UN beklagen wachsende Brutalität der Kämpfe im Nordwesten Syriens | Aktuell Nahost | DW | 07.06.2019
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Provinz Idlib

UN beklagen wachsende Brutalität der Kämpfe im Nordwesten Syriens

Kaum noch beachtet von der Weltöffentlichkeit gehen die Kämpfe zwischen Militär und Rebellen im Nordwesten Syriens weiter. Am meisten leiden die Zivilisten unter der Gewalt. Die UN warnen vor einer Katastrophe.

Syrien Krieg - Kämpfe in Idlib (Reuters/White Helmets)

Schwere Gefechte bei Khan al Subul in der syrischen Provinz Idlib

Hunderttausende Menschen seien im Nordwesten des Landes vertrieben worden, sagte die UN-Nothilfekoordinatorin für Syrien, Najat Rochdi, in Genf. UN-Mitarbeiter hätten aus erster Hand aus der Region von der "erschreckenden Brutalität" auf allen Seiten berichtet. "Drei Millionen Menschen in Idlib brauchen Schutz", sagte sie. Wenn die Gewaltakte nicht beendet würden, drohe in der Provinz Idlib und den angrenzenden Gebieten in humanitärer Hinsicht eine Katastrophe. Auch der Kampf gegen den Terrorismus entbinde niemanden davon, das humanitäre Völkerrecht aufrechtzuerhalten und zivile Einrichtungen zu schonen. Angriffe auf Schulen, Kliniken, Märkte und Gotteshäuser könnten Kriegsverbrechen sein.

Rochdi appellierte zudem an die Staatengemeinschaft, eine dauerhafte Lösung für die Frauen und Kinder zu finden, die etwa im Lager Al-Hol in Nordostsyrien ausharren. Viele der Frauen seien mit Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" verheiratet gewesen. Mehr als 90 Prozent der 72.000 Insassen seien Frauen und Kinder, sagte Rochdi. "Die Kinder sind Opfer und müssen auch so behandelt werden", sagte sie. Auch im Lager Rukban an der Grenze zu Jordanien sei die Lage dramatisch. Die 29.000 Bewohner hätten nicht genug zu essen und zum Leben.

Syrien Krieg - Kämpfe in Idlib (Reuters/K. Ashawi)

Vom Krieg gezeichnet - ein schwer beschädigtes Gebäude in der Stadt Idlib

Das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) verurteilte die anhaltenden Angriffe auf Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen in dem Gebiet. Es handele sich größtenteils um Luftangriffe, betonte OCHA-Sprecher Jens Laerke.

UN bringen mehr Lebensmittel

Derweil weiten die Vereinten Nationen ihre Lebensmittelhilfe im umkämpften Nordwesten Syriens aus. Im Monat Juni sollen mehr als eine Million Menschen mit Essensrationen versorgt werden, teilte Herve Verhoosel, Sprecher des Welternährungsprogramms WFP, in Genf mit. Bislang habe das WFP pro Monat 700.000 Menschen in der Provinz Idlib und in angrenzenden Gebieten versorgt. Durch die anhaltende Gewalt seien große Anbauflächen für landwirtschaftliche Produkte zerstört worden, sagte Verhoosel. Die Kämpfe hinderten die Bauern daran, auf ihren Feldern zu arbeiten.

Video ansehen 00:38

Dujarric: Über 300 000 Menschen wurden vertrieben (04.06.2019)

Der Sprecher hielt fest, dass 300.000 Menschen vor den Gefechten geflohen sein. Seit Ende April attackieren die Luftstreitkräfte des Diktators Baschar al-Assad und Russlands Idlib und angrenzende Gebiete, wo sich Zehntausende Kämpfer islamistischer Terrorgruppen verschanzt haben. In den Gebieten harren drei Millionen Zivilisten aus. Der Raum Idlib ist eine der letzten großen Regionen, die noch nicht unter der Kontrolle des Assad-Regimes stehen.

Russland und der Iran sind die wichtigsten Verbündeten Assads. Zusammen konnten sie in den vergangenen Jahren große Teile Syriens von Rebellen und Terrormilizen zurückerobern. Der Syrien-Konflikt begann im März 2011 mit Protesten gegen das autokratische und korrupte Assad-Regime. Das Regime ließ die Demonstrationen blutig niederschlagen. Hunderttausende Menschen wurden seitdem getötet, Millionen flohen vor der Gewalt.

kle/jj (dpa, ape, epd)

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