Trump staunt über deutsche Staatsanleihen | Aktuell Amerika | DW | 22.08.2019
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Negativzinsen

Trump staunt über deutsche Staatsanleihen

Sein Land werde überall "unfair" behandelt, lautet das Credo des US-Präsidenten. Selbst auf dem Geldmarkt bekommen die Deutschen weit bessere Konditionen als die mächtigen USA – das ist doch nicht fair!

USA Jerome Powell Notenbankchef mit Trump vor dem Weißen Haus (Getty Images/D. Angerer)

US-Präsident Donald Trump und Notenbankchef Jerome Powell

"Deutschland zahlt also Null Zinsen und wird tatsächlich dafür bezahlt, sich Geld zu leihen" twittert Donald Trump, und beschwert sich zugleich, dass die "weitaus stärkeren und wichtigeren" USA keine derart vorteilhaften Konditionen erhalten. Dabei sei der Dollar so stark wie nie, ebenso wie der Export, und es gebe auch keine Inflation ...

Tatsächlich ist es der Bundesrepublik zum ersten Mal gelungen, mit der Versteigerung einer dreißigjährigen Anleihe unter dem Strich Geld zu verdienen. Die Auktion erbrachte eine durchschnittliche Rendite von minus 0,11 Prozent, womit der Bund über die Laufzeit einen kleinen Einnahmeüberschuss erzielt - obwohl er Kreditnehmer ist. Solche negative Renditen sind Folge einer extrem hohen Nachfrage nach sicheren Wertpapieren, zu denen die Anleihen des Bundes nun mal gehören.

 

Der Adressat von Trumps Klage ist eindeutig: Die "ahnungslose" US-Notenbank Federal Reserve (Fed) habe die Zinsen "zu schnell, zu wild" erhöht, hatte der US-Präsident zuvor schon im Weißen Haus vor Journalisten geklagt. Dabei brauche die US-Wirtschaft vor allem eine Zinssenkung. Wenn die Fed ihren Job machen würde, "hätten wir einen Wachstumssprung wie nie zuvor", sagte Trump. Manche Analysten meinen, der Präsident brauche vor allem deshalb niedrige Zinsen, um die von ihm angezettelten Handelskonflikte abzumildern. Seit einiger Zeit ist die US-Regierung sehr bemüht, die Wirtschaft des Landes stark zu reden. Zuletzt hatten geplante Steuererleichterungen die Sorgen vor einem Abschwung verstärkt.  

Trump liegt in einer Dauerfehde mit der Fed, die nicht nach seinen Wünschen handelt. Fed-Chef Jerome Powell wird an diesem Donnerstag in Jackson Hole am Rande der Rocky Mountains erwartet, wo sich die Währungshüter der großen Zentralbanken zu ihrer jährlichen Konferenz treffen. Der Auftritt des US-Notenbankers wird von den Finanzmärkten mit Spannung erwartet. Sie erhoffen sich Hinweise, wie es mit den Zinsen in den USA weitergeht. Die nächste Entscheidung der Fed steht am 18. September an.

USA Trump kritisiert Zinssenkung der US-Notenbank als unzureichend (picture-alliance/dpa/R. Drew)

Die US-Notenbank hatte Ende Juli zum ersten Mal nach mehr als zehn Jahren ihren Leitzins gesenkt

Schon im kommenden Jahr fehlen mehr als eine Billion Dollar

Das US-Haushaltsdefizit wird nach Schätzungen des unabhängigen Budgetbüros des US-Kongresses (CBO) schon im Fiskaljahr 2020 auf mehr als eine Billion US-Dollar steigen. Damit würde das Defizit zwei Jahre früher als bisher erwartet über dieser Marke liegen, heißt es weiter. Das CBO hat als überparteiliche Einrichtung die Aufgabe, die Haushaltspolitik zu analysieren und Schätzungen für die künftige Entwicklung abzugeben.

Das US-Haushaltsdefizit lag zuletzt im Jahr 2012 über dem Niveau von einer Billion Dollar. Ein Haushaltsjahr beginnt in den USA am 1. Oktober des vorherigen Jahres.

rb/hk (afp, ap, dpa, rtr)

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