opfer in Afghanistan durch internationale und regierungstreue Truppen

Ein UN-Bericht zeigt, dass immer mehr Zivilisten bei militärischen Einsätzen der afghanischen Regierung und ihrer Verbündeten sterben. Das geschehe in einem rechtsfreien Raum, beklagt die UN-Mission in Afghanistan.

Luftangriff des afghanischen Militärs im August 2018 in Kabul

Luftangriff des afghanischen Militärs im August 2018 in Kabul

In den ersten drei Monaten 2019 sind mehr Zivilisten durch Regierungsverbände, als durch Angriffe der Taliban und anderer Rebellengruppen gestorben. Die afghanischen Sicherheitskräfte, ihre internationalen Unterstützer und regierungstreue Milizen seien für den Tot von 305 Zivilisten verantwortlich gewesen, erklärte die UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) in ihrem vierteljährlichen Bericht. Aufständische töteten demnach im selben Zeitraum 227 Menschen.

Die meisten Tötungen erfolgten laut UNAMA durch Luftangriffe oder Suchaktionen am Boden. Die von den USA unterstützten afghanischen Truppen scheinen dabei in einem rechtsfreien Raum zu agieren, konstatiert der Bericht. Besonders kritisch seien die Aktivitäten der "National Directorate of Security Special Forces", des afghanischen Inlandsgeheimdienstes, und der "Khost Protection Force", einer lokalen Miliz. Beide werden von internationalen Verbündeten unterstützt, die "Khost Protection Force" gehört aber nicht zu den offiziellen Regierungstruppen. UNAMA rief zu mehr Transparenz auf, was die Einsätze dieser beiden Organisationen anginge. Außerdem forderte die Mission in einem Tweet sofortige Maßnahmen, um das Leid der Zivilbevölkerung zu beenden.

Zahlen insgesamt rückläufig

Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt aber, dass es insgesamt weniger Gewaltopfer gibt. Demnach ist die Zahl der zivilen Opfer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt um 23 Prozent gesunken. Insgesamt starben damit dem Bericht zufolge von Januar bis Ende März 581 Zivilisten in dem Konflikt und 1192 wurden verletzt. Das sind die niedrigsten Zahlen in den ersten drei Monaten seit 2013.

Grund dafür ist laut UNAMA vor allem der Rückgang an Selbstmordanschlägen. Im ersten Quartal 2019 wurden vier Angriffe mit Selbstmordattentätern dokumentiert; ein Jahr zuvor waren es noch 19 gewesen. Ob dies am harten Winter liegt oder es sich um eine Strategie der Taliban während der laufenden Friedensgespräche handelt, ist unklar. Die Mission der Vereinten Nationen zeigte sich aber sehr besorgt über selbst gebaute Sprengsätze von Regierungsgegnern, denen viele Menschen zum Opfer fielen.

In Afghanistan kämpft die Regierung gegen die Taliban und andere Extremistengruppen. Ihr wichtigster Verbündeter sind die USA, die ihre Luftwaffe einsetzen. Seit US-Präsident Donald Trump im Jahr 2017 die Bombardierung von Stellungen der Taliban durch US-Kampfflugzeuge erleichterte, erhöhte das US-Militär den Einsatztakt. Auch die Bundeswehr ist in Afghanistan vertreten.

UNAMA erfasst seit 2009 Daten zu zivilen Opfern im Afghanistankrieg. Im vergangenen Jahr hatte die Zahl ziviler Opfer in dem asiatischen Land einen neuen Höchststand erreicht: Bei Anschlägen und Gefechten 3804 Zivilisten getötet und 7189 weitere verletzt. Das waren elf Prozent mehr als 2017.

lh/ww (dpa, afp, epd)

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