Trump und Kim: Ein Jahr im Zeitraffer | Asien | DW | 19.01.2018
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USA / Nordkorea

Trump und Kim: Ein Jahr im Zeitraffer

Über Monate wurde es nur schlimmer und schlimmer. Ein Wort gab das andere im verbalen Fern-Duell zwischen Donald Trump und Kim Jong Un. Seit Anfang 2018 kommen nun erstmals wieder moderatere Töne.

Bislang haben sie nur übereinander gesprochen, nicht miteinander. Oder besser gesagt: Sie haben sich gegenseitig beschimpft, ohne Rücksicht auf Verluste: US-Präsident Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un. Zwei Männer, die mit ihren Worten einen der gefährlichsten Konflikte des vergangenen Jahres ständig weiter anheizten. Die Stimmung  war so angespannt wie lange nicht mehr. Genau wie die Angst davor, dass ein falscher Schritt oder ein Missverständnis zu einer militärischen Eskalation führen könnte.

Mit dieser Sorge ging das Jahr 2017 zu Ende. Jetzt aber scheint es vorsichtigen Anlass zur Hoffnung zu geben, dass sich die Situation entspannen könnte. Nach über zwei Jahren absoluter Funkstille kam es vor gut einer Woche erstmals wieder zu einem bilateralen Treffen beider Koreas. Ergebnis: Nordkorea entsendet eine eigene Delegation zu den Olympischen Spielen im Süden und beide Seiten bekräftigen den Vorsatz, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen und eine friedliche Deeskalation der Lage anzustreben.

Kim Jong Un beobachten den Start einer Hwasong-12-Rakete (Reuters/KCNA)

Auch Kim Jong Un gibt sich seit der Neujahrsansprache und dem Gesprächsangebot an den Süden abwartend - 2018 gab es noch keine Raketentests

Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in gab einen Tag später bekannt, "unter den richtigen Bedingungen" sei er zu einem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bereit. Außerdem betonte er, es gebe - entgegen anderslautender Vermutungen - keinen Keil zwischen Washington und Seoul.  US-Präsident Trump habe "viel dafür getan", dass die Gespräche mit Nordkorea überhaupt zustande gekommen seien.

Trump: 180-Grad-Kehrtwende?

Und Trump selbst? Auch er schlug plötzlich versöhnliche Töne an. Die USA hätten durchaus ihre Probleme mit Nordkorea, sagte er bei einer Pressekonferenz. Aber derzeit gäbe es "eine Reihe von guten Gesprächen". Und man sei  bereit, unter den "richtigen Voraussetzungen" direkte Gespräche mit Nordkorea zu führen, auch wenn es nicht klar sei, ob sich dieses Vorgehen auszahlen würde. Nach einem Telefonat mit seinem südkoreanischen Amtskollegen sagte Trump außerdem gegenüber Journalisten, die neue Gesprächsinitiative werde sich hoffentlich "als Erfolg nicht nur für die Region, sondern für die Welt herausstellen".

Donald Trump (picture alliance/dpa/AP Photo/E. Vucci)

Seit Anfang des neuen Jahres kommen von Trump weniger aggressive Töne an die Adresse Kim Jong Uns

Ein paar Tage später legte Trump in einem Interview mit dem Wall Street Journal sogar noch einen drauf. "Ich habe vielleicht eine sehr gute Beziehung mit Kim Jong Un" (I probably have a very good relationship with Kim Jong Un) - so wird Trump von der Zeitung zitiert. Ein Zitat, um das es im weiteren Verlauf Ärger gab. Denn es suggerierte, dass ein direkter Kontakt Trumps zum nordkoreanischen Diktator besteht. Tatsächlich aber fehle ein entscheidendes "d", so Trump. "I would probably have" hieße es dann. Demnach "würde" Trump "wahrscheinlich ein sehr gutes Verhältnis zu Kim" haben. Letztendlich konnte nicht abschließend geklärt werden, was Trump genau gesagt hatte. Auch eine Tonbandanalyse ergab kein eindeutiges Ergebnis. Ganz sicher aber sagte Trump außerdem vor den Journalisten: "Ich habe Beziehungen zu Leuten. Ich denke, Sie wären überrascht." Auf die Frage, ob er den nordkoreanischen Diktator schon einmal selbst gesprochen habe, antwortete er ausweichend. "Ich sage nicht, dass ich es gemacht habe oder nicht. Ich will das einfach nicht kommentieren."

Hoffnung, aber nur kurz

Insgesamt recht zahme Töne. So klang es nicht immer. Rückblick.

Mit dem Amtsantritt Donalds Trumps am 20. Januar 2017 waren viele Hoffnungen verbunden, dass sich mit ihm im Weißen Haus vielleicht Möglichkeiten ergeben könnten, neuen Wind in den festgefahrenen Konflikt mit Nordkorea zu bringen. Immerhin: Trump hatte bereits im Wahlkampf ausgesagt, dass er sich ein persönliches Treffen mit Kim Jong Un vorstellen könnte.

