Ukrainischer Deutschlehrer- und Germanistenverband (UDGV) | Porträts der IDV-Lehrerverbände | DW | 16.07.2019
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Porträts Lehrerverbände

Ukrainischer Deutschlehrer- und Germanistenverband (UDGV)

Deutschlehrer und Germanisten zu unterstützen – darin sieht der ukrainische Verband UDGV seine Hauptaufgabe. Um seine Mitglieder glücklich zu machen, denkt sich der Verband immer wieder Neues aus.

Alla Paslawska befindet sich gerade mitten in den Abschlussprüfungen, die sie verantwortet. Sie leitet den Lehrstuhl für interkulturelle Kommunikation und Translationswissenschaft an der Nationalen Ivan-Franko-Universität in Lwiw/Lemberg. Hier hat sie auch Germanistik studiert und habilitiert. Seit 2005 ist Alla Paslawska die Präsidentin des UDGV.

Deutsche Welle: Frau Paslawska, Sie sagen, Sie fühlten sich schon als Kind als Lehrerin und lieben es, andere Leuten etwas beizubringen. Hatten Sie Vorbilder in der Familie?

Alla Paslawska: Nein, überhaupt nicht, ich mag es irgendwie, anderen Leuten etwas zu erklären, etwas beizubringen, egal auf welchem Niveau. Es macht mir unendlich Spaß. 

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Hören Sie rein: Alla Paslawska erzählt, warum sie so gerne unterrichtet

Bis vor Kurzem haben wir verlangt, dass in Fortbildungen nur Leute sitzen, die mindestens B1-Niveau haben, aber dann habe ich gedacht: Auch die Menschen, die auf dem Land unterrichten, wo es weniger Möglichkeiten gibt, die sollen die Chance haben, etwas bei uns zu lernen, und es macht mir Spaß, wenn man dann den Fortschritt sieht.

Sie unterscheiden sich als Verband ja ein bisschen von den meisten Deutschlehrerverbänden, da sie sowohl Germanisten als Deutschlehrer vertreten. Wieso die Entscheidung für beide Gruppen?

Das war die Idee von Anfang an, dass wir beide Gruppen vertreten und im Verband repräsentieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass das mehr Vorteile als Nachteile hat.

Welche Vorteile sind das?

Am Anfang war es noch schwierig. Da meinten viele Deutschlehrer, die Germanisten sind hochnäsig, die haben keine Ahnung von der Praxis in der Schule. Und die Germanisten meinten, die Deutschlehrer haben keine Ahnung von der Theorie. Aber dann sind wir beide – die meisten zumindest – zu dem Schluss gekommen: Wir können sehr viel von den Deutschlehrern lernen. Welche Probleme haben sie in der Schule? Wofür setzen wir uns ein in der Hochschulausbildung, zum Beispiel bei Studierenden in der Didaktik und Methodik des DaF-Unterrichts? Wichtige Themen, die dann gerade in der Schule eine große Rolle spielen.

Ukraine Deutschlehrer- und Germanistenverband Vorstand (UDGV)

Der Vorstand des UDGV vergibt Urkunden an ausgezeichnete Schülerinnen

Und wir schicken unsere Studierenden in die Schulen zum Schulpraktikum. Sie machen dann Werbung in der Schule für Germanistik. Dann kommen die ehemaligen Schüler zu uns an die Uni, und so entwickelt sich eine Art Kreislauf, eine Art Tradition. Wir lernen und profitieren voneinander.

Und der wichtigste Punkt ist, dass wir unsere gemeinsamen Probleme beim Bildungsministerium durchsetzen können.

Das klingt nach einem tollen Konzept. Aber birgt das auch Probleme? Andere Verbände berichten schon manchmal von Schwierigkeiten, wenn Germanisten und Deutschlehrer unter einem Dach vereint sind.

Manchmal hat es auch Nachteile. Zum Beispiel bei der Planung von Verbandstagungen. Wir machen jährlich eine Tagung und wir geben uns Mühe, jedes Mal an einem anderen Ort und einer anderen Universität eine Tagung zu machen. Denn wenn wir in eine Stadt kommen, machen wir richtig Werbung für Deutsch. Wir sind sehr laut, wir laden bekannte Leute ein, Germanisten, Schriftsteller und Dolmetscher. Und dann müssen wir unsere Tagungen so konzipieren, dass wir ein Plenum haben, das für alle interessant ist: für Germanisten und Germanistinnen, für Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen.

