UN: Afghanische Luftwaffe tötet 30 Kinder | Aktuell Asien | DW | 07.05.2018
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Afghanistan

UN: Afghanische Luftwaffe tötet 30 Kinder

Der Angriff erfolgte mit Raketen und Maschinengewehren. Zu den Opfern gibt es widersprüchliche Angaben. Fest steht allerdings: Insgesamt wurden laut UN 36 Menschen getötet. 71 wurden verletzt, darunter 51 Jungen.

Afghanistan UN-Bericht 30 Kinder nach Luftschlag getötet (picture-alliance/Xinhua News Agency/A. Kakar)

Ein Vater mit seinem bei dem Angriff verletzten Kind

Die afghanische Armee hat nach Angaben der Vereinten Nationen bei einem Luftangriff auf eine religiöse Feier in der Provinz Kundus 30 Kinder getötet. Der Angriff aus Hubschraubern im Bezirk Dascht-e-Artschi - eine Hochburg der Taliban - habe bereits am 2. April stattgefunden, heißt es in einem Untersuchungsbericht der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA). Die UN beziehen sich in ihrem Report auf Augenzeugen, behandelnde Mediziner, Vertreter der Regierung und Sicherheitskräfte.

Afghanistan UN-Bericht 30 Kinder nach Luftschlag getötet (picture-alliance/Xinhua News Agency/A. Kakar)

Ärzte und Sanitäter haben viel zu tun: Insgesamt wurden bei dem Angriff 36 Menschen getötet und 71 verletzt

Regierung: Taliban-Kämpfer waren das Ziel

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul, Mohammad Radmanisch, hatte an besagtem Tag erklärt, bei dem Luftschlag seien mehr als 30 Taliban-Aktivisten getötet worden, die an einer Parade teilgenommen hätten. Zivilisten seien nicht dabei gewesen. Einen Tag später war von Nematullah Temori, Sprecher des Provinzgouverneurs in Kundus, zu hören, bei dem Angriff seien fünf Zivilisten und 35 Aufständische getötet worden. Unter den Toten ist laut afghanischer Regierung auch Maulawi Berian, ein hoher Taliban-Beamter aus der sogenannten Quetta-Schura, einem Leitungsgremium der Islamisten in Pakistan.

Vertreter der Sicherheitsbehörden und Zeugen gaben hingegen an, der Angriff sei erfolgt, als neben einer Koranschule eine Abschlussfeier stattgefunden habe.

Afghanistan Luftwaffe (picture-alliance/dpa/C.-F. Röhrs)

Die UN zweifeln daran, dass sich die afghanischen Streitkräfte stets an den Kodex der Kriegsführung halten

Die Ermittler der UN wollten sich nicht darauf festlegen, ob alle Opfer Zivilisten waren oder auch Taliban-Kämpfer bei dem Einsatz getötet wurden. Die hohe Zahl der getöteten und verletzten Kinder stellt laut UN allerdings den Respekt der afghanischen Regierung vor dem Kodex der Kriegsführung infrage. Selbst wenn die Armee ein legitimes militärisches Ziel ausgemacht habe, sei es fraglich, ob dabei "konkrete Schritte unternommen wurden, um zivile Opfer zu vermeiden", heißt es in dem Report.

se/ww (ap, rtr, dpa, afp)