Umstrittene indische Bank für Frauen | Asien | DW | 30.09.2013
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Asien

Umstrittene indische Bank für Frauen

Ein Großteil der Frauen in Indien ist vom Bankenwesen des Landes praktisch ausgeschlossen. Eine spezielle Bank für Frauen soll das ändern. Kritiker halten das Projekt jedoch für verfehlt.

“Bharatiya Mahila Bank” ist Hindi für “Bank der Indischen Frauen“. Eine Bank nur für Frauen mit ausschließlich weiblichen Angestellten. Die Dienstleistungen umfassen Kontoführung, Darlehen und Vorsorgeprodukte. Geplant ist, dass die ersten sechs Filialen im Oktober dieses Jahres in verschiedenen Städten des Landes, darunter Neu Delhi, eröffnet werden. In einer ersten Phase sollen insgesamt 25 Filialen eröffnet werden.

"Eine sehr gute Idee", findet Pam Rajput, Vizedirektorin der "National Alliance of Women“, einer Dachorganisation der indischen Frauenbewegung. Denn in den meisten indischen Familien blieben Frauen bei der Planung des Familienbudgets außen vor. "Die Männer betrachten sich als zuständig für die Finanzplanung. Und Frauen aus einer sehr konservativen Umgebung scheuen davor zurück, mit fremden Männern in anonymen Banken zu verhandeln."

Ohne komplizierte Formulare

Bankenstreik in Mumbai (Foto: dapd)

Banken sind für viele Inderinnen eine versperrte Welt

Laut einem Weltbankbericht von 2012 haben bislang 26 Prozent der indischen Frauen ein eigenes Bankkonto. Auf dem Land dürfte dieser Anteil erheblich geringer sein. Gut ein Drittel der indischen Frauen können weder lesen noch schreiben, was ebenfalls eine Hürde für Eigenständigkeit in finanziellen Angelegenheiten darstellt. "Diese Frauen können keine komplizierten Formulare ausfüllen", betont Pam Rajput. "Die Banken müssen auf die Bedürfnisse dieser Kundinnen zugeschnitten sein."

Mehr Eigenverantwortung und Kompetenz für Frauen in finanziellen Angelegenheiten hat laut Weltbankstudien mehrere positive Auswirkungen: Der Status der Frauen innerhalb der Familie erhöht sich, und die Frauen können sich besser um ihre Angehörigen kümmern. Auch die gesamte Volkswirtschaft profitiert letzten Endes von diesem "empowerment" der Frauen.

Denn während Männer bisweilen ihr Einkommen für Alkohol und andere Drogen ausgeben, sei das bei Frauen nicht zu beobachten, sagt Pam Rajput: "Eine Frau setzt das Geld für die Familie ein, für ihre Kinder und letzten Endes für das Land. Frauen sind die besseren Finanzmanager."

"Wahlkampfmanöver"

Jayati Ghosh, Ökonomieprofessorin an der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu Delhi (Foto: DW)

Wirtschaftsexpertin Jayathi Ghosh sieht das Frauenbank-Projekt skeptisch

Es gibt auch Kritiker des Projekts einer Bank nur für Frauen. Die dafür vorgesehenen umgerechnet 110 Millionen Euro sind nach Ansicht von Jayati Ghosh, Ökonomieprofessorin an der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu Delhi, ein "sehr geringer Betrag". Die Regierung wolle vor allem eins: "Auf ein Gebäude zeigen können und sagen: Hier habt ihr eure eigene Bank." Ghosh hält das Ganze für ein Wahlkampfmanöver, mit dem die Regierung – auch vor dem Hintergrund der jüngsten Vergewaltigungsfälle – sich als Anwalt der Rechte der Frauen profilieren wolle.

Jayati Ghosh hält das Projekt für kontraproduktiv. Denn eine Bank nur für Frauen würde letztere sogar noch stärker als bisher von gesellschaftlicher Teilhabe ausschließen. "Das heißt doch eigentlich nichts anderes, als dass die Beteiligung von Frauen am öffentlichen Leben irgendwie getrennt abläuft und dass sie etwas Eigenes haben sollten, anstatt gleichen Zugang zu Dienstleistungen für alle Bürger", so das negative Urteil der Wirtschaftsexpertin.

Pam Rajput von der Nationalen Frauen-Allianz stimmt der akademischen Kritikerin ein Stück weit zu: "Die Frauenbank wird nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn sie es schafft, sich in die existierenden Finanznetzwerke einzuklinken." Jayati Ghosh würde anstatt einer separaten Bank spezielle Dienstleistzungen für Frauen im bestehenden Bankensystem bevorzugen. Eine Bank extra für Frauen sei dagegen eine schlechte Idee: "Damit wird der Kreditmarkt für Frauen zu einer Art Ghetto."

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