Trump holt die Landminen zurück | Aktuell Amerika | DW | 31.01.2020
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Antipersonenminen

Trump holt die Landminen zurück

Kaum eine Waffe ist hinterhältiger. Deshalb ist es eine humanitäre Errungenschaft, dass 160 Länder weltweit die Landminen geächtet haben. In den USA besinnt man sich eines anderen, weil der Präsident das so will.

Angola - Kriegsfolgen

Viel zu oft sind es die Kinder, die - wie hier in Angola - von Landminen verstümmelt werden

US-Präsident Donald Trump hat einen Landminen-Bann für die Streitkräfte seines Landes aufgehoben. Künftig soll die US-Armee moderne Anti-Personen-Minen einsetzen dürfen, die aus der Ferne deaktiviert werden können. Die Kommandeure dürften künftig in "außergewöhnlichen Umständen fortschrittliche, nicht permanente Landminen" einsetzen, heißt es aus dem Weißen Haus. Es gehe darum, dem "Militär die Flexibilität und die Fähigkeit zu geben, die es zum Siegen braucht".

Der unter Trumps Vorgänger Barack Obama beschlossene Bann könne für US-Soldaten in Konflikten einen "schwerwiegenden Nachteil" bedeuten. "Der Präsident ist nicht willens, dieses Risiko für unsere Soldaten zu akzeptieren." Für Verteidigungsminister Mark Esper sind Landminen "neben vielen anderen ein wichtiges Werkzeug, das unseren Kommandeuren auf dem Schlachtfeld zur Verfügung stehen muss." Das US-Militär gehe das Thema mit "großer Sorgfalt" an.

Trump besucht US-Truppen im Irak

Trump: "Dem Militär die Flexibilität und die Fähigkeit geben, die es zum Siegen braucht"

Tausende Opfer, Jahr für Jahr

Obama hatte den US-Streitkräften 2014 den Einsatz von Anti-Personen-Minen untersagt und die Zerstörung der Bestände angeordnet. Ausgenommen war die koreanische Halbinsel: An der Grenze zwischen Nordkorea und dem mit den USA verbündeten Südkorea sind zahlreiche Minen platziert. Das Verbot betraf außerdem nicht Panzerabwehrminen.

Bildergalerie Annäherung Nord- und Südkorea

Vermintes Gelände: Die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea

Anti-Personen-Minen wurden in Konflikten weltweit eingesetzt und gelten als besonders heimtückische Waffen. Sie töten oder verstümmeln Zivilisten auch Jahre und Jahrzehnte nach dem Ende eines Konflikts. Die Opfer gehen jährlich in die Tausende, häufig sind es Kinder, die im Freien spielen und dort auf eine Mine treten.

Ein "beschämender Schritt"

Anti-Personen-Minen kosten vergleichsweise wenig und sind leicht zu verstecken; ihre Räumung ist hingegen extrem gefährlich, langwierig und teuer. Zu den Ländern, die besonders von Landminen betroffen sind, gehören Afghanistan, Jemen, Angola, Kambodscha, Laos und der Irak.

Bildkombo Prinz Harry Prinzessin Diana Landminen Engagement

Kampf gegen die Landminen: Der britische Prinz Harry und seine Mutter, Prinzessin Diana

Mary Wareham von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch schrieb nach Trumps Ankündigung auf Twitter, dieser "beschämende Schritt" werde letztlich von künftigen US-Präsidenten wieder rückgängig gemacht werden. Die 1999 in Kraft getretene Ottawa-Konvention zum Verbot von Landminen wurde bislang von mehr als 160 Staaten unterschrieben, nicht aber von Großmächten wie den USA, Russland und China.

rb/haz (afp, ap, dpa, kna)