Ukraine aktuell: Schweden sieht Sabotage-Verdacht bei Gas-Lecks erhärtet | Aktuell Europa | DW | 06.10.2022
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Russlands Krieg gegen die Ukraine

Ukraine aktuell: Schweden sieht Sabotage-Verdacht bei Gas-Lecks erhärtet

Am Tatort wurden Teile beschlagnahmt, die nun genau untersucht werden. Der Chef der Atomenergiebehörde ringt um eine Sicherheitszone um das AKW Saporischschja. Ein Überblick.

Aufsteigendes Gas an der Wasseroberfläche über einem Nord-Stream-Leck

Aufsteigendes Gas über einem Nord-Stream-Leck auf einem Bild der schwedischen Küstenwache vom vergangenen Freitag

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Schweden: Sabotage-Verdacht bei Gas-Lecks erhärtet
  • IAEA-Chef Rafael Grossi in Kiew
  • Achtes EU-Sanktionspaket gegen Russland beschlossen 
  • Ukrainische Armee rückt offenbar weiter vor
  • Ukraine möchte Fußball-WM 2030 mit ausrichten

 

Der Verdacht auf schwere Sabotage an den Nord-Stream-Pipelines 1 und 2 hat sich nach Angaben der schwedischen Staatsanwaltschaft erhärtet. Man könne nun bestätigen, dass es in schwedischen Gewässern Detonationen gegeben habe, die zu erheblichen Schäden an den Pipelines geführt hätten, teilten die Strafverfolgungsbehörde und der schwedische Sicherheitsdienst in Stockholm mit. 

Bereits zuvor waren etliche Staaten von Sabotage an den Pipelines ausgegangen. Seismologische Institute in Skandinavien hatten eine Detonationsstärke gemessen, die "vermutlich einer Sprengladung von mehreren Hundert Kilogramm" entsprach. Bei den Ermittlungen am Tatort seien Teile beschlagnahmt worden, die nun weiter untersucht würden, kündigte die Staatsanwaltschaft an. Eine von der Polizei geführte Taskforce mit Mitgliedern aus Dänemark, Schweden und Deutschland leite die Ermittlungen, sagte der dänische Außenminister Jeppe Kofod der Nachrichtenagentur Reuters. 

IAEA will AKW-Gefahren minimieren

Das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja gehört nach Darstellung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) weiter zur Ukraine. Dies sei "offensichtlich", sagte IAEA-Chef Rafael Grossi bei einem Besuch in Kiew. Vor seiner Anreise hatte er sich erneut für eine Sicherheitszone um das AKW stark gemacht. Im Anschluss an die Gespräche in der Ukraine wird der Argentinier in Moskau erwartet.

Ukraine Kiew | Rafael Grossi, IAEA

"Das AKW Saporischschja gehört weiter der Ukraine": IAEA-Chef Rafael Grossi in Kiew

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Mittwoch angeordnet, das AKW als Eigentum der Russischen Förderation einzustufen. Im größten Kernkraftwerk Europas arbeiten ukrainische Techniker unter russischer Aufsicht. Die Atomanlage geriet in den vergangenen Monaten immer wieder unter Beschuss, für den sich Moskau und Kiew gegenseitig verantwortlich machten. Dies schürte die Angst vor einer Atomkatastrophe.

Ukraine meldet Beschuss in Saporischschja

Die ukrainische Seite meldet derweil weitere russische Angriffe auf die nahegelegene Stadt Saporischschja. Russische Truppen hätten mehrere Hochhäuser beschossen, erklärte der von den ukrainischen Behörden ernannte Regionalgouverneur Oleksandr Staruch. Dabei seien mindestens zwei Menschen getötet und fünf weitere verschüttet worden.

Saporischschja liegt in der gleichnamigen Region im Südosten nahe dem AKW. Moskau hatte diese und weitere Regionen annektiert, wobei auch der Kreml eingesteht, dass sie nicht vollständig unter Kontrolle der russischen Truppen stehen. Der Westen betrachtet die Verwaltungsakte als unrechtmäßig und daher nichtig.

EU bringt achtes Sanktionspaket auf den Weg

Das neue Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland ist beschlossen. "Wir setzen Russlands Kriegswirtschaft weiter zu, begrenzen Russlands Import-/Exportkapazitäten und sind auf dem besten Weg, uns aus der russischen Energieabhängigkeit zu befreien", sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Teil des Pakets ist unter anderem die rechtliche Grundlage für einen von den G7-Staaten unterstützten Preisdeckel auf Ölimporte aus Russland. Dieser soll die Einnahmen Moskaus deutlich reduzieren. So soll der Seetransport von Erdölprodukten und Rohöl aus Russland weltweit nur noch möglich sein, wenn das Öl unter einem bestimmten Preis gekauft wurde.

