Trump sucht Verbündete gegen den Iran | Nahost | DW | 11.07.2019
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USA und die Golfstaaten

Trump sucht Verbündete gegen den Iran

Nach mehreren Zwischenfällen im Persischen Golf suchen die USA alte, neue Verbündete für eine Militärkoalition zum Schutz der Straße von Hormus. Die Emirate und Saudi-Arabien wären sicher dabei, doch was ist mit Katar?

Die USA sind derzeit auf der Suche nach Verbündeten, mit denen sie eine Militärkoalition zum Schutz von Öltankern in der Golfregion schmieden können. Dabei geht es laut US-Generalstabschef Joseph Dunford vor allem darum, "die Freiheit in der Meerenge von Hormus und der Meeresstraße Bab el Mandab zu sichern".

Die USA würden laut Dunford  ihr Wissen und ihre Überwachungsmöglichkeiten in der Seefahrt zur Verfügung stellen. Zivile Schiffe könnten nach Ansicht der USA von der jeweiligen Marine, unter deren Flagge sie unterwegs sind, eskortiert werden.

Die Straße von Hormus besitzt eine beträchtliche Bedeutung für die Weltwirtschaft: Durch die Seestraße, die zwischen dem Iran und dem Oman liegt, wird ein Drittel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls befördert. Sie bildet daher ein wichtiges Bindeglied zwischen den Ölproduzenten in der Region - Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Irak - und den Märkten in Asien, Europa und Nordamerika. Die Meeresstraße Bab el Mandab liegt zwischen dem Jemen und Dschibuti und Eritrea und bildet dort den südlichen Zugang zum Roten Meer, das im Norden im ägyptischen Suez-Kanal mündet.

Spannungen zwischen USA und Iran steigen

Da ein Teil der schiffbaren Route durch iranische Hoheitsgewässer führt, hat der Iran bereits mehrfach gedroht, die Meerenge von Hormus zu sperren. In den vergangenen Wochen hatten die Spannungen zwischen Teheran und Washington wieder zugenommen: wegen der US-Sanktionen, wegen des durch die USA aufgekündigten Atom-Deals, aber auch, weil im Juni zwei Öltanker im Golf angegriffen worden sein sollen. Washington macht Teheran für die mutmaßlichen Angriffe verantwortlich. Die Regierung in Teheran weist dies zurück. Kurze Zeit später kam es zum Abschuss einer amerikanischen Drohne durch den Iran und erneuten Schuldzuweisungen aus den USA. An diesem Mittwoch soll der Iran erneut versucht haben, britische Tanker zu kapern. 

USA Donald Trump zum Atomdeal mit Iran (picture-alliance/Xinhua/T. Shen)

Donald Trump hat den Atom-Deal mit dem Iran unilateral aufgekündigt

Nicht nur die USA, sondern auch Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate wollen den Einfluss des Iran in der Region schon lange zurückdrängen. Daher geht Golfstaaten-Experte Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) davon aus, dass der Vorstoß zur Bildung einer Militärkoalition insbesondere bei diesen Staaten auf positive Resonanz stoßen werde.

Auf der Suche nach Partnern

Man stünde derzeit mit einer Reihe von Ländern in Kontakt, sagte Marine-General Joseph Dunford. In den kommenden Wochen werde man sehen, welche Nationen den politischen Willen hätten, sich der Initiative anzuschließen. "Trump hat die Aufkündigung des Nuklear-Deals als Teil seines Wahlversprechens wahr gemacht und befindet sich auf einem Kurs, der den Iran weiter isolieren soll", sagt er.

Nicht nur ist der Iran Saudi-Arabiens größter Feind; Saudi-Arabien ist der engste Verbündete der USA in der Region. Die USA können sich daher sicher sein, dass das Königreich eine solche Militärkoalition befürworten wird. Auch das Verhältnis zwischen Kronprinz Mohamed Bin Salman und Donald Trump gilt als sehr eng. "Es kann sogar als Abhängigkeitsverhältnis beschrieben werden - zumindest von saudischer Seite", sagt Sons. Saudi-Arabien hat in der Vergangenheit das eigene Militär hochgerüstet - insbesondere mit amerikanischem Equipment. Das Königreich wäre daher in der Lage, nicht nur logistische Unterstützung zu liefern, sondern auch die eigene Marine oder Kampfjets bei einer solchen Mission einzusetzen.

Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.)

Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.

"Mohammed Bin Zayed ist konfrontativer geworden"

Auch auf Unterstützung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten können die USA setzen - obwohl das Emirat Dubai in der Vergangenheit einen konzilianteren Kurs aufgrund von Wirtschaftsinteressen gegenüber dem Iran gefahren ist. Als Handelsdrehscheibe wollte Dubai pragmatischere Beziehungen zum Iran, sagt Sons.

"Die Dominanz innerhalb der Emirate hat sich jetzt aber sehr stark in Richtung Abu Dhabi verschoben." Damit meint Sons vor allem den Einfluss von Kronprinz Mohammed Bin Zayed - dem de facto-Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate. "Er dominiert den politischen Kurs in den Emiraten sehr stark und dieser ist in Bezug auf den Iran deutlich interventionistischer und konfrontativer geworden." Die Emirate sehen sich gemeinsam mit Saudi-Arabien als Vorreiter einer anti-iranischen Front in der Region.

