Trumps ″Freunde″ in der Ukraine | Europa | DW | 02.10.2019
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Telefon-Affäre

Trumps "Freunde" in der Ukraine

Er habe "viele ukrainische Freunde" - das sagte der US-Präsident im umstrittenen Telefonat mit seinem ukrainischen Amtskollegen Selenskyj. Dahinter könnten sich nach DW-Recherchen auch einige bekannte Personen verbergen.

USA UN-Generalversammlung Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj (Getty Images/AFP/S. Loeb)

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump

Donald Trump war nie in der Ukraine und hat sich nicht für das Land interessiert. Zudem warf der US-Präsident der früheren Sowjetrepublik vor, seine Wahlkampagne 2016 sabotiert zu haben. Damals führten Informationen aus Kiew zum Rücktritt seines Wahlkampchefs Paul Manafort, der zuvor die prorussische Partei der Regionen (PR) in der Ukraine beraten und dafür angeblich illegal Geld bekommen haben soll. Vor diesem Hintergrund war Trumps Verhältnis zum damaligen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zurückhaltend. In dem Telefonat mit Poroschenkos Nachfolger Wolodymyr Selenskyj im Juli, das jetzt einen Skandal ausgelöst hat, sparte Trump dagegen nicht mit Komplimenten: "Das ist ein großartiges Land. Ich habe viele ukrainische Freunde, das sind unglaubliche Leute."

Viktor Pintschuk

Trumps ukrainische Verbindungen umfassen diejenigen, die ihn kennen, und jene, die seine Immobilien erworben haben. Der wohl bekannteste in der ersten Kategorie ist der Milliardär Viktor Pintschuk. Mit seinem Namen ist einer der ersten öffentlichen Auftritte Trumps zum Thema Ukraine

Ukraine Wiktor Pintschuk Unternehmer (picture-alliance/M. Palinchak)

Viktor Pintschuk

verbunden. Der damalige aussichtsreiche Bewerber für die republikanische Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl nahm im September 2015 per Videoschalte am YES-Forum teil. Dabei handelte es sich um eine private Veranstaltung von Pintschuk, bei der westliche Politiker und Experten über das Verhältnis der Ukraine zum Westen diskutierten.

In der Ukraine ist Pintschuk einer von denen, die man Oligarchen nennt. Er wird in diversen Vermögensrankings zu den reichsten Ukrainern gezählt. Der 58-jährige Schwiegersohn des früheren ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma stammt aus Dnipro (früher Dnipropetrowsk), besitzt ein Unternehmen für Rohrherstellung und eine Mediengruppe - inklusive der TV-Sender STB und ICTV.

Trumps Auftritt dauerte rund 20 Minuten und kostete Pintschuk Medienberichten zufolge 150.000 US-Dollar. Darüber, ob sie gemeinsame Geschäftsinteressen haben, ist nichts bekannt. Die Fragen während des Forums stellte Douglas Schoen, ein US-Publizist, Politologe und Kommentator bei Trumps Lieblingssender Fox News. Schoen arbeitet seit langem für Pintschuk und ist beim US-Justizministerium als sein offizieller Lobbyist registriert. Trump sagte damals, er kenne "viele Leute,

die in der Ukraine leben", nannte sie "fantastisch" und lobte Pintschuk: "Viktor ist ein besonderer Mensch und ein besonderer Unternehmer. Als er bei mir zu Besuch war, sagte ich, dass ich wohl mehr von ihm lernen kann als er von mir." Trump sagte auch das, was er vier Jahre später im Telefonat mit Selenskyj wiederholt hat, nämlich, dass europäische Staaten, darunter Deutschland, zu wenig für die Ukraine tun würden.  

Pawlo Fuks

Ein weiterer bekannter Ukrainer mit Kontakten zu Trump ist ein kleineres Kaliber als Pintschuk, doch über die Verbindungen der beiden ist mehr bekannt. Es handelt sich um Pawlo Fuks, einen 47-jährigeren Unternehmer und Millionär aus dem ostukrainischen Charkiw, der lange in Russland tätig war und dort eine große Immobilienfirma gründete. In einem Interview mit der Agentur Bloomberg sagte Fuks, er habe Trump 2005 kennengelernt und sich mehrmals mit ihm und seinen Kindern - Ivanka und Donald Trump Jr. - getroffen. Es sei dabei um die Idee gegangen, einen Trump-Tower in Moskau zu bauen, so Fuks. Der Deal kam nicht zu Stande, angeblich weil Trump laut Fuks einen zu hohen Preis verlangt hatte.