Ukraine Armee rückt weiter vor

Ukrainische Soldaten am Dienstag, erfolgreich auf dem Vormarsch in der Region Donezk

Ukrainische Armee rückt offenbar weiter vor

Die Ukraine hat nach Darstellung von Präsident Wolodymyr Selenskyj drei weitere Siedlungen in der südlichen Region Cherson zurückerobert. Nowowoskresenske, Nowogrygoriwka und Petropawliwka seien "in den vergangenen 24 Stunden befreit worden". Die von Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache genannten Orte liegen alle nordöstlich der Stadt Cherson. Die jüngsten russischen Angriffe mit iranischen Kampfdrohnen auf ukrainische Städte nannte Selenskyi zwecklos. "Das hilft Euch schon nicht mehr. Ihr habt schon verloren", wandte er sich an die russische Führung. Diese könne ihre eigenen Soldaten nicht mehr motivieren.

Ukraine-Krieg - Wolodymyr Selenskyj

Wolodymyr Selenskyi: "Die Ukrainer wissen, wofür sie kämpfen, anders als die russische Armee" (Archivbild)

Die Ukraine meldet seit Tagen Geländegewinne in den von Russland beanspruchten Gebieten im Osten und Süden des Landes. Die Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich unabhängig kaum überprüfen.

Putin spricht von bevorstehender "Stabilisierung" der Lage

Der russische Präsident zeigt sich trotz militärischer Rückschläge in den vier von Russland völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Regionen zuversichtlich. Man erwarte, dass die Lage sich bald stabilisieren werde, sagte er im russischen Fernsehen. Kremlsprecher Dmitri Peskow äußerte sich noch direkter: Die Gebiete würden "für immer" russisch sein und "nicht zurückgegeben".

Russland | Videokonferenz Wettbewerb Lehrer des Jahres | Putin

Wladimir Putin äußert sich weiter siegesgewiss

Kadyrow versichert Putin seine Solidarität

Nach seiner Beförderung zum Generaloberst hat der berüchtigte Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, dem russischen Staatschef Wladimir Putin seine Solidarität  versichert. Das tschetschenische Volk werde die Politik des Staatsoberhauptes "überall auf der Welt" voll und ganz unterstützen, schrieb er im Online-Dienst Telegram. Zuvor hatte er sich schon für den dritthöchsten militärischen Rang bedankt.

Kadyrow, der für seinen brutalen Führungsstil im muslimisch geprägten Tschetschenien im Nordkaukasus bekannt ist, tat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine als einer der glühendsten  Kriegsbefürworter hervor. In der Nacht zum Donnerstag kündigte er die Entsendung weiterer seiner "Spezialeinheiten" für den Kampf in der Ukraine an: "Wir haben gute Jungs (...). Wir schicken jeden Tag unsere Freiwilligen."

Ukraine möchte Fußball-WM 2030 mit ausrichten

Spanien und Portugal bewerben sich gemeinsam mit der Ukraine für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030. Das gaben die drei beteiligten Verbände nach einem Briefing beim Europäischen Fußball-Verband UEFA in Nyon bekannt. "Es wurde offiziell bekannt gegeben, dass Portugal, Spanien und die Ukraine eine gemeinsame Bewerbung für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2030 einreichen", teilte der ukrainische Verband mit.

Präsident Wolodymyr Selenskyj gab sich in seiner Videoansprache optimistisch bezüglich der Erfolgschancen. Es werde "sehr symbolisch sein, wenn drei Länder der Europäischen Union - Spanien, Portugal und die Ukraine - gemeinsam die Weltmeisterschaft ausrichten können", sagte er. Allerdings ist der Weg der Ukraine in die EU noch lang. Sie hat erst vor wenigen Monaten den Status eines EU-Beitrittskandidaten erhalten.

Neben Spanien, Portugal und der Ukraine gibt es weitere Anwärter auf die Ausrichtung der WM in acht Jahren. Saudi-Arabien, Ägypten und Griechenland wollen sich gemeinsam bewerben. Auch Uruguay möchte 100 Jahre nach der ersten WM 1930 im Land des zweimaligen Weltmeisters das Turnier gemeinsam mit Argentinien, Chile und Paraguay erneut nach Südamerika holen. Der Weltverband FIFA will die WM auf seinem 74. Kongress 2024 vergeben.

jj/uh/qu/wa/se (dpa, rtr, afp)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

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