UFO-Bericht in den USA: Die Wahrheit ist irgendwo da draußen | Wissen & Umwelt | DW | 05.06.2021
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Unbekannte Flugobjekte

UFO-Bericht in den USA: Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

Eine Taskforce wird im Juni Informationen über unbekannte Flugobjekte vor dem US-Kongress präsentieren. Die Aufregung ist groß. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Aliens jemals bei uns waren?

Ein unbekanntes Flugobjekt am Himmel über Neuseeland

Ein Drittel der US-Amerikaner glaubt, dass bei UFO-Sichtungen tatsächlich außerirdische Raumschiffe im Spiel sind

Wer sich für UFOs (unidentified flying objects, oder unbekannte Flugobjekte) interessiert und sich schon immer gefragt hat, ob die US-Regierung und die Geheimdienste nicht doch etwas vertuschen, für den ist dieser Juni ein aufregender Monat. Die Unidentified Aerial Phenomena (UAPs) Taskforce, eine spezielle Arbeitsgruppe innerhalb des US-Verteidigungsministeriums, soll diesen Monat einen nicht-geheimen Bericht vor dem US-Kongress präsentieren. In dem mit Spannung erwarteten Report geht es um Informationen, die Pentagon-Mitarbeiter zu UAPs sammeln konnten, und was sie mit diesem Wissen anfangen. 

UAP ist ein anderes Wort für UFO - für Militärangehörige, Wissenschaftler und alle anderen, die nicht mit dem Begriff UFO in Verbindung gebracht werden wollen, sich aber doch mit Flugobjekten beschäftigen, die sich ohne erkennbaren Antrieb fortbewegen und Flugbahnen vorweisen, die mit unseren Physik-Erkenntnissen eigentlich unvereinbar sind.

Ein aufblasbares Alien in einem Auto in Roswell, New Mexiko

Mekka für Alien-Fans und Verschwörungstheoretiker: In Roswell, New Mexiko, soll 1947 ein UFO abgestürzt sein

Mit anderen Worten: Vertreter des Verteidigungsministeriums werden Mitgliedern des Repräsentantenhauses und des Senats tatsächlich offiziell darlegen, was sie über unbekannte Flugobjekte im US-Luftraum wissen. Und die Öffentlichkeit wird an den Informationen teilhaben können.

Es könnte zwar eine Verzögerung zwischen der Präsentation im Kongress und der Veröffentlichung des Berichts geben. Aber es handelt sich dabei nicht um Gespräche auf geheimen US-Militärbasen, von deren Existenz Verschwörungstheoretiker fest ausgehen, seitdem im Sommer 1947 angeblich ein UFO in Roswell, New Mexico, abstürzte.

Beweismaterial vom Militär

Avi Loeb, Wissenschaftsprofessor an der Harvard University und Direktor des Institute for Theory and Computation am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, erklärt, warum der bevorstehende Bericht mit Spannung erwartet wird:

Professor Avi Loeb von der Harvard University

Professor Avi Loebs Buch "Außerirdisch" erschien in 25 Sprachen

"Dieser neue Report unterscheidet sich von Diskussionen über UFOs oder UAPs in der Vergangenheit, weil ihm Beweismaterial zugrunde liegt, das von militärischem Personal mithilfe von Instrumenten wie Radar, Infrarotkameras und regulären Kameras aufgezeichnet wurde", schreibt Loeb in einer E-Mail an die DW. Die Informationen in dem Bericht würden höchstwahrscheinlich auf "die mögliche Existenz von Objekten, die sich auf eine Weise verhalten, die wir mit unseren Technologien nicht erklären können", hindeuten.

95 Prozent der Fälle lassen sich aufklären

Eine Gallup-Umfrage von 2019 zeigt, dass ein Drittel der US-Amerikaner glaubt, dass zumindest bei einigen UFO-Sichtungen echte außerirdische Raumschiffe im Spiel waren. Hans-Werner Peinigers Faszination für UFOs begann, als er 15 Jahre alt war. Mittlerweile beschäftigt er sich mit dem Thema seit fast 50 Jahren. Der Vorsitzende der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens betont, dass die überwiegende Mehrheit der Sichtungen herkömmliche Ursachen hat:

"Wir haben mittlerweile 4500 Beobachtungen aus dem deutschsprachigen Raum bearbeitet, seit 1972", sagt Peiniger der DW. "Es sind nur etwa fünf Prozent der Fälle, für die wir keine nachvollziehbare Erklärung fanden."