Fuks lebt zurzeit in der Ukraine und steht in Russland auf einer Sanktionsliste, die Moskau als Antwort auf Kiews Strafmaßnahmen eingeführt hatte. Es ist bekannt, dass im Februar 2017 Fuks einer der Ukrainer war, die zu Trumps Amtseinführung angereist waren. Bei der Zeremonie war er aber nicht dabei.

Rudy Giuliani persönlicher Anwalt Donald Trump (AFP/D. Emmert)

Rudy Giuliani und Donald Trump

Im Herbst des gleichen Jahres organisierte Fuks einen Besuch des früheren Bürgermeisters von New York, Rudy Giuliani, nach Charkiw. Giuliani ist Trumps persönlicher Anwalt und steht jetzt im Mittelpunkt des Skandals um das Trump-Telefonat mit Selenskyj. Nach offiziellen Angaben reiste Giuliani damals nach Charkiw, um seine Erfahrungen als Bürgermeister von New York nach den Terroranschlägen von 9/11 zu teilen. Während der Präsidentenwahl in der Ukraine im Frühling 2019 berichteten ukrainische Medien, Fuks habe Selenskyjs Kampagne mitfinanziert. Der Unternehmer bestritt das.

Vitali Klitschko

Enge Verbindungen zu Giuliani hat auch Kiews Bürgermeister und ehemaliger Boxweltmeister Vitali Klitschko. Auch er kennt Trump persönlich. Als im Sommer ein Konflikt zwischen Klitschko und dem Präsidialamtschef von Selenskyj ausbrach, reiste der 48-Jährige zu Giuliani nach New York und veröffentlichte in sozialen Medien ein gemeinsames Foto - offenbar um zu zeigen, dass er mächtige Helfer im Kampf um den Sitz des Kiewer Verwaltungschefs hat.

Deutschland CDU-Parteitag in Hamburg Vitali Klitschko (Getty Images/T. Lohnes)

Vitali Klitschko

Die Reise fand wenige Tage nach Trumps Telefonat mit Selenskyj statt, bei dem der US-Präsident Giuliani als Ansprechpartner im Zusammenhang mit möglichen Ermittlungen zu den Aktivitäten des früheren Vizepräsidenten Joe Biden und seines Sohnes Hunter in der Ukraine genannt hatte. Klitschko sagte am Dienstag am Rande einer Veranstaltung in Kiew, er habe mit Giuliani nicht über Biden gesprochen.

Er und sein Bruder Wladimir, auch ein früherer Profi-Boxer, hätten Trump während ihrer Sportkarriere kennengelernt, erzählte Klitschko in einem früheren Interview mit dem Fernsehsender "112 Ukraine". Die Brüder hätten in dem ehemaligen Trump-Casino "Taj Mahal" geboxt, der Milliardär sei oft dabei gewesen und sie seien bei ihm zu Gast gewesen, so Klitschko.

Igor Fruman und Lev Parnas

Es gibt auch andere, weniger bekannte Leute mit Verbindungen zur Ukraine, deren Namen im Zusammenhang mit dem jetzigen Skandal erwähnt werden. Zwei Namen ragen dabei heraus: Igor Fruman und Lev Parnas. Es sind Unternehmer aus Florida, mit Wurzeln und Verbindungen in Odessa. Wie US-Medien berichten fielen der 53-jährige Fruman und der 47-jährige Parnas zuletzt mit Spenden für Trump-Veranstaltungen und Kandidaten der Republikaner bei diversen Wahlen auf. Sie sollen sich auch mit Trump und seinem Sohn Donald Jr. getroffen haben. Das wichtigste ist jedoch - beide sind Kunden von Giuliani. Sie sollen dem Trump-Anwalt geholfen haben, im Fall Biden Kontakte in die Ukraine herzustellen, darunter zu früheren Generalstaatsanwälten.

Käufer von Trump-Immobilien

Schließlich gibt es mutmaßlich ein Dutzend oder mehr Ukrainer, die Trump-Immobilen erworben oder den Bau mitfinanziert haben, nicht nur in den USA. Darunter gibt es bekannte Namen, wie den ehemaligen Gebietsratschef einer Großstadt in der Ostukraine oder die Tochter eines ehemaligen ukrainischen Geschäftsmanns, der wegen Geldwäsche verdächtigt wurde. Eine genaue Zahl solcher Leute herauszufinden ist schwer.

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