Umstrittenes Spionage-Urteil in Kambodscha | Aktuell Asien | DW | 31.08.2018
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Justiz

Umstrittenes Spionage-Urteil in Kambodscha

Ein Journalist sammelt Informationen - und landet dafür vor Gericht. In Kambodscha passiert etwas, das anderswo nicht denkbar wäre. Nun wurde der Filmemacher aus Australien tatsächlich verurteilt.

Kambodscha James Ricketson verlässt das Gericht in Phnom Penh (Reuters/S. Pring)

Prangert ungerechte Behandlung an: James Ricketson nach Verlassen des Gerichtsgebäudes in Phnom Penh

Wegen angeblicher Spionage ist ein australischer Dokumentarfilmer in Kambodscha zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Gericht in der Hauptstadt Phnom Penh befand den Journalisten James Ricketson für schuldig, Informationen gesammelt zu haben, die die nationale Sicherheit des südostasiatischen Landes gefährdeten. International gab es an dem Spionageprozess viel Kritik.

In Kambodscha geht Ministerpräsident Hun Sen, der seit mehr als drei Jahrzehnten amtiert, seit einiger Zeit hart gegen Opposition und Presse vor. Die wichtigste Oppositionspartei CNRP wurde vergangenes Jahr verboten, so dass Hun Sen bei der Parlamentswahl im Sommer keinerlei ernste Konkurrenz hatte. Seine Partei holte schließlich alle Mandate, so dass Hun Sen praktisch ohne demokratische Kontrolle weiter regieren kann.

"Wir sind am Boden zerstört"

Ricketson hatte im Juni vergangenen Jahres - als die CNRP noch nicht illegal war - über eine Versammlung der Opposition berichtet. Dabei filmte der heute 69-Jährige auch mit einer Kamera-Drohne aus der Luft. Dies nahm die Polizei zum Anlass, ihn festzunehmen. Alle Aufforderungen, den Dokumentarfilmer freizulassen, blieben ohne Erfolg. Sein Sohn Jesse Ricketson sagte der Deutschen Presse-Agentur nach dem Urteil: "Wir sind am Boden zerstört."

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warf Kambodscha vor, Ricketson ohne jede Schuld zu einem "Sündenbock" zu machen. "Dieser Prozess zeigt alles, was in der kambodschanischen Justiz schiefläuft: lächerliche Vorwürfe, Staatsanwälte mit kaum oder überhaupt keinen Beweisen sowie Richter, die politische Befehle der Regierung ausführen", sagte der HRW-Asienexperte Phil Robertson.

ml/jj (dpa)

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