Trumps ″Drecksloch″-Äußerung: Empörung und Verständnis aus betroffenen Ländern | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 16.01.2018
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Amerika

Trumps "Drecksloch"-Äußerung: Empörung und Verständnis aus betroffenen Ländern

Viele Menschen aus den Ländern, die Donald Trump pauschal als "Dreckslöcher" verunglimpft haben soll, fordern eine Entschuldigung. Andere dagegen sagen, der US-Präsident habe mit seiner Einschätzung Recht.

Viele seiner politischen Gegner hatten prognostiziert, dass US-Präsident Donald Trump noch vor seinem ersten Jahrestag im Weißen Haus des Amtes enthoben werden würde. Aber dazu kam es nicht: Am Sonntag feiert Trump sein einjähriges Amtsjubiläum. An der Mehrzahl der vergangenen 365 Tage sorgte der Präsident mit Tweets oder derben Statements für Aufsehen. Unterstützer finden sie erfrischend ehrlich. Für Gegner sind die Äußerungen des US-Präsidenten dagegen häufig respektlos, hasserfüllt, rassistisch oder alles auf einmal.

Zuletzt erregte Trump Aufsehen, als er bei einem Treffen mit Senatoren im Oval Office angeblich fragte, warum die USA so viele Einwanderer aus "Drecksloch-Ländern" aufnähmen. Dabei soll er sich auf Haiti, El Salvador sowie afrikanische Länder bezogen haben.

Trump selbst behauptet, er habe den Begriff "Drecksloch" nicht verwendet. Aber der demokratische Senator Dick Durbin, der bei dem Gespräch dabei war, bleibt bei seiner Darstellung. Und wenn man sich die Tweets des Präsidenten aus dem vergangenen Jahr anschaut, erscheint die "Drecksloch"-Entgleisung nicht undenkbar.

Menschen, die aus den Ländern kommen, die Trump beschimpft haben soll, sind empört. In den vergangenen Tagen kam es wiederholt zu Protesten.

"Jetzt steht der Kaiser ohne Kleider da"

Bei einer Demo in Miami am vergangenen Freitag demonstrierten Einwanderer aus Haiti und Mitglieder der haitianischen Community gegen Trump. "Jetzt, da der Kaiser ohne Kleidung dasteht, sehen wir alles ganz klar. Trump will diese Nation für die weißen Einwanderer retten und sagt zu den Schwarzen: 'Scher dich zum Teufel'", sagte Steven Forester, ein Teilnehmer der Demo, der Zeitung "Miami Herald".

Bei einer weiteren Demo von Haitianern in Florida am Montag sagte Demonstrant Charlemagne Metayer der Onlineseite Palm Beach Post: "Wir sind hart arbeitende Menschen. Wir haben eine Entschuldigung vom Präsidenten verdient."

Überschwemmungen in Haiti nach Hurrikan Irma im September (Getty Images/AFP/H. Retamal)

Überschwemmungen in Haiti nach Hurrikan Irma im September: "Wir haben eine Entschuldigung verdient"

Die republikanische Kongressabgeordnete Mia Love, deren Eltern in den 1970ern aus Haiti in die USA einwanderten, sagte, Trump müsse sich beim amerikanischen Volk und bei den Ländern, die er beleidigt habe, entschuldigen, da seine Worte Zwietracht säten und "elitär" gewesen seien.

Empörung, aber auch Verständnis aus Afrika

Auch viele afrikanische Länder wollen eine Entschuldigung vom US-Präsidenten. In einer Erklärung forderten 54 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union, Trump solle seine Äußerung zurücknehmen. Dem schlossen sich auch die Botschafter der afrikanischen Staaten bei den Vereinten Nationen an. Sie verurteilten die aus ihrer Sicht "unerhörten rassistischen und fremdenfeindlichen" Aussagen des US-Präsidenten.

Die Familie des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela kritisierte Trump ebenfalls. "Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass jemand von Trumps Gewicht zu solch rassistischen Äußerungen imstande ist", sagte Mandla Mandela, der Enkel des ersten schwarzen südafrikanischen Präsidenten, der Zeitung "Independent". Trump habe außerdem nicht nur Afrikaner, sondern auch die Nachfahren afrikanischer Sklaven in Amerika beleidigt.

Der Afrikanische Nationalkongress (ANC), Südafrikas Regierungspartei, nannte die Worte Trumps "extrem beleidigend." In mehreren afrikanischen Ländern wurden US-Botschafter einberufen, um das Verhalten ihres Präsidenten zu erklären. Botswanas Regierung forderte von Washington eine Klarstellung, ob man auch zu den "Dreckslöchern" gehöre.

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Empörung über Donald Trump

Beschwerden und die Einberufung der Botschafter seien normale diplomatische Vorgänge nach so einem Zwischenfall, meint Frans Cronje, der Leiter des Südafrikanischen "Institute of Race Relations". Aber Trump sei zu scharf kritisiert worden, schließlich müsse er in seinem eigenen Büro frei sprechen können. "Ich denke nicht, dass Trumps Äußerung eine falsche Beschreibung dafür war, wie das Leben in vielen afrikanischen Ländern wirklich ist", sagte Cronje der DW.

Als Beispiel nannte Cronje Zahlen aus einer aktuellen Erhebung seines Instituts: "Die USA geben täglich 10.000 Dollar für Gesundheitsfürsorge aus, die Demokratische Republik Kongo nur 20 Dollar." Trump nenne die Dinge beim Namen, so Cronje. Die Reaktionen seien eine Political-Correctness-Hysterie aufgrund seiner Wortwahl.

"Es ist die Politik der Regierungen in den betroffenen Staaten, Menschenrechte zu unterdrücken und wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen, die ihre Länder arm halten", sagt Cronje. "Deswegen sind diese Länder Orte, in denen sehr wenige von Trumps Kritikern gerne leben würden - auch nicht die Journalisten und empörten Gerechtigkeitsaktivisten." Die globale Flüchtlingsbewegung zeige ebenfalls, dass viele Menschen diese Länder verlassen wollen.

"Rassismus, Faschismus, Überheblichkeit"

Aus lateinamerikanischen Ländern kam scharfe Kritik an den Worten des US-Präsidenten - und zwar von ganz oben.

Evo Morales (picture-alliance/Keystone/A. della Valle)

Präsident Morales: "Trump hat die ganze Welt beleidigt"

Aus Kubas Außenministerium hieß es: "Das kubanische Volk ist empört über diese Aussagen und stolz auf den Beitrag, den Einheimische und ihre Nachkommen aus den unterschiedlichsten Weltregionen im Laufe der Geschichte Kubas geleistet haben, vor allem auf die Leistung der Afrikaner und Haitianer seit der Gründung unserer Nation."

Ähnliche Töne kommen aus Bolivien. "Indem Trump die afrikanischen Länder, El Salvador und Haiti beleidigt, beleidigt er die gesamte Welt und zeigt, dass seine Sprache und Politik von Rassismus, Faschismus, Überheblichkeit und der Ignoranz des Kapitalismus geprägt sind", sagte der Präsident Boliviens, Evo Morales. "Die Geschichte hat bewiesen, dass diejenigen, die andere so beleidigen, am Ende ihre eigenen Worte schlucken müssen."

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