Trump-Vertraute Kellyanne Conway tritt ab | Aktuell Amerika | DW | 24.08.2020
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USA

Trump-Vertraute Kellyanne Conway tritt ab

Im Umfeld des US-Präsidenten gibt es ein ständiges Kommen und Gehen. Nun verabschiedet sich eine der treuesten Weggefährtinnen: Kellyanne Conway, Beraterin, Demoskopin - und Erfinderin des Begriffs "Alternative Fakten".

Die hochrangige US-Präsidentenberaterin Kellyanne Conway hat wenige Wochen vor der Wahl am 3. November ihren Rückzug angekündigt. In einer auf Twitter veröffentlichten Erklärung schrieb Conway, es sei "komplett ihre Entscheidung" gewesen, zum Monatsende auszuscheiden. Sie werde zu gegebener Zeit ihre zukünftigen Pläne veröffentlichen. Bis dahin gebe es "weniger Drama, mehr Mama", schrieb die vierfache Mutter.

Die 53-jährige hielt sich so lange im engsten Kreis um Präsident Donald Trump wie wenige andere Vertraute: Schon im Wahlkampf 2016 spielte die Politologin, Juristin und Demoskopin eine führende Rolle. Als Trumps damaliger Sprecher Sean Spicer nach der Amtseinführung am 20. Januar 2017 behauptete, zu der Zeremonie sei "das größte Publikum aller Zeiten" erschienen - was sich schon mit bloßem Auge als Falschaussage herausstellte, wenn man Luftbilder der Inauguration Trumps mit der von Obama verglich -, verteidigte Conway Spicer, er habe "alternative Fakten" bemüht. Der Begriff erlangte gewisse Berühmtheit; in Deutschland wurde er von einer sprachkritischen Jury zum Unwort des Jahres 2017 gekürt.

Bildergalerie Jahresrückblick 2017 International (Reuters/L. Jackson (L) & S. Varias)

"Das größte Publikum aller Zeiten": Inauguration von Donald Trump 2017 (links) und Barack Obama 2009 (rechts)

Conway selbst verbreitete mitunter auch "alternative Fakten" im Sinne des Präsidenten: So versuchte sie, die Flüchtlingspolitik des Amtsvorgängers Barack Obama zu diskreditieren, indem sie sich auf ein von ihr erfundenes Massaker in Bowling Green, Kentucky berief. Ihre scharfzüngigen Auftritte in den Medien waren berüchtigt.

Conways Ehe mit dem Anwalt George Conway war in der Vergangenheit schon mehrfach selbst Thema für die politische Berichterstattung: Während die Beraterin Trump stets mit Verve verteidigte, tat sich ihr Ehemann als vehementer Kritiker des Präsidenten hervor. George Conway ist selbst Mitglied der republikanischen Partei von Präsident Trump.

USA Kellyanne Conway beim Empfang im Oval Office (Getty Images/AFP/B. Smialowski)

Eine Beraterin, die sich fürs Pressefoto mit dem Smartphone auf die Couch kniet, gab es vor der Ära Trump nicht

Liegt der Auslöser in der Familie?

Ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung" legt nahe, dass die sehr unterschiedlichen Haltungen zu Trump innerhalb der Familie tatsächlich den Auslöser für Conways Rückzug geliefert haben könnten: Im Twitter-Account von Claudia Conway, der "SZ" zufolge eine Tochter des Ehepaares, ist seit Samstag zu lesen, ihre Mutter gehe ihren Weg weiter, nachdem sie jahrelang ihre Kinder leiden sah. "Egoistisch. Es geht nur um Geld und Ruhm, meine Damen und Herren". In einem anderen Tweet schreibt sie, sie sei am Boden zerstört, dass ihre Mutter wirklich auf dem Parteitag der Republikaner spreche.

Parteitagsreden von vielen Trumps - und Conway?

An diesem Montag (Ortszeit) beginnt der viertägige Nominierungsparteitag, bei dem die Republikanische Partei gleich zu Beginn Donald Trump zu ihrem offiziellen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am 3. November küren und sich dann auf die heiße Phase des Wahlkampfs einschwören will. Anders als bei den oppositionellen Demokraten, die wegen der Corona-Pandemie ihren Parteitag komplett in den virtuellen Raum verlegt hatten, reisen zumindest einige Delegierte und Redner physisch nach Charlotte, North Carolina. Auch Trump wird dort für einen Auftritt erwartet.

Seine Rede will Trump jedoch im Weißen Haus halten - frühere Präsidenten hatten es stets vermieden, den Präsidentensitz für Wahlkampfauftritte zu nutzen. In der Rednerliste der Republikaner fehlen Parteigranden wie Ex-Präsident George W. Bush; stattdessen sollen auffallend viele Familienmitglieder Trumps auftreten. Auch Kellyanne Conway steht auf der Rednerliste. Ob ihr Rücktritt auch die Absage des Auftritts einschließt, blieb zunächst offen.

ehl/sti (afp, dpa, SZ)

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