Trumps Freunde und Konkurrenten | Aktuell Amerika | DW | 10.07.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

US-europäische Beziehungen

Trumps Freunde und Konkurrenten

Donald Trump sorgt für Irritationen - wieder einmal. Von allen anstehenden Treffen in Europa könnte jenes mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin "das leichteste sein", so der US-Präsident.

Donald Trump macht sich auf nach Europa. Gleich drei Termine hat er auf dem alten Kontinent: Der US-Präsident fliegt zunächst zum NATO-Gipfel nach Brüssel, am Freitag geht es weiter auf Staatsbesuch nach Großbritannien und kommenden Montag steht in Helsinki ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf Trumps Agenda.

Seine Verbündeten dürften nicht besonders erfreut sein, wie der US-Präsident die Stationen seiner Reise einschätzt: "Es gibt die NATO, Großbritannien", zählte der US-Präsident vor dem Abflug nach Europa seine Verabredungen auf, "und es gibt Putin". Trumps Prognose für die drei Treffen: "Ehrlich gesagt, Putin könnte das leichteste sein - wer hätte das gedacht?"

Donald Trump und Melania fliegen nach Brüssel (picture-alliance/dpa/P. M. Monsivais)

Präsidentenpaar Trump auf dem Weg nach Brüssel: "Sehr unfair!"

Er ergänzte in seinem Statement vor der US-Hauptstadtpresse, er könne noch nicht sagen, ob Putin ein Freund oder Feind sei und nannte den russischen Präsidenten einen "Konkurrenten".

Gebetsmühlenartige NATO-Nörgelei

Trumps Haltung zu dem NATO-Verbündeten scheint sich dagegen nicht geändert zu haben. Die anderen Mitglieder des Verteidigungsbündnisses und insbesondere Deutschland kritisiert er seit seinem Amtsantritt unablässig für deren seiner Ansicht nach viel zu niedrigen Rüstungsausgaben. Auch jetzt griff Trump erneut zum Handy und twitterte: "NATO-Länder müssen MEHR bezahlen, die Vereinigten Staaten weniger. Sehr unfair!"

In Europa geht vielen die gebetsmühlenartige NATO-Nörgelei des US-Präsidenten offenbar gehörig auf die Nerven. Trump sollte wissen, wer Freund und wer Problem ist, so EU-Ratspräsident Donald Tusk. Mit deutlichen Worten forderte er den US-Präsidenten auf, beim Gipfel in Brüssel nicht nur über Verteidigungsausgaben zu reden. "Die Europäer geben heute ein Vielfaches dessen für Verteidigung aus, was Russland ausgibt und genauso viel wie China", sagte Tusk am Rande der Unterzeichnung einer neuen NATO-EU-Erklärung in Brüssel. Er hoffe, dass Trump nicht daran zweifele, dass dies eine Investition in die gemeinsame Sicherheit sei.

Donald Tusk (picture-alliance/AP Photo/G. Vanden Wijngaert)

EU-Ratspräsident Tusk: "Liebes Amerika, schätze Deine Alliierten"

Beim Gipfel, aber vor allem auch bei seinem in der nächsten Woche geplanten Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin, solle sich der US-Präsident daran erinnern, wie die europäischen Partner nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 an der Seite der USA gestanden hätten. Allein 870 europäische Männer und Frauen hätten im darauf folgenden Afghanistan-Einsatz ihr Leben gelassen. "Liebes Amerika, schätze Deine Alliierten - schließlich hast Du nicht so viele", sagte Tusk.

Gegenwind in Großbritannien

Auch bei seinem Besuch in Großbritannien am Freitag muss Trump mit Gegenwind rechnen - zumindest auf der Straße. In London finden große Protestmärsche statt. Über dem Platz vor dem Parlament soll dann ein Ballon in Form eines riesigen Trump-Babys in Windeln schweben. Aber vielleicht wird der US-Präsident davon gar nicht so viel mitbekommen. Die offiziellen Treffen mit Premierministerin Theresa May und Königin Elizabeth II. finden außerhalb Londons statt.

Das Zusammenkommen von Trump und Putin am kommenden Montag wird das erste offizielle Gipfeltreffen der beiden seit Trumps Amtsantritt vor anderthalb Jahren sein. Der US-Präsident hatte sein Amt mit der Ankündigung angetreten, er wolle die Beziehungen der USA zu Russland verbessern.

Allerdings sind die Beziehungen der westlichen Verbündeten zu Russland wegen des Ukraine-Konfliktes, des Syrien-Krieges und der Affäre um den Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal in Großbritannien extrem gespannt. Ermittler in den USA verdächtigen Russland zudem, sich in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 eingemischt zu haben - zugunsten von Trump.

AR/sti (afp, dpa, rtr)

Die Redaktion empfiehlt