UN beklagen Bildungsmisere bei Flüchtlingskindern | Politik | DW | 30.08.2019
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Migration

UN beklagen Bildungsmisere bei Flüchtlingskindern

Flucht und Vertreibung haben weltweit auch verheerende Folgen für die Schulbildung: Rund die Hälfte aller minderjährigen Flüchtlinge geht nicht zur Schule, wie das Hilfswerk UNHCR mitteilte.

Symbolbild Schule Geflüchtete Kinder (AFP/Getty Images/F. Senna)

Sudanesische Flüchtlingskinder beim Kunstunterricht in Libyens Hauptstadt Tripolis

Von den 7,1 Millionen Kindern, die ihre Heimat verlassen mussten, haben 3,7 Millionen keinen Zugang zu schulischen Einrichtungen. Das geht aus dem jährlichen Bildungsreport des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR hervor. "Wir versagen gegenüber den Flüchtlingen, wenn wir ihnen nicht die Möglichkeit geben, sich mit für ihre Zukunft wichtigem Wissen und Fähigkeiten auszustatten", sagte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. 

Das müsse sich ändern, auch im Eigeninteresse der neuen Heimatländer, so Grandi weiter. "Wir müssen in die Bildung von Flüchtlingen investieren oder wir zahlen den Preis: Eine Generation von Kindern, die dazu verdammt ist, in ihrem späteren Leben abhängig zu sein, keine Arbeit zu finden und ihre Gemeinschaft nicht bereichern zu können."

Nur knapp ein Viertel besucht weiterführende Schule

Weltweit gehen laut dem Bildungsreport "Stepping Up: Refugee Education in Crisis" 91 Prozent aller Kinder im Grundschulalter zur Schule, bei Flüchtlingen sind es nur 63 Prozent. Noch schlechter sei die Lage für Kinder, die eine weiterführende Schule besuchen wollten. Weltweit bekämen 84 Prozent aller Kinder eine solche Bildung - bei Flüchtlingen seien es nur 24 Prozent. Aussicht auf eine Hochschulbildung haben demnach sogar nur drei Prozent aller Flüchtlinge - im Vergleich zu 37 Prozent weltweit. Die meisten der betroffenen Kinder lebten in Uganda, Sudan, Türkei, Pakistan und Libanon, heißt es.

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Libanon: Armut zwingt syrische Flüchtlingskinder zur Arbeit

Der Bildungsreport weist jedoch auch auf Erfolge hin. Länder wie Kenia, Pakistan oder Mexiko unternähmen große Anstrengungen, die Flüchtlingskinder am Schulalltag teilhaben zu lassen. Die Türkei, Heimat von 3,7 Millionen Flüchtlingen mit einer Million Kindern im Schulalter, habe ein Türkisch-Sprachprogramm aufgelegt, neues Schulmaterial produziert und weitere Lehrer angestellt, um die Kinder in die reguläre Schule zu bringen.

Mehr finanzielle Mittel

Als Hauptgrund für die schlechte Bildung minderjähriger Flüchtlinge machte Hochkommissar Grandi fehlende finanzielle Mittel aus. Die Weltgemeinschaft müsse daher mehr in die Bildung der Mädchen und Jungen investieren. Flüchtlingskinder müssten besser in nationale Bildungssysteme integriert, die Anerkennung von Bildungsabschlüssen vereinfacht werden. 

Der UNHCR-Repräsentant in Deutschland, Dominik Bartsch, forderte "kreative Lösungen". Zwar sei die Situation in Deutschland bereits sehr gut. Es müsse jedoch mehr dafür getan werden, dass Flüchtlingskinder so schnell wie möglich "normal am Unterricht teilnehmen können". 

ie/fab (dpa,afp,rtr)

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