Der Rest, so Peiniger, seien häufig Folienballons in ungewöhnlichen Formen, wie man sie auf Jahrmärkten sieht, Insekten, die zufällig so schnell durchs Bild fliegen, dass sie dann auf dem Foto wie eine fliegende Untertasse aussehen, Wetterphänomene oder Satelliten.

Doch was ist mit den ungeklärten fünf Prozent? "Vielleicht sind das auch natürliche Phänomene, die wir einfach noch nicht erklären können."

Video ansehen 02:51

Gibt es Aliens?

Kein zufälliger Zeitpunkt

Der detaillierte Bericht der UAP Task Force war eine von vielen Bedingungen für die Verabschiedung eines 2,3 Milliarden US-Dollar schweren Budgets, auf das sich der Kongress im Dezember 2020 geeinigt hatte (und das viele dringend nötige Corona-Hilfszahlungen enthielt). Innerhalb von sechs Monaten müssten das Verteidigungsministerium und die Geheimdienste eine "detaillierte Analyse von UAP-Daten und Informationen" präsentieren, hieß es damals.

Dass es überhaupt zu dieser Forderung kam, zeigt, dass führende US-Politiker das Thema außerirdische Intelligenz nun viel ernster nehmen als noch vor einiger Zeit. Der Schritt dorthin war die Folge eines bewegten Jahres in Sachen UAP. Im April 2020 hatte das Verteidigungsministerium drei Videos veröffentlicht, die von Navy-Piloten aufgezeichnet und bereits Jahre vorher geleakt worden waren.  

Das Ministerium bestätigte die Echtheit der Aufnahmen Jahre nachdem UFO-Enthusiasten sie bereits bis ins letzte Detail analysiert hatten, um "jegliche Missverständnisse bezüglich der Echtheit der Videos und die Frage, ob an ihnen möglicherweise mehr dran sein könnte, zu klären", heißt es in einer Pressemitteilung des Pentagons. "Die Phänomene, die in den Videos zu sehen sind, sind weiterhin als 'nicht identifiziert' eingestuft." 

Was neben diesen Videos, die 2004 und 2015 aufgenommen wurden, sonst noch in dem mit Spannung erwarteten Bericht stehen wird, und ob er auch auf von Laien eingereichtes Material eingeht, ist noch unklar. 

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Keine Gemeinsamkeiten bei UFO-Sichtungen

Weniger als vier Monate, nachdem das Pentagon die UAP-Videos als echt bestätigte, wurde im August 2020 die Unidentified Aerial Phenomena Task Force gegründet. Und jetzt folgt der Bericht vor dem Kongress. Harvard-Professor Loeb, der Anfang dieses Jahres das Buch "Außerirdisch: Intelligentes Leben jenseits unseres Planeten" veröffentlichte, sagt, es reiche nicht, dass die US-Navy alte Videos veröffentlicht. Stattdessen sollte nach neuen Beweisen gesucht werden.

"Anstatt Dokumente zu deklassifizieren, die mit alten Technologien entstanden sind und von Augenzeugen aufgenommen wurden, die keine wissenschaftliche Expertise haben, wäre es viel besser, die neuesten Aufnahmegeräte an den Orten einzusetzen, wo diese Zeugenberichte herkommen, und so nach ungewöhnlichen Signalen zu suchen", schrieb Loeb in seiner E-Mail.

Peiniger sagt, nach all den Fällen, die er untersucht hat, sei er skeptisch, ob es sich bei jeglichen UAP-Sichtungen wirklich um außerirdische Raumschiffe handeln könnte.

"Wenn es sich um eine außerirdische Intelligenz handelt, die uns besucht, müsste es Gemeinsamkeiten geben", wie beispielsweise die Form der angeblichen Raumschiffe, oder deren Flugweg. "Aber wir fanden keine."

Er wolle das nicht ausschließen, sagte Peiniger. "Aber ich gehe davon aus, dass wir aktuell nicht von Außerirdischen besucht werden."

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