Neues Verhältnis der USA zu Katar

Dass auch das kleine Emirat Katar bei einer solchen Koalition einbezogen werden muss, hat mittlerweile auch Donald Trump erkannt und gerade erst den katarischen Scheich Tamim bin Hamad Al Thani in Washington empfangen - seinen "Freund", wie er ihn nannte. Bei der Gelegenheit hat Katar gleich Waffen und Boeing-Flugzeuge von den USA gekauft und zugestimmt, gemeinsam eine Petrochemie-Fabrik im Süden der USA errichten zu wollen.

Dabei klang das 2017 noch anders, als Saudi-Arabien, die Emirate und andere Nachbarländer eine Blockade gegen Katar verhängten - unterstützt von den USA: "Katar ist leider seit Jahren ein Finanzier von Terrorismus, und das auf sehr hohem Niveau", sagte Trump damals. Auch für seine engen Verbindungen zum Iran war das Emirat in Ungnade gefallen.

Doch der US-Präsident hat diesbezüglich eine 180-Grad-Wende hingelegt: "Der wichtigste US-Militärstützpunkt in der Region liegt in Katar", sagt Sebastan Sons. Aus logistischen Gründen - gerade jetzt, da die Spannungen zwischen dem Iran und den USA zugenommen haben - hat Katar daher eine enorme Bedeutung für die USA. Außerdem mischt Katar in sämtlichen Konflikten der Region mit: Doha ist der wichtigste Geldgeber für den Gazastreifen - ohne seine Hilfe würde die Kriegsgefahr auch für Israel steigen. Und: Die Herrscher Katars haben mehr Einfluss auf die afghanischen Taliban als alle anderen Golfstaaten - damit spielen sie in den dortigen Friedensverhandlungen eine gewichtige Rolle. Hinzu kommt: Der Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi und auch die Affäre um Haya, die geflohene Prinzessin von Dubai, haben das Image Saudi-Arabiens und der Emirate beschädigt. Das weiß auch Donald Trump.

Abu Dhabis Kronprinz Sheikh Mohamed bin Zayed Al Nahyan (picture alliance/Photoshot)

Mohamed bin Zayed - Der Kronprinz von Abu Dhabi gibt den außenpolitischen Ton der Emirate derzeit an

Balance zwischen Saudi-Arabien und Iran

Für Katar sei eine solche Militärkoalition allerdings ambivalent, sagt Sons. Einerseits freue sich Katar über einen Empfang in Washington, "weil das eine internationale Aufwertung der eigenen Position darstellt". "Aber auch, weil es zeigt, dass die Blockade der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien nicht von Erfolg gekrönt ist, sondern Katar weiterhin ein regional und international wichtiger Player bleibt."

Andererseits hat Katar in der Vergangenheit immer versucht, die Balance zwischen den regionalen Schwergewichtlern Saudi-Arabien und Iran zu wahren. "Eigentlich möchte man diesen Kurs weiterfahren. Katar wird versuchen, Zurückhaltung zu wahren, aber auch keinen Widerstand gegen ein solches Vorhaben einer Militärkoalition wagen", sagt der Experte. Er könnte sich sogar vorstellen, dass Katar die Situation nutzen könnte, um die USA zu bitten, auf Katars Antagonisten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate einzuwirken, als Gegenleistung für die eigene Teilnahme die Blockade des Emirates aufzuheben. Sollte Donald Trump Katar unbedingt mit im Boot haben wollen, müssten das am Ende auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hinnehmen. "Zumindest dann, wenn man das Verhältnis zu Donald Trump nicht gefährden will", sagt Sons.

USA Donald Trump und Tamim bin Hamad al-Thani (Reuters/K. Lamarque)

Scheich Tamim bin Hamad Al Thani und Donald Trump haben einen milliardenschweren Waffendeal abgeschlossen

USA will Kosten nicht alleine tragen

Von insgesamt 20 Koalitionspartnern zur Sicherung des Schiffsverkehres sprach US-Außenminister Mike Pompeo. Aus dem Golf kämen neben den drei größeren Playern auch noch Bahrain, Kuwait und der Oman in Frage. Sebastian Sons geht davon aus, dass Bahrain die Interessen Saudi-Arabiens verfolgen wird, da es wirtschaftlich vom Königreich abhängig ist und quasi keine eigenständige Außenpolitik verfolge. Kuwait und Oman könnten sich zurückhaltender zeigen. "Sie besitzen kein starkes Militär, und sie sind wirtschaftlich nicht so gut aufgestellt. Es sind kleine Länder, die ähnlich wie Katar, immer die Balance im Blick haben müssen." Aber zumindest würden sie ein solches Projekt nicht boykottieren oder torpedieren.

US-General Dunford sagte, Donald Trump sei es wichtig, dass die USA nicht alleine die Kosten einer solchen Mission trügen. Eine Militärkoalition wäre ein weiterer Schritt, um den Einfluss des Iran auf seine Territorialgrenzen zurückzudrängen. 

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