Wie lösen Sie das, dass am Ende alle zufrieden sind?

Im Anschluss an das Plenum bieten wir getrennte theoretische Seminare und Workshops an. Auch laden wir im Laufe der zwei Tage zu den gemeinsamen Veranstaltungen Gäste ein, die für beide interessant sind.

Das letzte Mal haben wir 2018 unser 25-jähriges Jubiläum gefeiert, und das war eine sehr, sehr schöne Tagung in Lemberg. Wir haben dazu einen der bekanntesten ukrainischen Schriftsteller, Jurij Andruchowytsch, eingeladen. Er spricht hervorragend Deutsch und hat für uns extra eine Lesung gehalten über die deutsche Sprache und die Deutschlehrer, wie er in der Schule Deutsch gelernt hat, und das war so witzig und in einem so guten Deutsch verpackt. Wir haben alle gelacht, es war wirklich ein Stück Geschichte der deutschen Sprache und des Deutschunterrichts aus den 80er-Jahren.

Das klingt nach einer ganz besonderen und emotionalen Veranstaltung.

 Ukraine Deutschlehrerverband Tagung (UDGV)

Die Fachtagung anlässlich des 25. Jubiläums des UDGV

Unsere Deutschlehrertagungen sind immer emotional und aufregend. Die Tagung zum 25-jährigen Jubiläum war wirklich sehr spannend, denn eine der Veranstaltungen war auch eine Podiumsdiskussion der Übersetzer aus dem Deutschen ins Ukrainische und umgekehrt und wir haben einige berühmte Übersetzer eingeladen. Und das Wichtigste dabei war, dass die Vortragenden ganz wunderbar auf Deutsch diskutiert haben. Es ist schön für die Teilnehmer zu sehen, wie man die deutsche Sprache perfektionieren kann.

Sie übernehmen als Verband stets die kompletten Kosten für die Deutschlehrertagungen. Warum machen Sie das und wie funktioniert das?

Wir haben tolle Partner. Die wichtigsten sind der DAAD und die Österreichische Austauschdienst-Gesellschaft und das Goethe-Institut natürlich. Aber auch die Hans-Seidel-Stiftung ist seit zehn Jahren dabei sowie die Verlage Hueber, Cornelsen und Klett.

Die Gehälter der Deutschlehrer und Germanisten in der Ukraine sind sehr niedrig, unverschämt niedrig, und da freuen wir uns, dass wir es uns leisten können, die Deutschlehrer so einzuladen, dass wir die Reise- und Hotelkosten übernehmen. Auch dass sie winzige Mitgliedsbeiträge zahlen müssen, bei uns sind es 103 Euro pro Jahr. Das kann sich jeder leisten.

Die Idee ist, dass sie jedes Mal etwas von uns geschenkt bekommen, wenn sie uns verlassen. Wir machen jedes Jahr ein Projekt: zum Beispiel einen Wandkalender, einen Terminkalender oder eine Landkarte. Das heißt, für sein Geld bekommt man mehr, als man zahlt, und das finde ich auch gerecht, denn der Beruf ist schwierig genug, und dass der unterbezahlt ist, finde ich ungerecht.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Der Ukrainische Deutschlehrer- und Germanistenverband (UDGV) wurde im Jahr 1993 gegründet und hat 500 Mitglieder.

Vorstandsgremium:
• Prof. Dr. Alla Paslawaska (Präsidentin)
• Prof. Dr. Oleksandr Bilous (Vizepräsident)
• Prof. Dr. Olena Materynska (Vizepräsidentin)
• Iwan Losenko (Vizepräsident)
• Dr. Chrystyna Dyakiv (Sekretärin, Schatzmeisterin)
• Olena Pylypchuk (Schriftleiterin)

IDV-Kontaktperson: Alla Paslawska, alla [at] mail.lviv.ua

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