Ukraine aktuell: Deutsche Panzerhaubitzen erreichen Ukraine | Aktuell Europa | DW | 21.06.2022
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Russlands Krieg gegen die Ukraine

Ukraine aktuell: Deutsche Panzerhaubitzen erreichen Ukraine

Deutschland hat schwere Waffen ins Kriegsgebiet geliefert. Eine Website der Bundesregierung zeigt, welche Systeme noch für die Ukraine vorgesehen sind. Ein Überblick.

EU I Militär-Hilfe für die Ukraine

Die Panzerhaubitze 2000 ist das modernste Artilleriegeschütz der Bundeswehr (Archivbild)

 

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Erste Panzerhaubitzen aus Deutschland in Ukraine eingetroffen
  • Klingbeil: "Deutschland muss Anspruch einer Führungsmacht haben"
  • "Extrem schwierige" Lage an der Front
  • Moskau droht Litauen mit ernsten Folgen wegen Transitbeschränkungen
  • US-Präsident Biden: Ukraine-Besuch "nicht wahrscheinlich"

 

Knapp vier Monate nach Kriegsbeginn sind die ersten schweren Artilleriegeschütze aus Deutschland in der Ukraine eingetroffen. Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow dankte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht auf Twitter für die Lieferung der Panzerhaubitzen 2000. Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Haubitzen in der Ukraine eingetroffen sind.

Zu den Waffenlieferungen an die Ukraine hat die Bundesregierung erstmals eine Liste veröffentlicht. Wie ein Regierungssprecher mitteilte, wurde entschieden, "das Verfahren zur Veröffentlichung der militärischen Unterstützungsleistungen an die Praxis unserer engsten Verbündeten, etwa der USA, anzupassen". Daher sei ab sofort auf der offiziellen Website der Bundesregierung eine Übersicht abrufbar über Waffen und andere Materialien, die Deutschland geliefert habe oder noch liefern werde.

Deutschland | Konferenz zum Ukraine-Krieg in Ramstein

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow (Archivbild)

Es handelt sich dabei den Angaben zufolge sowohl um Güter aus Beständen der Bundeswehr als auch um Lieferungen der deutschen Rüstungsindustrie. Die Liste soll regelmäßig aktualisiert werden.

Mit Stand Dienstag sind unter anderem bereits geliefert worden: 500 Fliegerabwehrraketen Stinger, 2700 Fliegerfäuste Strela, 50 Bunkerfäuste sowie 23.000 Gefechtshelme, 1200 Krankenhausbetten und vier elektronische Drohnenabwehrgeräte. Noch kommen sollen 30 Flakpanzer Gepard, das Luftverteidigungssystem Iris-T SLM, das Artillerieortungsradar Cobra, drei Mehrfachraketenwerfer Mars und andere Militärgüter.

Klingbeil: "Deutschland muss Anspruch einer Führungsmacht haben"

Die Bundesrepublik muss nach Ansicht von SPD-Chef Lars Klingbeil in der internationalen Politik ihr Gewicht stärker zum Ausdruck bringen. "Nach knapp 80 Jahren der Zurückhaltung hat Deutschland heute eine neue Rolle im internationalen Koordinatensystem", sagte Klingbeil in einer Grundsatzrede auf einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung. Das Land habe sich in den letzten Jahrzehnten ein hohes Maß an Vertrauen erarbeitet, mit dem aber auch eine Erwartungshaltung einhergehe. "Deutschland muss den Anspruch einer Führungsmacht haben", sagte Klingbeil.

Deutschland Berlin | Dmytro Kuleba, Außenminister Ukraine | mit SPD-Fraktion

SPD-Chef Lars Klingbeil (links) mit dem Außenminister der Ukraine, Dmytro Kuleba (Archivbild)

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte mit seiner Zeitenwende-Rede nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs eine Kehrtwende in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik vollzogen und vor allem eine massive Aufrüstung der Bundeswehr eingeleitet. Von einer Führungsmacht wie Klingbeil hat er bisher jedoch nicht gesprochen. 

Scholz analysiert Putins Verhalten

Der russische Staatschef Putin​ führt aus Sicht von Bundeskanzler Olaf Scholz einen Kampf gegen Demokratien. "Putin scheint Angst davor zu haben, dass der Funke der Demokratie auf sein Land überspringen könnte. Deshalb betreibt er seit Jahren eine Politik, die eine Auflösung von NATO und EU zum Ziel hat", sagte Scholz in einem Interview des "Münchner Merkur". Putin wolle ein gespaltenes Europa und zurück zu einer Politik der Einflusszonen. Er müsse aber akzeptieren, dass in seiner Nachbarschaft eine Gemeinschaft von Demokratien und Rechtsstaaten immer enger zusammengewachsen sei.

Deutschland Bundeskanzler Olaf Scholz

Olaf Scholz in seinem Büro im Bundeskanzleramt in Berlin (Archivbild)

Der Kanzler bekräftigte seine Forderung, Russland müsse seine Truppen aus der Ukraine zurückziehen. "Es ist klar, dass ein Diktatfrieden nach Putins Gnaden inakzeptabel ist", betonte Scholz. Er verwies auch auf die EU-Sanktionen gegen Russland. "Die halten wir durch, solange es nötig ist."

Zu Vorwürfen, Deutschland liefere zu spät und zu wenige Waffen an das ukrainische Militär, sagte der Kanzler: "Vieles, was gerade hierzulande gesagt wird, ist einfach nicht wahr." Manche unterschätzten die Komplexität der Angelegenheit. "Wer glaubt, Kriegswaffen wären verfügbar wie Autos beim Händler, der irrt."

"Extrem schwierige" Lage an der Front

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben einen Angriff auf die strategisch wichtige Schlangeninsel abgewehrt und die ukrainischen Truppen im Großraum Sjewjerodonezk - Lyssytschansk vom Nachschub abgeschnitten. Nach Angaben eines Armeesprechers in Moskau erlitt die Gegenseite in der Region hohe Verluste.

Russlands Angriff auf die Ukraine geht weiter, in Lysychansk

Schwere Zerstörungen durch russische Angriffe in Lyssytschansk in der Region Luhansk (Archivbild)

Die Ukraine räumte Schwierigkeiten bei den Kämpfen im Osten des Landes ein. Der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, bezeichnete die Lage entlang der Front als "extrem schwierig". Die russische Armee habe einige Gebiete eingenommen und genügend Reserven für eine neue Großoffensive gesammelt.

"Katastrophale Zerstörungen"

In der Großstadt Sjewjerodonezk seien russische Truppen in das Industriegebiet vorgedrungen. Dort werde bereits gekämpft, schrieb Hajdaj in seinem Telegram-Kanal. Ukrainische Truppen kontrollierten nur noch das Territorium des Chemiewerks Azot.

Ukraine-Konflikt | Eindrücke aus Sjewjerodonezk

Spuren des Krieges bei Sjewjerodonezk (Archivbild)

In der strategisch wichtigen Nachbarstadt Lyssytschansk gebe es "katastrophale Zerstörungen" durch russischen Beschuss, erklärte Hajdaj. Russland wolle die Region Luhansk "vor dem 26. Juni" vollständig einnehmen. "Aber das werden sie nicht in fünf Tagen schaffen", fügte der Gouverneur hinzu. Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj verwies in seiner täglichen Videoansprache auf schwere Kämpfe in Luhansk um die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk.

In der ostukrainischen Metropole Charkiw sind durch russischen Raketenbeschuss mindestens fünfzehn Zivilisten getötet worden. Es habe mehrere Verletzte gegeben, teilte der Gouverneur des Gebiets, Oleh Synjehubow, mit.

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