UN-Klimagipfel: Überraschungsgäste und harte Worte | Welt | DW | 24.09.2019
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Umweltschutz

UN-Klimagipfel: Überraschungsgäste und harte Worte

Beim UN-Klimagipfel erregt Greta Thunberg mit ihrer Wutrede mehr Aufsehen als Überraschungsgast Donald Trump. Kanzlerin Angela Merkel sagt, sie habe den Weckruf der Jugend gehört. Aus New York Carla Bleiker.

Zu Aufnahmen von Waldbränden, Wirbelstürmen und riesigen Müllbergen spricht eine ernsthaft klingende Frauenstimme über die Auswirkungen der Lebensweise der Menschheit auf den Planeten Erde. Es handelt sich dabei nicht um eine neue Naturdokumentation, sondern um das Eröffnungsvideo des UN-Klimagipfels, das auf die Wände des UN-Generalversammlungssaals projiziert wurde.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte rund 60 Staats- und Regierungschefs eingeladen, konkrete Maßnahmen und Verpflichtungen vorzulegen, um gegen die globale Erwärmung vorzugehen. Guterres versuchte bereits im Vorfeld, so viel Druck zu machen wie möglich und mahnte die Staaten, keine Gemeinplätze zu präsentieren, sondern ehrgeizige Aktionspläne, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Die Staats- und Regierungschefs sowie Wirtschaftsführer waren angehalten, detailliert aufzuzeigen, wie sie die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit beschränken wollen. Zusätzlich sollen Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. 

"Das ist kein Klima-Verhandlungsgipfel", betonte Guterres in seiner Eröffnungsrede. "Das ist ein Klima-Aktionsgipfel."

"Deutschland sieht seine Verantwortung"

Viele Staaten haben die Anweisungen Guterres' befolgt und Pläne ausgearbeitet, wie sie ihre Ozeane schützen, die Entwicklungsländer bei der Anpassung an die globale Erwärmung unterstützen oder die Emissionen senken wollen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht als eine der Ersten auf dem mehr als achtstündigen Gipfel. "Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört", eröffnet sie ihre fast fünf Minuten lange Rede, zu der überraschend auch US-Präsident Donald Trump als Zuhörer stößt.

New York Klimagipfel (Reuters/L. Jackson)

Die über 60 Staats- und Regierungschefs sollen detaillierte Pläne zur Bekämpfung des Klimawandels präsentieren

"Die Industriestaaten sind die Verursacher dieser Erderwärmung, wie wir sie heute sehen. Die Entwicklungsländer sind die Hauptleidtragenden." Deshalb hätten die Vertreter der Industrieländer die Pflicht, Innovation, Technologie und Geld einzusetzen, um den Weg dafür zu ebnen, die Erderwärmung zu stoppen.

"Deutschland sieht seine Verantwortung", betont Merkel. Deutschland will seine Mittel für den internationalen Kampf gegen den Klimawandel im Vergleich zu 2014 von zwei auf vier Milliarden Euro verdoppeln. Davon sollen 1,5 Milliarden Euro in den Green Climate Fund eingezahlt werden.

"Es gibt keinen Zweifel, dass der Klimawandel, die Erderwärmung im Wesentlichen vom Menschen gemacht ist", sagt Merkel - als habe sie den Blitzbesuch des US-Präsidenten und Klimawandel-Zweiflers geahnt. Es sei besonders wichtig, der Wissenschaft zuzuhören, führt sie weiter aus.

Stippvisite von Trump

Eigentlich sollte die Trump-Administration durch einen Regierungsbeamten auf dem Gipfel vertreten werden, stattdessen erscheint der US-Präsident höchstpersönlich. Er bleibt allerdings nicht lange. Nachdem er die Reden von Kanzlerin Merkel und Indiens Premierminister Narendra Modi gehört hat, verlässt er den Gipfel zugunsten seines eigenen Treffens zum Thema religiöse Freiheit.

Der frühere New Yorker Bürgermeister und jetzige UN-Sondergesandte für Klimapolitik Michael Bloomberg nutzt die Situation und verpasst Donald Trump in seiner Rede einen Seitenhieb. "Hoffentlich werden unsere Diskussionen hier hilfreich sein, wenn Sie Ihre Klimapolitik formulieren", sagt Bloomberg. Dafür erntet er Lacher und Applaus.

Auch Jaime Henn, Mitgründer und Kommunikationsdirektor der Nichtregierungs-Umweltorganisation 350.org betont im Interview mit der DW, dass der US-Präsident womöglich von seinem kurzen Besuch des Gipfels profitieren könnte. "Wer weiß, vielleicht hat Trump heute etwas gelernt", schmunzelt er. "Es war auf jeden Fall besser, als Fox-News zu schauen, das ist schon mal klar."

UN-Klimagipfel New York | Angela Merkel, Bundeskanzlerin (Reuters/L. Jackson)

Angela Merkel bekennt sich zur Verantwortung der Industriestaaten beim Klimawandel

Nächster Schritt: Pläne umsetzen

Es gibt auch emotionale Momente auf dem UN-Klimagipfel. Die junge Klima-Aktivistin Greta Thunberg klagt die Politiker und Wirtschaftsbosse an und fordert sie auf, endlich zu handeln.

"Das ist alles falsch. Ich sollte nicht hier sein. Ich sollte in der Schule sitzen, auf der anderen Seite des Ozeans", so die 16-Jährige. "Und doch wendet ihr euch an uns, um Hoffnung zu bekommen. Wie könnt ihr es wagen!" Ein Weiter-So werde nicht mehr geduldet.

"Ihr habt meine Träume und meine Kindheit gestohlen mit euren leeren Worten", erklärt sie mit Tränen in den Augen. "Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum."

"Wir werden euch nicht davonkommen lassen", sagt Thunberg. "Genau hier, genau jetzt ziehen wir die Linie. Die Welt wacht gerade auf. Und ein Wandel wird kommen, ob ihr wollt oder nicht."

Der Ausweg ist bekannt

Die Fridays-for-Future-Gründerin erhält tosenden Beifall. Doch jetzt liegt es an den jeweiligen Nationen, die vorgestellten Pläne auch umzusetzen. Dutzende Staaten hatten sich bereits vor dem Gipfel in New York zur Klimaneutralität bis 2050 bekannt. Laut UN bekunden 65 Staaten sowie die Europäische Union ihren Willen, dieses Ziel zu verfolgen. Darüber hinaus wollen zehn Regionen, 102 Städte, 93 Unternehmen und zwölf Investoren bis 2050 klimaneutral sein.

"Die Politiker versuchen gerade, Schritt zu halten mit der Jugend und stolpern immer wieder", sagt Henn von 350.org. "Hier wurden heute einige Versprechen gemacht, aber die Frage ist doch, ob sie auch eingehalten werden." Die Menschheit stecke zwar in einer schwierigen Lage, doch es gebe einen Ausweg - und dieser sei im Pariser Klimaabkommen festgehalten. Man nutze ihn nur noch nicht.

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