Test einer Hwasong-14-Rakete in Nordkorea am 28. Juli (Getty Images/AFP/KCNA)

Im Juli vermeldete Nordkorea seinen ersten und zweiten erfolgreichen Interkontinentalraketentest

Aber es kam anders. Im Februar zündete Nordkorea die erste Rakete als Auftakt einer ganzen Serie. Mehr als 20 weitere sollten folgen, so viele wie nie zuvor innerhalb eines Jahres. Darunter auch drei Interkontinentalraketentests sowie der sechste Atomtest. Zudem verkündeten Nordkoreas Staatsmedien Ende November, das Land habe nunmehr sein Atomprogramm erfolgreich fertiggestellt.

"Die nordkoreanische Führung kann zufrieden auf das Jahr zurückblicken. Denn damit hat Nordkorea im Grunde genommen ein strategisches Ziel erreicht, auf das die Machthaber in Pjöngjang seit Jahrzehnten hingearbeitet haben", erklärt Eric Ballbach vom Institut für Koreastudien an der Freien Universität Berlin im Interview mit der Deutschen Welle.

Krieg der Worte

Inoffiziell entbrannte in den folgenden Monaten eine rhetorische Schlammschlacht. Nordkorea ist bekannt für heftige Verbal-Attacken, allen voran gegenüber Südkorea und den USA. Neu allerdings war, dass ein US-Präsident sich auf gegenseitige Beschimpfungen einließ.

Ausgerechnet am 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag, vermeldete Nordkorea erstmals den erfolgreichen Test einer Interkontinentalrakete. Trump reagierte via Twitter: "Nordkorea hat gerade eine weitere Rakete getestet. Hat dieser Typ nichts Besseres zu tun in seinem Leben?" Kim konterte: Die "amerikanischen Bastarde" seien sicher "nicht so glücklich über dieses Geschenk" gewesen, ließ er über die Staatsmedien verbreiten.

Nachdem Nordkorea Ende Juli eine zweite Interkontinentalrakete getestet hatte, drohte der US-Präsident Pjöngjang indirekt mit militärischer Gewalt. Wenn das Land seine Provokationen fortsetze, werde man mit "Feuer und Wut, wie die Welt es noch nie gesehen hat", reagieren. Die Antwort aus Nordkorea ließ nicht lange auf sich warten. "Ein Dialog mit einem Typen ohne jeglichen Verstand ist nicht möglich", wird Kim zitiert. Nordkorea drohte außerdem mit einem Raketenangriff nahe der US-Pazifikinsel Guam, auf der tausende US-Soldaten stationiert sind.

Ein heißer Herbst

Im September eskalierte der Krieg der Worte weiter. In seiner ersten Rede vor den Vereinten Nationen wählte Trump drastische Worte.

Donald Trump mit erhobenem Zeigefinger (picture-alliance/AP Photo/B. Anderson)

In der zweiten Jahreshälfte 2017 eskalierte die Situation zwischen Trump und Kim rhetorisch immer mehr

Der "kleine Raketenmann" befinde sich auf einer Selbstmordmission. Dann drohte Trump vor den Augen der UN-Vollversammlung mit der "völligen Zerstörung Nordkoreas", sollte das Land nicht einlenken. Kim antwortete zwei Tage später: "Ich werde den geistesgestörten amerikanischen Greis sicher und endgültig mit Feuer bändigen."

Für Nordkorea war diese rhetorische Gemengelage Affront und Segen zugleich, sagt Eric Ballbach. "Auf der einen Seite sind persönliche Angriffe auf die Führung in jedem autoritär gesteuerten Land ein absolutes No-Go. Auf der anderen Seite bietet diese Rhetorik den Nordkoreanern genau das, was sie haben möchte. Auch ein Land wie Nordkorea muss sein kosten- und ressourcenintensives Nuklearprogramm vor der eigenen Bevölkerung legitimieren. Und dazu braucht es auch eine Bedrohung von außen."

Die Welt blickt nach Pyeonchang

Maskottchen der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang (picture-alliance/dpa/D. Kalker)

Am 9. Feburar beginnen im südkoreanischen Pyeongchang die Olympischen Winterspiele - nun doch auch mit Teilnehmern aus Nordkorea

Jetzt scheint sich die Lage zumindest etwas beruhigt zu haben, nicht nur zwischen Washington und Pjöngjang, sondern auch auf der Koreanischen Halbinsel selbst. Nordkorea schickt Sportler, Regierungsvertreter, Funktionäre und Fans nach Pyeongchang. In der südkoreanischen Stadt werden im Februar die Olympischen Winterspiele ausgetragen. Die USA und Südkorea ihrerseits haben ihre nächste -  eigentlich für Februar geplante gemeinsame Militärübung - auf einen Termin nach den Spielen verschoben. Und US-Präsident Trump sieht "ganz viel positive Energie". Das würde ihm gefallen, so Trump in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz in Washington. Er hoffe, dass viele Dinge sich nun klären würden.